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Früher war mehr Winter

Gut. Früher war mehr Winter. Aber es gibt sie noch, die Orte an denen es kalt ist. So richtig kalt. Dort, wo nicht nur Elektroautos einen Stecker im Kühler haben, sondern das Öl und Kühlwasser der Benziner elektrisch auf Temperatur gehalten wird: Lappland.

Kaum hat die Fokker 50 auf dem leicht schneebedeckten Rollfeld aufgesetzt und die Motoren abgestellt ist Ruhe. Die totale Ruhe. Der sich meterhoch türmende Schnee schluckt jeden Schall und das wärmende Sonnenlicht hat zusammen mit den wenig zimperlichen Nachttemperaturen aus Schildern, Bäumen und überhaupt aus der ganzen Umgebung bizarre Eisskulpturen geschaffen.

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Es ist ein Traum. Fast wie in einer Märchenlandschaft. Nur das Schneewittchen nicht mit 520PS durch den Schnee getanzt ist. Denn, dafür sind wir hier. Zum Fahren in seiner schönsten Form: auf Eis. Mit Spikes. In einem Elfer.

Driften sollen wir, diesmal aber nicht nur ein bisschen, sondern richtig. Wie es die Rallye-Fahrer machen. Deshalb haben wir geübt: sind um Hütchen getanzt, haben den „scandinavian-flic“ gelernt und sind durch den Kreis getobt. Jetzt aber wird es ernst – vorbei die Spielereien in den Übungs-Sektionen – rauf auf die Handlingstrecke. Das Auto der Wahl ist der brandneue 911 Carrera 4S.

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Porsche hat viel Hirnschmalz in die Auslegung des PTM – für Porsche Traction Management – investiert. So läuft die Vorderachse im Normalfall praktisch arbeitslos mit und wird nur nach Bedarf, also im Falle von zu viel Schlupf an der Hinterachse, durch eine aktive Lamellenkupplung mit ins Vortriebsgeschehen gekoppelt. Doch nicht nur der Schlupf spielt eine Rolle, auch Längs- und Querbeschleunigung, vor allem aber der Lenkwinkel, sind wichtige Parameter bei der Momentenverteilung. Und hier liegt der Hund begraben.

Natürlich gelingen Dir wunderschöne Powerslides – die 400PS haben leichtes Spiel mit den eisigen Elementen – und es geht bei Bedarf mächtig quer aus jeder Kurve. Aber es ist eben doch nur die Holzhammer-Methode, geht es unter diesen Bedingungen doch normalerweise viel lockerer mit der Drifterei.

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Einlenken, bremsen, Heck entlasten und das Auto eindrehen lassen, danach Lenkwinkel anpassen und das Gas anlegen. Richtig? Falsch! Denn die Sache mit der Lenkung will einfach nicht in den Kopf. Gegenlenken bedeutet für den Mann im Steuergerät: „Himmel, der Bengel hat es ja überhaupt nicht im Griff, schnell alle Kraft nach vorn!“. Für Dich auf dem Eis bedeutet das, dass die Fuhre plötzlich aus dem Drift rausfährt und brav dem Gegenlenkeinschlag folgt. Also nicht gegenlenken. Was dann? Reinlenken? Natürlich nicht. Dann erntest Du unangenehmes Untersteuern, sitzt danach peinlich berührt im Schneehaufen und wartest auf den rettenden Cayenne. Die Lösung? Überhaupt nicht lenken.

Allraddriften. Lenkung geradeaus – denn in dieser Situation denkt das Steuergerät überhaupt nicht, verteilt nichts nach vorne und nichts nach hinten, sondern gibt einfach Feuer. So ein Drift ohne eingeschlagene Räder sieht zwar komisch aus, funktioniert aber perfekt.

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Wenn die vorher gewählte Linie gepasst hat und der Gaseinsatz entsprechend stimmt. Sollte das nicht der Fall sein, der 911er etwas zu eng oder etwas zu weit in der Kurve stehen, dann hilft folgendes: ein wenig lenken. Mit der Betonung auf w-e-n-i-g. Gerade das Lenkrad ein bisschen aus der Mittelstellung holen. Nach links zieht Dir der Vorderwagen in die Spur, nach rechts wird die Sache etwas weitläufiger.

Und wenn Du das verstanden hast, den Elfer nur noch mit dem Gas und der Bremse steuerst und das Lenkrad nur noch zum Andeuten der Richtung nutzt – dann ist der Knoten geplatzt.

Dann ist der alte Heckantriebsballast über Bord geworfen, die elendige Gelenkerei und überhaupt. Hier oben, bei Bedingungen um -25 Grad und einer Streckenglätte, die Dich keine drei Meter unfallfrei geradeaus laufen lassen, ist der Allrad einfach nicht zu biegen.

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Bis Du die letzte Übung beginnst. Dort stehen sie aufgereiht, schwarz, gelb, rot, silber und weiß. Porsche 911 turbo. 520PS und 710 Overboost-Nm. Fein filetiert vom PDK-Getriebe und dem PTM-Allrad. Dazu 200 exakt 4mm lange Spikes pro Rad. Gott, es könnte nicht schöner sein.

Doch da hat man die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn das, was der neue turbo auf dem Eis hier oben in Levi anstellt ist mehr als atemberaubend. Gehen die freisaugenden Brüder schon recht streng nach vorne, ist es im turbo einfach nur grob. Aus dem Stand springt die kräftigste aller 911-Fäuste nach vorne, als wären wir auf trockener Straße. In der Drehzahlmitte, wo sich alle 710Nm versammeln, reißt es dann das erste Mal die Hinterachse ab. Die Räder gehen durch, die Drehzahlnadel schnallt nach oben und der Sport Plus-Modus exekutiert kalt den nächsten Gang.

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Ohne Zugkraftverlust beim Schalten haben die Räder jedoch keine Möglichkeit nach Grip zu suchen, sondern wühlen sich munter weiter durch das Eis. Der Tacho zeigt inzwischen Werte um 180km/h an, als die lange Links am Horizont erscheint. Anstellen, einpendeln und durchziehen.

Heiser gröhlt der Boxer dabei aus dem Auspuff, schaufelt den Schnee meterhoch in die finnischen Weiten und Du fühlst Dich in diesem Moment tatsächlich wie im Märchen.

Einem, dass man für Geld kaufen kann. Porsche bietet das Eiserlebnis im Rahmen der Porsche Driving Experience Winter in verschiedenen Levels an. Angefangen beim Camp 4 über Camp 4S, Ice Force und Ice Force S. Die Kosten? Unbezahlbar. Sie werden nie mehr Spaß beim Autofahren haben.

Noch mehr Fotos von Schnee, Eis und der Porsche Driving Experience in Finnland finden Sie auf unserer Facebook Seite.

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Text: Fabian Mechtel · Fotos: Teymur Madjderey für Heldth


VIELEN DANK AN

Porsche