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Auf der Suche nach der großen Freiheit

Die dunkelrote BMW F 700 GS steht bereit. Mit ihrem Gewicht von etwas mehr als 200 kg, einer Leistung von 75 PS und 77 Nm Drehmoment ist die Enduro das, was man gemeinhin als „richtiges Motorrad“ bezeichnet. Sascha setzt sich auf die Maschine und lässt den Zweizylinder an, der Motor schnurrt sanft vor sich hin und mit einem beherzten Schwung nehme meinen Platz als Sozius dieser ersten Fahrstunde ein. Der riesige Parkplatz des Berliner Olympiastadions ist das Ziel und dient den meisten Fahrschulen der Stadt als Übungsfläche für die sogenannten Grundfahrübungen.

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Fast jeder von uns hat schon mal auf einem Motorrad gesessen, einfach so. Kurz an Kupplung und Bremse gezogen, das Fahrwerk satt einfedern lassen und sich den Wind im Gesicht vorstellen. So beginnt es fast immer. Zündung an, Startknopf drücken und zack, ist der Respekt vor dem vibrierenden Monster erwacht. Der eine oder andere hat auch schon mal eine Runde auf einem x-beliebigen Parkplatz oder Grundstück gedreht und es fühlt sich eigentlich gar nicht so kompliziert an. Der theoretische Teil ist bestanden, also ist auch die Praxis zu schaffen und die eine oder andere Runde im Hinterhof der Werkstatt fühlte sich vielversprechend an.

Auf dem Oly – so nennen nicht nur wir coolen Motorradfahrer den Platz vor dem Olympiastadion – zirkeln jede Menge Fahrschüler um jede Menge Pylonen und werden dabei von jeder Menge Fahrlehrer gelobt, korrigiert und getriezt. Wir rollen auf eine der freien Spuren zu, auf dieser Fläche aus roten und grauen Knochensteinen beginnt nun also der Weg in die legendäre Freiheit des Motorradfahrens.

Ehe der Startknopf gedrückt wird, gibt es eine klare Einweisung in die technischen Grundlagen der GS. Nach Überprüfung der Beleuchtung und der Kettenspannung, der Erklärung der einzelnen Knöpfe und Schalter beginnt das Spiel zwischen Lehrer und Schüler. Es ist ein abklopfen der Möglichkeiten und Fähigkeiten, mit dem richtigen Gegenspieler sehr unterhaltsam und die scheinbar dauerhaft gute Laune von Sascha ist der perfekte Boden dafür. 

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Der erste Gang rastet ein, der Kupplungshebel gleitet langsam nach vorn und die BMW rollt an. Stop and Go. Anfahren, bremsen, anfahren, bremsen, … Abwechselnd gehen das linke und das rechte Bein auf den Boden, um die Maschine auszubalancieren und die vorsichtigen Fahrübungen auf dem Hinterhof haben sich scheinbar ausgezahlt. Ein guter Fahrlehrer weiß allerdings genau, wo und wie er die Probleme der fahrerischen Fähigkeiten findet. Es dauert als nicht lange und das wirkliche Lernen beginnt. Es gibt halt doch einen Unterschied zwischen Motorrad fahren und Motorrad fahren können. Ich habe mich gut geschlagen und Blut geleckt.

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Die zweite Fahrstunde beginnt und endet wie die erste. Sascha sitzt vorn und ich klemme mich mit der flatternden High-Visibilty Weste direkt dahinter. Ich bremse, beschleunige, weiche aus, bremse stärker, fahre extrem langsam und im Slalom. Immer und immer wieder. Über das Funkgerät im Helm erhalte ich Anweisungen und Korrekturen und am Ende des Tages ein anerkennendes Klopfen auf den Helm mit dem Hinweis, dass es ab morgen anders laufen wird. Mein Grinsen wird von Nervosität begleitet, da draußen sind grob geschätzte zehn Millionen verrückter Autofahrer und ich werde mich mitten rein stürzen. Okay.

Es ist schon ein bisschen cool, direkt vor der Fahrschule auf das Motorrad zu steigen. Sascha sitzt auf seiner BMW R 1200 GS und ich fühle mich ein wenig wie am ersten Schultag. Kurz rekapituliere ich die benötigten Bewegungen und ehe ich mich versehe, rolle ich über den Asphalt der Hauptstraßen. Die Anweisungen zum abbiegen, aufpassen und ausschalten des Blinkers knistern durch das Funkgerät in mein Ohr, langsam legt sich die Nervosität und ich frage mich, wie wir heute eigentlich so unfassbar schnell zum Oly gekommen sind. Die Grundfahrübungen werden komplexer – Gefahrbremsungen, Ausweichschwünge, Kreisfahrten und immer wieder alles von vorn bis es sitzt. Am Ende des Tages folgt ein unachtsamer Moment und schon liegt die Enduro auf der Seite. Statt der erwarteten Schelte und dummen Kommentare gibt es glasklare Anweisungen, wie man ein 200 kg schweres Motorrad wieder auf der Räder gestellt bekommt. Es fühlt sich fantastisch an, wenn man wirklich etwas lernt und nicht nur die Standards runtergerattert werden, die für das Bestehen des Führerscheins notwendig sind.

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Die Fahrten zum Übungsplatz werden länger, die Zeit auf dem großen Parkplatz weniger und die Redapple Metallic lackierte Maschine und ich finden immer mehr zueinander. Alle Bewegungen werden routinierter und die korrigierenden Anweisungen aus dem Funkgerät nehmen langsam ab. Ein Fahrlehrer der wenig sagt, ist nämlich fast immer ein zufriedener Fahrlehrer.

Die Situationen des Stadtverkehrs kennen wir alle aus dem Alltag. Rechts vor links, große und kleine Ampelkreuzungen, verkehrsberuhigte Zonen und mehrspurige Hauptstraßen wechseln sich immer wieder ab. Taxis und Lieferwagen jagen durch den Verkehr, Busse ziehen stoisch ihre Spuren und irgendwie sieht der Verkehr ganz anders zu, wenn man auf dem Motorrad sitzt. Positiver Nebeneffekt – im Straßenverkehr bekommt man plötzlich eine andere Wahrnehmung für andere Motorradfahrer, selbst wenn man im Auto sitzt. Man beginnt mehr darauf zu achten, wo und wie die Maschinen sich ihren Weg durch den Verkehr bahnen. 

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Es wird höchste Zeit, dass wir endlich die Stadt verlassen und mal kräftig am Gas drehen, die Nadel des Tachos kann schließlich noch viel weiter als bis zur fünfzig. Ich will den Wind im Gesicht spüren. Die erste Fahrt in die lang ersehnte Freiheit beginnt mit einem satten Stau auf der Autobahn. Nachdem der Berufsverkehr hinter uns liegt und die Autobahn in ihrer grau-grünen Langweiligkeit vor uns liegt, kommen mir zwei Dinge in den Kopf. Warum will man eigentlich mit dem Motorrad auf der Autobahn fahren? Wo bleibt jetzt eigentlich dieses ultimative Erlebnis voll unendlicher Glückseligkeit? Vorerst bleiben diese beiden Fragen unbeantwortet, denn ich konzentriere mich auf die verrauschten Durchsagen aus dem Funkgerät und bin ziemlich froh, als wir die Autobahn wieder verlassen. 

Was für die einen im Sommer von Vorteil ist, kommt anderen ein wenig ungelegen – es ist lange hell. Wir müssen recht spät los, um die Nachtfahrt zu absolvieren und es verhält sich ähnlich wie bei dieser Sache mit der Autobahn. Es gibt einfach deutlich bessere Voraussetzungen um zu fahren. Also Haken dran und weitermachen.

Als wir für die Überlandfahrt durch die Alleen rauschen fühlt sich die Maschine beinahe perfekt an. Die Theorie der physikalischen Besonderheiten beim Motorrad fahren wird plötzlich spürbar. Ein überzeugter Druck auf die gewünschte Seite lässt die GS butterweich um die Kurve gleiten und langsam manifestiert sich ein zufriedenes Lächeln in meinem Gesicht. Ist es das wovon Motorradfahrer immer so schwärmen? Es fühlt sich gar nicht mal so schlecht an, aber irgendetwas scheint doch noch zu fehlen. 

Bis zur Prüfung sind es nur noch ein paar Tage. Ich bin gespannt und nervös, Sascha ist zuversichtlich und eigentlich könnte ich das auch sein. Aber man weiß ja nie, was einen wirklich erwartet. Das wechselhafte Wetter des Sommers hatte bereits die eine oder andere Dusche im Programm und man könnte ja aus Versehen auch mit dem verkehrten Fuß aufstehen. Es finden sich tausend Gründe, um nicht vollkommen von sich überzeugt in die Prüfung zu gehen. Vielleicht ist genau das der Trick …

Alle Fotos zum praktischen Teil des Abenteuers Motorradführerschein finden Sie auf unserer Facebook Seite.

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Teil 1: Von einem, der auszog, das Fahren zu lernen
Teil 3: Von frisch gebackenen Bikern und Berliner Boxern
Teil 4: Was ist jetzt eigentlich mit diesem Gefühl?

Fotos: Tim Adler für Heldth


Mit freundlicher Unterstützung von BMW MotorradFahrschule Herberg und Pike Brothers.