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Bodensee Klassik – Die Gentleman Racer

Fahrzeuge werden so bezeichnet, weil sie bewegt werden wollen. Die schönste Sammlung von Automobilen ist nichts wert, wenn die Schätze nicht auch mal raus auf den Asphalt dürfen, um das Öl in die hintersten Winkel des Motorblocks zu spülen, die Bremsbeläge zu verschleißen und ein wenig Luft in den Tank zu lassen. Wenn man einen klassischen Wagen bewegt, ist der Weg zur Arbeit gleich viel angenehmer und aufregender. Noch viel besser ist es allerdings, wenn der automobile Schatz in einem passenden Umfeld und mit Begleitung durch Brüder und Schwestern im Geiste bewegt werden kann.

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Die Bodensee Klassik ist ein solches passendes Umfeld. Die AUTO BILD KLASSIK richtete die Klassik Rallye zum vierten Mal aus. Das Dreiländereck Deutschland, Österreich und Schweiz bietet die wundervolle Bühne für die fünf Etappen rund um den Bodensee. Beinahe perfektes Wetter und ein vielschichtiges Starterfeld das über 60 Jahre Automobilgeschichte widerspiegelt, fantastische Bergpassagen und atemberaubende Panoramen – die Bodensee Klassik ist in jeder Hinsicht ein Fest.

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Rolls-Royce Silver Cloud III „Chinese Eye“ Drophead Coupé. Ein imposanter Name für einen imposanten Wagen. Die Karosseriers H.J. Mulliner, Park Ward Inc. erschufen die Sonderkarosserie, die auf dem Entwurf des Norwegers Vilhem Koren basiert, den dieser ursprünglich für den Bentley S2 Continental entwarf. Insgesamt entstanden nur 100 Modelle dieser Spezialversion. Ein unglaublich leiser, aber kraftvoller 6,2 Liter V8 sorgt für „genügend“ Leistung, in Kombination mit dem legendären „Magic Carpet Ride“ ist dieser Rolls-Royce ein wirklich fantastischer Reisewagen.

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Die technische Abnahme des Wagens verläuft erwartet problemlos, das grandiose Team von BMW Classic hat den Rolls-Royce schließlich perfekt vorbereitet. Die Startnummern und die Freigabe zur Teilnahme sind somit leicht verdient. Auf dem Vorplatz des Festspielhauses Bregenz stehen auch schon einen Tag vor dem offiziellen Start jede Menge Wagen, die Sehnsüchte wecken. Kein Zweifel, die kommenden Tage werden fantastisch in jeder Hinsicht.

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Der Rolls-Royce gleitet am ersten Tag kaum hörbar auf den großen Platz vor dem Festspielhaus in Bregenz und sorgt für die ersten staunenden Blicke. Das riesige Verdeck verschwindet elektrohydraulisch im Heck des Wagens und die Sonne kitzelt alles aus dem hellen Grünton heraus, in den der Silver Cloud III getaucht ist. Immer mehr automobile Schätze kehren vor der Seebühne ein. Zwischen den mehr oder weniger aufregenden Wagen findet sich sogar ein alter Bekannter. Die Altersbeschränkung liegt bei zwanzig Jahren und so stehen zwischen den coolen Opel KAD A Wagen, verschiedenen Mercedes-Benz Cabriolets und Coupés, sportlichen Porsches, diversen VW Bullis und einer Handvoll Vorkriegswagen auch beinahe moderne Fahrzeuge wie ein Audi 80 Avant RS2, ein BMW 850 CSi oder ein Honda NSX.

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Diese Rallye ist eine Gleichmäßigkeitsfahrt, es geht also viel mehr um Präzision, denn um hohe Geschwindigkeiten. Auf den fünf Etappen gibt es verschiedene Wertungsprüfungen, in denen Strecken in einer vorgegebenen Zeit zurückzulegen sind. Diese Strecken sind zwischen 10 Metern und mehreren Kilometern lang, manchmal werden sogar mehrere Wertungsprüfungen ineinander verschachtelt. Der Silver Cloud III ist irgendwie nur suboptimal für diese Prüfungen, die Front des eigenen Wagens nur erahnen zu können, macht das Spiel nicht gerade einfacher. Zusätzlich gibt es Stempelprüfungen, hier zählt nur die bloße Anwesenheit; gemein, wenn die Stempelprüfung dann ein wenig versteckt platziert ist. Zwischen den Prüfungen folgt man dem umfangreichen Roadbook durch die großartige Alpenlandschaft, winkt Zuschauern am Straßenrand, schlürft einen Espresso und genießt die Ausfahrt ganz nach den eigenen Vorstellungen.

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Der zweite Tag beginnt deutlich früher, es stehen schließlich zwei große Etappen auf dem Plan. Die Strecke führt durch den Hafen von Lindau, das Ravensburger Spieleland und den Park des Fritz B. Busch Museums. Zwischendurch gibt es immer wieder Wertungs- und Stempelprüfungen, ein staunendes und begeistertes Publikum sowie eine unglaubliche Menge an Geschenken bei jedem Zwischenstopp. Der Rolls-Royce schiebt sich souverän über Berg und Tal, der Wagen läuft wie ein Schweizer Uhrwerk und würden nicht immer wieder andere Mitfahrer auf den Straßen auftauchen, wäre es in diesem Traumwagen ein leichtes, zu vergessen, dass man an einer Klassik Rallye teilnimmt. Der Abend wird vom Fahrerfest im Burgrestaurant Gebhardsberg gekrönt. Die ersten drei Etappen werden ausgewertet und entsprechende Pokale für gewonnene Wertungsprüfungen verliehen.

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Am dritten Tag, dem Samstag, wird das meiste Publikum an den verschiedenen Checkpoints zu treffen sein. Die morgendliche Startprozedur wiederholt sich mit marginalen Änderungen, man kennt seine vorausfahrenden Fahrzeuge mittlerweile gut. Wie an den vorhergehenden Tagen auch, verschwindet die vor dem Rolls-Royce gestartete offene S-Klasse mit der Startnummer 63 jedoch recht schnell im Rückspiegel, zumindest für den Moment. Der britische Adel rast zwar nicht, reist aber zügig. Das unglaublich komfortable Fahrwerk des Wagens lässt auch die schlechtesten Straßen spiegelglatt erscheinen. Das anfangs fragwürdige Wetter wird schnell ignoriert und das Dach verschwindet wieder im Heck des Wagens.

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Atemberaubende Bergstraßen stehen auf dem Programm, bis es per Seilbahn auf den Gipfel des Diedamskopf in 2090 Metern Höhe geht. Die vielgerühmte Aussicht ist vermutlich wirklich super. Das Wetter verhindert jedoch sogar die Sicht auf das Geländer der Terasse. Nach einer Stärkung folgt die fünfte und letzte Etappe, die erneut in Bregenz auf dem Platz der Symphoniker endet. Eine finale Wertungsprüfung direkt vor der Zieldurchfahrt wird dankbar vom Publikum gefeiert, hier bekommt jeder Teilnehmer noch einmal seine große Bühne.

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Krönender Abschluss ist der Gala-Abend am dritten Rallye-Tag. Hier werden zwischen den verschiedenen Gängen die Pokale für die einzelnen Wertungsprüfungen und zwei zusätzliche Sonderpreise verliehen, ehe es an die Ehrung der Gesamtsieger geht. Hanno Mayr und Walter Kofler steuerten ihr 1971er Lancia Fulvia Coupé 1.3 S souverän als Gesamtsieger durchs Ziel. Ganz ohne Pokal ging es aber auch für uns und den Rolls-Royce Silver Cloud III nicht zu Ende. Für stilsicheres Auftreten, wie es sich für einen wahren Heldth gehört, gab es einen der beiden Sonderpreise und tosenden Applaus. So eine Klassik Rallye ist wirklich immer ein großartiges Spektakel, mit einem Pokal nach Hause zu fahren, krönt das Ganze jedoch erst richtig. Wir haben Blut geleckt.

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Alle Fotos unserer Teilnahme an der Bodensee Klassik 2015 finden Sie auf unserer Facebook Seite.

Fotos: Tim Adler für Heldth


Mit freundlicher Unterstützung von BMW Classic.
Selected Homme und Roeckl sorgten für die perfekte Ausstattung.