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Wiedervorlage: Life Thru A Lens

Heute hat der Brite alle überholt. 1995 aber, als Robbie Williams die Band Take That verließ, nur noch mit Alkohol- und Drogenexzessen auf sich aufmerksam machte und selbst die erste Single Freedom, ein Cover des George-Michael-Songs, nicht wirklich überzeugen konnte, traute ihm diesen Erfolg niemand zu. Es sollte zwei Jahre dauern, bis Robbie Williams – mit der Unterstützung seines damaligen Co-Autoren und Produzenten Guy Chambers – die Arbeit an seinem Debütalbum abschloss.

Life Thru A Lens hieß das gute Stück, das für Williams vor allem eines war: Aufarbeitung seiner irren Boyband-Tage und der anschließenden Drogenerfahrungen. Außerdem war es ein Befreiungsschlag für den smarten Chaoten. Dem Britpop zugewandt, wollte er endlich durchstarten und an alte Erfolge anknüpfen. Doch es kam anders: Die ersten drei Singles und das Album erreichten nicht mal in der Heimat die Top 10. Ein Wunder musste her. Und genau das kam – man möge mir diesen flachen Witz erlauben – in Gestalt von Engeln.

Als der Song Angels veröffentlicht wurde, bekam Williams‘ Karriere den verdienten Auftrieb. Auch wenn die Ballade selbst nur auf Platz 4 der UK-Charts kletterte, pushte sie neben den drei zuvor veröffentlichten Singles auch das Album Life Thru A Lens noch einmal ordentlich. 48 Wochen sollte es von da an in den Top 10 der Charts verweilen; bis heute wurde es mehr als 3.000.000 Mal verkauft.


Auch wenn die ersten drei Song-Veröffentlichungen Old Before I Die, Lazy Days und South Of The Border zunächst nicht überzeugen konnten, gehören sie mit zu den besten Stücken, die das Songwriter-Team Williams/Chambers zustande gebracht haben. Trotz lauter Gitarren und geradlinigen Drums machte Life Thru A Lens schon damals deutlich: Williams Herz schlägt für gute Popmusik. Dass er auch anders kann, stellte er nicht nur mit dem Song Angels unter Beweis: One Of God’s Better People und Baby Girl Window zeigen mindestens genau so eindrucksvoll die nachdenkliche und stille Seite des Entertainers auf Lebenszeit, der mit Let Me Entertain You auch gleich noch die passende Hymne für seine Berufung parat hat.


2002 endete die Zusammenarbeit des dynamischen Duos Williams/Chambers. Williams‘ Erfolg hat das bis heute nicht geschadet – erstaunlicher Weise. Denn so selbstzerstörerisch, ehrlich und zugleich gut aufgelegt wie auf den ersten Alben seiner Karriere war er nach dem Chambers-Weggang nie wieder. Deshalb, und weil Life Thru A Lens den Startschuss für eine einzigartige Karriere im Popbusiness markiert, ist es eines der Alben, das man ruhig mal wieder hervorkramen kann aus den hintersten Ecken seines CD-Regals. Oder aber – und solche soll es ja auch geben da draußen – vollkommen neu entdecken.

Text: Ronny Janke
Foto: EMI
Videos: Robbie Williams