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Wiedervorlage: Bringing Down The Horse

Wie sich das wohl anfühlt, der Sohn von Bob Dylan zu sein? Man kann einige Zeit damit zubringen, sich Gedanken über diese Frage zu machen. Dabei könnte man sich sogar die eine oder andere Geschichte überlegen, wenn man zu viel Freizeit hat. Man kann es aber auch lassen und sich stattdessen mit der amerikanischen Rockband The Wallflowers befassen. Deren Frontmann ist nämlich ein gewisser Jakob – der jüngste Sohns Dylans. 1990 gegründet, ließ sich die Band nach der Veröffentlichung des Debüts (1992) gute vier Jahre Zeit für das schwierige zweite Album. Doch alles ging gut: Bringing Down The Horse ist bis heute eines der empfehlenswertesten Alben einer guten Band, der der wirklich große Erfolg leider immer verwehrt blieb.

Obwohl das nicht so ganz stimmt. Bringing Down The Horse gilt als das Album, das mit dem Durchbruch der Band in Verbindung gebracht wird. Nicht nur wegen der sehr erfolgreichen Singles One Headlight und 6th Avenue Heartache. Die Coverversion des Bowie-Klassikers Heroes, die für den 1998 in den Kinos angelaufenen Emmerich-Film Godzilla vorgesehen war, verschaffte den Jungs von The Wallflowers tatsächlich für kurze Zeit enorme Popularität. Diese brachte den Jungs 1998 sogar zwei Grammy Awards.

Vom Erfolg beflügelt, veröffentlichte die Rock-Band fleißig weiter Alben, konnte jedoch mit keinem an den Erfolg von Bringing Down The Horse anknüpfen. Die Band gibt es noch immer, allerdings ist Jakob Dylan mittlerweile auch als Solokünstler im Folk-Rock-Genre unterwegs – sogar als Kritikers Darling. Doch zurück zu Bringing Down The Horse, das mit Invisible City, Josephine und I Wish I Felt Nothing auch drei wirklich großartig eingespielte Balladen bereit hält.

Überhaupt belegen die elf Songs auf Bringing Down The Horse, dass die Band um Dylans Jüngsten über ein ausgezeichnetes Gespür für das richtige Tempo, clevere Arrangements und somit zeitlos gute Musik verfügt. Selbst die Verehrung musikalischer Helden wie Bruce Springsteen, The Clash oder die Counting Crows kommt zu keinem Zeitpunkt aufdringlich daher. Immer wirkt der Wallflowers-Sound eigen. Mit Bringing Down The Horse hat die Band deutlich gemacht, dass sie alles andere ist als ein Mauerblümchen. Zeit also, das Album mal wieder hervorzukramen oder vollkommen neu für sich zu entdecken.

Text: Ronny Janke
Foto: Interscope (Universal Music)
Videos: The Wallflowers