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Durchgehört: Die 3 besten Alben des Monats (#002)

Das war’s. Aus, vorbei. Nun kann wirklich niemand mehr von Sommer sprechen, bei dem, was uns draußen erwartet. Das erste rotgelbe Laut säumt schon die Straßen, langsam aber sicher wird es wieder früher dunkel und die ersten Menschen tragen wieder Jacken. Auch die Zeit der gutgelaunten Partymusik liegt jetzt hinter uns. Es ist Zeit für die gute alte Melancholie. Drei dazu passende Alben haben sich im August wohlwollend in den Vordergrund gespielt. Grund genug, sie euch hier vorzustellen:

Rob Moir war mal ein kanadischer Punkrocker und hat sich jetzt, ohne seine Band und bereits auf seinem zweiten Album, zu einem ernstzunehmenden Singer/Songwriter entwickelt. Nach seinem Debüt vor zwei Jahren ging er auf Tour. Die war lang – und trotzdem hatte Moir danach nicht genug vom Unterwegssein. Deshalb durchquerte er anschließend mit seinem Fahrrad die Niederlande. Irgendwann hatte er genug erlebt. So viel nämlich, dass er die Songs für das wirklich sehr gelungene Album Adventure Handbook zusammenhatte. Die meisten Songs darauf sind zwischen zwei und drei Minuten lang. Moir erzählt, was nötig ist – nie mehr. Dazu gibt’s vorwiegend Gitarren und Schlagzeug. Einziges Makel: das zweite Album ist viel zu schnell vorbei. Aber dann holt man sich eben einfach das erste Solo-Album Moirs dazu und schon geht’s.

Es ist nicht einfach, gut in deutscher Sprache zu texten, ohne sich angreifbar zu machen. Entweder, man schreibt Texte, die alles und nichts bedeutet können. Oder man schreibt Geschichten, die in ihrer Plattheit alles sagen, was man vielleicht lieber selbst herausfinden möchte. Gloria entscheiden sich für ein sicheres Mittelding. Gloria – das sind Klaas Heufer-Umlauf (Circus Halligalli, Pro Sieben) und Mark Tavassol (ehemaliger Gittarist und Bassist von Wir sind Helden). Schon für das Debüt ernteten die beiden jungen Herren viel Lob. Auch wenn es auf dem zweiten Album deutlich ruhiger und nachdenklicher zugeht, schaffen es die beiden Herren, clevere Texte mit der passenden Instrumentalisierung zu versehen. Guter Singer/Songwriter-Pop ist das. Aber eigentlich ist der Stempel, den man Geister aufdrücken will, vollkommen egal. Für die goldene Spätsommersonne, lange Autofahrten und ruhige Abendstunden gibt es im Moment keine passendere deutschsprachige Musik.

Und allen, die doch noch eine Rechnung mit dem Sommer offen haben, sei Jessica Hernandez empfohlen. Trotzig, cool und wie ein Elefant im Porzellanladen hat das schwarzhaarige Stimmwunder mit ihrer Band The Deltas Songs geschrieben, die Rock, Funk, Soul und Pop vereinen – und zwar in einer Art, die nicht aus dieser Zeit zu stammen scheint. Der Rockability-Charme, mit dem die Band ihre Musik auflädt, wirkt zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt. Ehrlich und geradeheraus krakelt die Frontfrau ihre Geschichten, die meist vom Schlussmachen, fiesen Männern und noch mieseren Spielchen handeln. Damit ist das Album Secret Evil der ideale Soundtrack, um ein letztes Mal in diesem Jahr mit seiner besseren Hälfte Bonny und Clyde zu spielen, zum See zu brettern und dem Alltag den Mittelfinger entgegenzustrecken.

Text: Ronny Janke
Fotos und Videos: Make My Day (Indigo), Grönland (rough trade), Instant Records

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