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Wiedervorlage: Beautiful Freak

2016 wird das Album Beautiful Freak von den Eels seinen 20. Geburtstag feiern. Und tatsächlich nicht nur das Album, sondern vermutlich auch die Band selbst. Diese hatte sich zwar 1995 gegründet, aber eben erst ein Jahr später das Debütalbum veröffentlich, von dessen Covermotiv einem seit jeher ein gleichermaßen beängstigendes wie Vertrauen erweckendes kleines Mädchen ansieht – mit den bekannt-befremdlichen riesigen Augen. Beautiful Freak markiert den Startschuss einer herausragenden Alternativ-Rock-Band um den großartigen Mark Oliver Everett aka Mr. E.

Schon der Opener Novocaine For The Soul – leicht schräg und fast schon gruselig – macht deutlich, dass die Musik dieser Band keinen gängigen Regeln folgt. Danach Susan’s House, mit dieser sagenhaften-beruhigenden Geisterhaus-Atmosphäre, die vor allem dadurch entsteht, dass Mr. E nur im Refrain singt, die Strophen hindurch aber spricht und seine Stimme so bearbeitet wurde, dass sie klingt, als würde sie durch ein altes Radio zu uns, den neugierigen Hörern, dringen. Tatsächlich liegt über dem gesamten Album eine Magie, die Mr. E – der danach mit seiner Band stetig erfolgreicher wurde – bis heute nie wieder heraufbeschwören konnte.

Schrammelige Gitarre, kreischende Kinderchöre, dazu wunderschöne Bass-Melodien und Mr. Es kratzig-verletzte Stimme, die einen bittersüßen Kontrast zum instrumentalen Umfeld bildet – das ist über all die Jahre das Rezept geblieben, mit dem die Eels ihre Fans zu begeistern wissen. „Wem bei My Beloved Monster nicht das Herz zerspringt, der hat keins“, lautet ein altes Sprichwort, das sich irgendwann irgendjemand ausgedacht hat. Und „Wer nicht schon mal zu Flower geflennt hat, was die Tränendrüsen hergeben, der hat das Leben nicht verstanden“ fügte kurz danach irgendwann ein anderer Irgendjemand flüstern hinzu.

Auf Beautiful Freak erfinden die Eels quasi im Alleingang den Postgrunge, indem sie ihn mit zahlreichen Genres kreuzen und daraus einen eigenen, sehr liebevollen Rock kreieren, der zu gleichen Teilen durchdacht und beherzt ist. Nicht umsonst war das Album das erste, das auf dem neuen u.a. von Steven Spielberg gegründeten Label DreamWorks veröffentlicht wurde. Und wo wir uns gerade in der Filmwelt befinden: Hätte Tim Burton, so wie er in Johnny Depp seinen Lieblingsdarsteller gefunden hat, eine Lieblingsband – es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht die Eels wären.

Text: Ronny Janke
Foto: Geffen (Universal Music)
Videos: Vimeo, Vevo