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Durchgehört: Die 3 besten Alben des Monats (#004)

Da ist wieder dieses ekelhafte Gefühl: Dank der Zeitumstellung vor etwa zehn Tagen muss man plötzlich damit klarkommen, dass es schon 17 Uhr so dunkel ist wie sonst erst 23 Uhr. Zugegeben, daran ist nicht allein die Zeitumstellung Schuld, aber eben auch. Es gibt nicht viel, das zuverlässig gegen diese depressiv machende Dunkelheit hilft. Rund um die Uhr Nutella löffeln bringt vielleicht etwas, macht einem aber auch einen Strich durch das Fitnessprogramm, das man den gesamten Sommer eifrig durchgehalten hat. Doch Obacht! Rettung naht. Und zwar in Form neuer Musik – wie diese drei Alben.

Auch wenn sie zuletzt etwas geschwächelt haben, jetzt sind die Editors in altbekannter Form zurück. Weg mit den Streichern und dem zuckersüßen Drama. Auf ihrem neuen Album In Dream überzeugen die Briten wieder mit alternativem Rock, der keinen Hehl aus seiner Nähe zur elektronischen Musik macht. Weite Flächen, dunkle Stampfer und betörende Klaviermelodien erzeugen diese ganz besondere und nur schwer zu fassende Hoffnung. Aber immerhin: Hoffnung – auf einen nächsten Frühling, auf mehr Licht, auf ein Danach, auf ein „Alles wird gut“. Die Editors liefern wieder kreativ ab, erinnern zuweilen an Depeche Mode auf deren Schaffenshöhe. Das ist nicht einfach nur ein Traum, sondern noch dazu ein schöner.

Wer weiterträumen will, sollte dranbleiben! Das französische Duo The Shoes meint es gut mit uns und veröffentlicht dieser Tage nicht nur die nächste Single ihres neuen Albums Chemicals. Außerdem erscheint das Album, das es seit Anfang Oktober zumindest schon digital gibt, endlich auch physisch. Es soll ja noch Menschen geben, die sich gute Musik – ob auf CD oder Vinyl – gern ins Wohnzimmerregal stellen. Mit ihrer Melange aus toughen Technobeats, Retro-Pop-Melodien und psychedelischen 80s-Soundlandschaften entführen uns The Shoes in Welten, die voller Ästhetik und eigentümlicher Details stecken. Hypnotisch und fesselnd klingt das, was die beiden Franzosen hier abliefern. Moderner Electro-Pop eben, der mühelos Genregrenzen überwindet und süchtig macht.

Es rappelt in der Nachbarschaft. Das zumindest beweisen The Neighbourhood, die während der allmählichen Veröffentlichung ihres Debüts vor einigen Jahren von einem sonderbaren Hype getragen wurden, weil deren Mischung aus Rock und Psychedelic-Pop einen Nerv vieler potentieller Hörer traf. Mit ihrem nächsten Album Wiped Out! wollen die fünf diesen Erfolg natürlich gern wiederholen und legen noch eine Schippe drauf: Jetzt gibt es noch Varianten modernen R’n’Bs zu hören, dazu elektronische Klanggärten, in denen man sich gern verirrt. Es wabbert und mäandert an allen Ecken und Kanten, wie das einst Pink Floyd verstanden haben. Nicht falsch verstehen, bitte: The NBHD (wie sich die Jungs auch schreiben) sind natürlich moderner und tanzbarer, aber auf ihre Art mindestens genau so eigenwillig.

Text: Ronny Janke
Fotos & Videos: Vimeo, Columbia, Green United Music, Play it again Sam (rough trade)

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