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Wiedervorlage: Tragic Kingdom

Gäbe es sogenannten One-Album-Wonder, dann müsste Tragic Kingdom von No Doubt als ein solches bezeichnen. Kein Album der kalifornischen Band konnte jemals an den überragenden Erfolg ihres dritten Albums anknüpfen. Zwar hatte die aus Orange County stammende Band mit Ska begonnen, erweiterte jedoch ihre Genregrenzen hin zu Pop, New Wave und Rock. Um es kurz zu machen: Tragik Kingdom macht heute noch genau so viel Spaß wie bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1995.

Es gibt kaum einen Song auf diesem frühen Meisterwerk, zu dem sich keine fast 60 minütige Poolparty oder Kissenschlacht durchhalten ließe. Hit an Hit reihten No Doubt damals aneinander: von Excuse Me Mr. über Happy Now? und Different People bis hin zu Sunday Morning ist dieser Longplayer eine wahre Wundertüte der spielfreudigen und sonnenverwöhnten Chaotenband.

Zur Band dazu gibt es seit ihrer Gründung im Jahr 1986 die formidable  Gwen Stefani – eine glänzende Frontfrau, die bis heute für den Typ der selbstbewusst agierenden Frau steht, die sich mehr als deutlich in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten weiß. Neben der umhertobenden und zuweilen recht ungestümen Art, zeigte Stefanie mit der Übersingle Don’t Speak auch ihre zerbrechliche Seite. Insgesamt hat sich Tragic Kingdom mehr als 16 Millionen mal verkauft. Keines der drei Nachfolgealben konnte auch nur ansatzweise mit dieser Menge mithalten. Schlimmer noch: Vom 2012 veröffentlichten Album Push and Shove verkauften sich bisher nicht einmal 200.000 Exemplare.

Vielleicht ist es das Gesetz der frühen Meisterwerke: sie bleiben immer unerreicht. Noch aber ist die Karriere von No Doubt nicht für beendet erklärt worden. Zwar war Stefani auch als Solo-Künstlerin außerordentlich erfolgreich, während zeitgleich das aktuelle Album ihrer Band unverhältnismäßig floppte. Doch wer weiß: Vielleicht gibt es in einigen Jahren ein neues Album, das sich auf die Stärken eines Tragic Kingdom besinnt. Und bis dahin hören wir einfach weiter das Original.

Text: Ronny Janke
Foto: Interscope (Universal Music)
Videos: Vimeo