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Das Monster aus dem böhmischen Dorf

Hier im Innenraum übertönt das mahlende Geräusch des Getriebes den kleinen, kraftvollen Motor. Imposante 130 PS produziert der 1,3er, der im Heck des Coupés thront. Sein Dröhnen wird ganz wunderbar über das nackte Blech der Karosserie verstärkt, denn Teppiche, ein Dachhimmel oder Verkleidungen gibt es nicht. Mit dem breiten Fünfpunktgurt tief in die Schalensitze gezurrt, kommt nur ein Hauch von Komfort auf und um die Sitze überhaupt zu erreichen oder zu verlassen, muss man mehr oder weniger elegant über dicke Stahlrohre klettern. Selbstverständlich gibt es auch keine Rückbank, lediglich zwei Gepäcknetze sind hinter den Überrollbügel gespannt und man sollte dort besser nichts hinein legen, was man während der Fahrt brauchen könnte. Das sonst eher karge Armaturenbrett ist mit einer Reihe zusätzlicher Instrument bestückt, davor ragt die Verlängerung des Handbremshebels steil in die Luft. Der konsequente Charakter dieses Wagens ist wirklich verdammt betörend.

Škoda 130 RS. Das ist die offizielle Bezeichnung des Coupés mit der Kriegsbemalung. Zwischen 1975 und 1982 entstand nur eine Handvoll dieser Rallyefahrzeuge, die besten und seltensten Zutaten fanden ihren Weg in dieses Projekt und mittlerweile gibt es mehr davon, als jemals das Werk im tschechischen Kvasiny, einem kleinen Ort in Böhmen, verließen. Landläufig wird der 130 RS gern als Porsche des Ostens bezeichnet, Konsequenterweise sollte man die 911er jener Zeit auch als Škoda des Westens titulieren, denn trotz ein paar markanter Parallelen, wie zum Beispiel dem Antriebskonzept, sind diese beiden Wagen grundverschieden und gleichermaßen legendär.

Wir fahren die 1. Sauerland Klassik mit dem Škoda 130 RS, hinter dem Steuer sitzt Matthias Kahle, mehrfacher deutscher Rallyemeister, beeindruckend tiefenentspannt und nicht zuletzt ein grandioser Gesprächspartner. Eine Klassik Rallye wie diese, hat ihre ganz eigenen Regeln und Abläufe. Das Leistungspotenzial des Wagens spielt in diesem Rahmen keine wirkliche Rolle. Dem Publikum scheint das aber egal zu sein, kaum ein anderer Wagen des Teilnehmerfeldes wird so sehr gefeiert, wie der 130 RS. Komplettiert wird das Team von einem orangefarbenen Škoda 110 R und einem noch unglaublich viel seltenerem Škoda 200 RS aus Privatbesitz.

Dass der 130 RS auch anders kann, beweist Škoda immer wieder gern, indem man auch bei echten Rallyes an den Start geht. Rennen, bei denen das tschechische Coupé quer um Kurven geprügelt wird und mit allen vier Rädern in der Luft zu erleben ist. Tatsächlich sind es genau solche Kleinigkeiten, die den wahren Charakter einer Marke erlebbar machen. Sie erzählen die Geschichten, die faszinieren und Leidenschaft zum Vorschein bringen. Die Wurzeln der heutigen Škoda RS Modelle reichen schließlich bis zu genau diesem Wagen. Es braucht Hingabe, solche Projekte umzusetzen und am Leben zu halten. Mit Matthias Kahle und Jens Herkommer, der diese Wagen aufbaut, wartet und zu perfekten Rennmaschinen macht, hat Škoda ein echtes Traumteam am Start. Die Leidenschaft für die traditionsreiche Marke aus Mladá Boleslav steht diesen Männern ins Gesicht geschrieben und nur selten hat man die Chance so viel geballtes Fachwissen zu inhalieren und zugleich jede Menge Spaß zu haben.

Ach ja, wir wurden übrigens 16. in der Gesamtwertung bei der Sauerland Klassik. Da ist also noch ein bisschen Luft nach oben.

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Fotos: Tobias Schult für Heldth


Mit freundlicher Unterstützung von Škoda.
Vielen Dank an Matthias Kahle und Jens Herkommer.

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