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Wiedervorlage: Liebling

Der Plan ist, an dieser Stelle ältere Alben zu empfehlen, die – wenn man sie nicht ohnehin längst entdeckt hat – es bis in die Gegenwart hinein verdient haben, jetzt und mit einigen Jahren Verspätung, doch noch mit heißer und inniger Liebe überschüttet zu werden. Und das 1999 erschienene Album Liebling von Andreas Johnson gehört definitiv in diese Kategorie.

Johnson stammt aus Schweden. Sein Debütalbum Cottonfish Tales wurde jedoch nicht so, wie sich das der damals 27-Jährige vorgestellt hatte. Zu sehr grätschte ihm sein damaliges Label in den Entstehungsprozess. Und so trennte man sich voneinander. Johnson zog nach – wie kann es anders sein – Berlin. Dort lernte er ein Mädchen kennen, das mittlerweile leider verstorben ist. Doch aus dieser Begegnung und der gemeinsamen Zeit sollte eines der energiegeladensten Schweden-Pop-Rock-Alben der vergangenen 20 Jahre hervorgehen.

Liebling, wie er das Album nannte, gilt heute als das Durchbruchalbum des gut aussehenden Schweden. In ganz Europa erreichte er damit für einen Frischling, der er damals war, gute Chartplatzierungen. Zu verdanken hatte er diese neu gewonnene Popularität auch der Single Glorious, die gleichsam für das steht, was den Hörer auf dem gesamten Album erwartet.

Leichte Gitarrenläufe, dezente Streicherarrangements, dazu Trompeten und spärlich gesäte Einsätze eines Saxophons. Alles das eint ein sicheres Gespür für den nahezu perfekten Popsong, der zwar vereinzelt (Glorious, Breathing und noch ein bis zwei weitere Stücke) in Richtung Rock schielt, aber zu keinem Zeitpunkt vergisst, was er eigentlich will: einfach nur zu funktionieren. So laut wie Johnson sein kann, so zurückhaltend präsentiert er sich zugleich in Stücken wie The Games We Play, Patiently oder Unbreakable.

An den Erfolg von Liebling konnte Johnson bis heute nicht mehr anknüpfen. In Europa hat man ihn mehr oder weniger vergessen, während er andernorts geschafft hat, was ihm anfangs verwehrt blieb: in seinem Heimatland avancierte er zum Superstar. Am Ende wünscht man dem Schweden erneut eine Muse, die ihm zu einem Album wie Liebling inspiriert – freilich ohne den viel zu frühen Tod, den Muse Nr. 1 ereilt hat.

Text: Ronny Janke
Foto: Wea International (Warner)
Video: YouTube