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Durchgehört: die 3 besten Alben des Monats (#006)

Neues Jahr, neue Musik? Ganz bestimmt. Nur nicht sofort. Bevor es jede Menge Neues zu entdecken gibt, sollen an dieser Stelle noch drei hörenswerte Alben empfohlen werden, die in den letzten Wochen des Vorjahres erschienen sind.

Den Anfang macht The Lake Poets – ein kleines Projekt des Briten Martin Longstaff. Mit spärlicher Instrumentalisierung, die meist nur aus Gitarre und wenigen Streichern besteht, singt sich Longstaff durch die 13 Songs seines Debütalbums. Gar nicht nötig hat er diese Unsitte, den letzten beiden Songs seines nach dem Projekt benannten Albums ein „Bonus“ voranzustellen. Kapier ich nicht, werd ich nie. Als würde der Hörer denken: Schau an, hier krieg ich 13 Songs zum Preis von elf. Davon abgesehen singt sich Longstaff mit seiner zuweilen bübchenhaften Stimme durch die tadellos instrumentalisierten Folkpopsongs, die jeden Kaminabend vollkommen machen. Ruhig, melancholisch und mit sicherem Gespür für gute Songs gelingt dem britischen Songwriter ein feiner Song nach dem anderen. Genau der richtige Soundtrack für den Winter, der sich gerade über Deutschland legt. Der Song „Your Face“ – ein Kitschjuwel dieser Tage, ich schwöre.

Die deutsche Nationalelf hat das ja mal versucht und es ging so schief, wie nur etwas schief gehen kann. Ben Galliers ist hingegen mit deutlich mehr Können gesegnet. Der Brite kam nämlich nach Deutschland, um Fußballprofi zu werden. Als seine Kicker-Karriere zunächst in Dresden und später in Essen irgendwie an Drive verlor, investierte er in eine Gitarre. Diese Entscheidung hat Galliers vermutlich bis heute nicht bereut. Denn mit seiner Mischung aus Folk, Pop und vorsichtigen Gehversuchen im modernen Country, punktet er nun schon seit einigen Jahren im hart umkämpften Musikmarkt. Der Brite gibt sich zurückhaltend, haut gar nicht so sehr auf die Kacke, wie man das vielleicht von Fußballern erwarten würde. Nicht nur, dass er sein Instrument außerordentlich gut beherrscht. Nein, auch mit gutem Songwriting glänzt Galliers auf seinem Album. 34 Jahre ist er mittlerweile alt. Zuletzt war der Ex-Kicker mit Gloria auf Tour. Calm Seas Don’t Make Good Sailors heißt das aktuelle Album, das eine willkommene Abwechslung zu allem überhypten Zeug darstellt, mit dem man rund um die Uhr versorgt wird.

Es bleibt kratzig. Der Franzose Charles Pasi singt seit seinem 17. Lebensjahr. Los ging es als Sänger in einem Gospelchor. Später studierte er Jazz in Rom und Paris, heute spielt er nicht nur Gitarre und Mundharmonika, sondern singt sich auch erfolgreich durch die Genres Blues, Jazz und Rock. Als Anfang 30-Jähriger, wohlgemerkt. In seiner Musik legt er eine Entspanntheit an den Tag, die zuletzt nur Remy Shand auf dessen bisher einzigem Album versprühte. Pasi beherrscht den Blues, liebt aber das Leben. Melancholie, vielleicht. Aber nie todtraurig. Auf seinem zweiten Album Sometimes Awake, das in seiner Heimat bereits 2014 erschienen ist und bei uns Ende des vergangenen Jahres endlich nachgereicht wurde, zelebriert der Franzose sein Können eindrucksvoll. Wer sich jetzt davor fürchtet, französische Musik hören zu müssen, dem sei versichert: Pasi singt in englischer Sprache. Und zwar stets locker und dermaßen gechillt, dass man die tiefkalten Minusgrade vor der Haustür glatt vergessen könnte. Wer also schon jetzt einen „Frühling light“ auf die Ohren haben möchte, ist mit Sometimes Awake bestens beraten.

Text: Ronny Janke
Fotos & Videos: Dave Stewart Entertainment (Sony  Music), Kamé Entertainment, Believe Digital GmbH (Soulfood), ILiveU.Fr

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