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Almost Fourty – Ein Evolutionärer Nebeneffekt mit Pflegebedarf

Irgendwann kommt der Tag, an dem es passiert. Man denkt vorher gar nicht darüber nach. Denn es ist schlichtweg kein Thema, mit dem man sich jemals auseinandergesetzt hat. Wenn es dann aber soweit ist, fühlt es sich im allerersten Augenblick an, als hätte gerade jemand mit einem Vorschlaghammer und zwölf Metern Anlauf einen perfekt gezielten, tödlichen Schlag direkt auf das eigene Ego gelandet. Während man beim Frisör sitzt und der Haarschnitt in perfekte Form gebracht wird, saust der Kamm plötzlich kurz über die Augenbrauen, ein kurzes Summen ertönt und schon ist es vorbei. Soeben wird die Augenbrauen zum allerersten Mal gestutzt. Ohne Gnade, ohne Vorankündigung. Noch bevor man begriffen hat, was eben passierte, rast der Haarschneider an den Ohren entlang und macht auch hier kurzen Prozess mit dem Gewölle. Zweifellos ist das einer Schlüsselmomente, an denen man sich gewahr wird, dass dieses Älterwerden unaufhaltbar ist.

Haare sind ja generell ein Kernthema des männlichen Alterungsprozesses. Auf die unterschiedlichsten Weisen gieren sie an verschiedenen Körperpartien nach Aufmerksamkeit und sorgen dabei oft genug für entsprechendes Unbehagen. Gewiss wird es an dieser Stelle also auch zukünftig noch etwas haariger zugehen. Für diese Runde belassen wir es aber erst einmal bei der faszinierenden Welt der sprießenden Augenbrauen, begleitet von den ebenfalls nicht sehr beliebten, aber sich doch vermehrenden Nasen- und Ohrenhaaren. Und keine Angst, es geht jetzt auch nicht jede Woche um Pflegethemen.

In Kung-Fu Filmen haben die großen und meist auch sehr alten Meister oftmals lang nach unten schwingende Augenbrauen. Das unterstreicht ihre bedeutende Position in der Welt und ihre Weisheit. Außerdem ist das irgendwie auch noch ein kleines bisschen imposant. So auszusehen wäre dann aber vielleicht doch ein wenig zu viel des Guten. Zumindest, wenn man kein irre guter Meister einer fernöstlichen Kampfkunst ist, der irgendwelche alten Geister beschwören kann und mit nur zwei Fingern die ägyptischen Pyramiden zum Einsturz bringt.

Eigentlich ist das mit den sprießenden Haaren keine große Sache. Wirklich nicht. Was wirklich nervt, ist lediglich der Fakt, dass selbst die Experten des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie keinen vernünftigen Grund dafür liefern können, warum der Körper das so macht. Es ist vermutlich ein evolutionärer Nebeneffekt, der keine Vor- oder Nachteile bringt, von gesellschaftlichen Schönheitsidealen mal abgesehen.

Glücklicherweise gibt es aber ein wirklich gut funktionierendes Geheimrezept für dieses Thema. Na gut, es nicht wirklich geheim, aber es funktioniert tatsächlich. Ausgestattet mit einer Schere und einem Nasenhaartrimmer bekommt man dieses Problem nämlich ganz einfach und mit wenig Zeitaufwand in den Griff. So wie beim Frisör, ist es auch hier nur ein kurzer Augenblick, ein schnelles Summen und sanft rieseln die Haare ins Waschbecken. Glücklicherweise sind die Geräte so kompakt, dass sie sich immer irgendwo im Badezimmer verstecken lassen. Ein paar Beauty-Geheimnisse darf man als Mann nämlich auch haben. Auf jeden Fall ist das deutlich besser, als der Angebeteten mit, an den unpassendsten Körperstellen, im Wind wehendem Haar entgegen zu treten.

Stellen wir uns also mutig dem ersten Haar, das keck aus der rechten Augenbraue ragt. Haare schneiden tut glücklicherweise nicht weh und wenn solange kunstvoll geflochtene Ohr- und Nasenhaare nicht zum lokalen Schönheitsideal gehören, muss man halt auch nicht die optische Nachfolge von Theo Waigel antreten. Es wäre schließlich viel schlimmer, wenn wir uns die Augenbrauen komplett rasieren und dann jeden Tag aufs Neue wieder anmalen müssten.

Text: Kai van Heldth
Foto: Josep Ma. Rosell
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