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Almost Fourty – Der Wunschzettel des Lebens

Spätestens seit dem Film „Bucket List“ mit Jack Nicholson und Morgan Freeman, sollte man sich schon mal Gedanken darüber gemacht haben, was man alles einmal erlebt haben möchte. Ganz egal ob man diesen Wunschzettel des Lebens wirklich auf Papier bannt, eine digitale Liste pflegt oder alles in Gedanken sammelt und behält, mit der ganz persönlichen „Bucket List“ hat man ein paar mehr Ziele im Leben, auf die es sich hinzuarbeiten lohnt.

Die unterschiedlichsten Wünsche und Ziele lassen sich auf dieser Liste sammeln und im besten Falle auch irgendwann abhaken. Die in irgendeiner Weise materiell geprägten Ideen werden zweifellos immer überwiegen und das ist an dieser Stelle auch absolut okay. Die Wünsche nach ewig währendem Frieden auf Erden, einer guten Gesinnung für jedermann und coolen Superkräften zeugen zwar von Idealismus und Fantasie, aber – und das ist die harte Wahrheit – sie sind nunmal nicht erfüllbar. Es ist also viel einfacher, wenn man sich für diese Liste den Dingen hingibt, die tatsächlich irgendwie erfüllbar sein könnten. Dabei darf man durchaus auch etwas höher stapeln, es heisst ja schließlich Wunsch- und nicht Einkaufszettel.

Ein großes Haus mit Garten und Swimming Pool, eine Garage in der man sich morgens mindestens zwischen dem Porsche 911 GT3 und der Mercedes-Benz S-Klasse entscheiden muss. Vier Wochen Luxusurlaub auf den Malediven und ein ausreichendes finanzielles Polster auf dem Konto. Eine Omega Speedmaster, eine Rolex Submariner und Breitling Navitimer, dazu ein paar lässige Maßanzüge im Kleiderschrank. Mit einem Wing-Suit vom Taipei 101 springen und im Anschluss Sex mit zwei Frauen gleichzeitig haben, danach mit den besten Kumpels in Los Angeles abstürzen und in Tokyo aufwachen. Mit solchen Ideen bekommt das Leben plötzlich eine ganz neue Note und fast spielt es nicht wirklich eine Rolle, ob man irgendwann hinter wirklich jeden Punkt einen Haken gemacht hat.

Es ist interessant zu betrachten, wie sich die Inhalte dieses Wunschzettels über die Jahre verschieben können. In den Zwanzigern dürfte bei den meisten deutlich mehr Rock ’n‘ Roll in der Liste stecken, aber vermutlich hat man einen Großteil dieser Punkte mit Ende 30 auch schon abgehakt. Im Alter werden die Ideen vielleicht ein wenig ausgefallener oder durchdachter, dafür aber weniger einfach erreichbar. Genau das ist es ja aber auch, worum es eigentlich geht mit dieser Sammlung mehr oder weniger verrückter Ideen. Jeder einzelne Punkt steht für eine Geschichte, die man gern erleben möchte. Jeder einzelne Haken steht für eine großartige Erinnerung, in die man immer wieder gern abtaucht und die man immer wieder gern mit anderen teilt. Hin und wieder kommt ein neuer Punkt auf die „Bucket List“, der neue Träume und Ziele definiert, die im besten Fall zu einer wunderbaren Story werden.

Meine ganz persönliche „Bucket List“ ist imaginär. Ich weiß, dass ich sie irgendwann mal mit einem Stift und einem Stück Papier begonnen habe. Dieser Zettel ist aber im Laufe der Jahre verschwunden, die Prioritäten haben sich mehrere Mal geändert und ein Großteil der Punkte auf der Liste haben längst einen Haken bekommen. Irgendwann wurde aus dem Stück Papier also eine vage Ansammlung von Ideen, die immer wieder durch meinen Kopf rasen und hin und wieder in den Vordergrund treten. Natürlich kommen auch bei mir neue Punkte auf die Liste und die erfüllten Wünsche bringen genau das, was sie sollten – großartige Erinnerungen und leuchtende Augen, wenn man diese Geschichte mit Freunden teilt.

Diese Erinnerungen sind es, was sich wirklich groß anfühlt. Natürlich waren die Momente, in denen sich ein bestimmter Wunsch erfüllte fantastisch. Aber ein paar Monate oder Jahre später noch einmal darin abzutauchen ist mit so viel mehr Gefühl verbunden, denn es inkludiert viel mehr als den bloßen Augenblick. Es fasst die schönen Momente des Lebens zusammen und wenn man diese mit anderen teilt, entstehen bereichernde Gespräche und vielleicht sogar ein paar neue Punkte für den Wunschzettel des Lebens. Und genau diese Spirale macht das ganze Spiel so spannend.

Auf meiner imaginären Liste stehen wirklich noch einige Dinge, die erlebt werden wollen. Dieser eine Wunsch, rangiert aber schon seit Jahren immer in den Top 5. Ich möchte unbedingt mal mit einem unanständig potenten Sportwagen von New York nach Los Angeles fahren. Wer ist dabei?

Text: Kai van Heldth
Foto: Heldth