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Durchgehört: die 3 besten Alben des Monats (#007)

Ich will jetzt nicht so etwas schreiben wie „Wie schnell die Zeit vergeht“, aber: Wie schnell die Zeit vergeht. Kaum hat man sich durch ein paar eiskalte Regentage gekämpft, liegt der Januar auch schon wieder hinter einem. Zeit, um an dieser Stelle auf ein paar Alben hinzuweisen, die vielleicht an dem einen oder anderen vorbeigegangen sind und in den noch kommenden frostigen Wochen für ein bisschen Wärme sorgen können.

Der aus Kanada stammende Musiker Aidan Knight hat definitiv eine Chance verdient. Nicht nur, weil sein sensibel-vielschichtiger Folkpop manchmal so zerbrechlich wirkt wie die frisch gefrorene Oberfläche eines Sees, sondern auch weil seine Musik Schnittpunkte mit der von Morrissey, Justin Vernon und The National aufweist. Wer das nicht so recht glauben mag, kann sich ja einfach mal selbst davon überzeugen. Sein neues Album Each Other bietet dafür optimale Voraussetzungen. Obwohl das Album nur 35 Minuten lang geworden ist, sind die Songs darauf so komplex, dass man immer wieder Neues entdeckt. Perfekt geeignet, um eine unbestimmte Zeit im Tiefkühlfach zu überleben.

Obwohl der Frühling noch etwas auf sich warten lässt, kann es ja manchmal nicht schaden, ihn z.B. in Musikform schon etwas mit sich herumzutragen. Die amerikanische Indiepop-Band Haerts (kein Schreibfehler) reiht auf ihrem Debütsingle so unaufdringlich herzerwärmend Hit an Hit, dass man sich einige Male schwebend glaubt. Dabei scheint das Grundrezept für die Songs gar nicht so kompliziert zu sein: neben Synthieflächen aus den einfach nicht totzukriegenden 80er Jahren, greift Ben Gebert, der den Sound der Band prägt, auch auf große Gesten der Moderne zurück. Dazu junge Themen präsentiert im epischen Breitbandformat; Songs also, die ganz gut in eine Phase passen, in der man glaubt, niemand sonst habe die Sorgen und Nöte, die einen selbst gerade befallen. Wenn wir uns jetzt nur alle artig als Hearts-Hörer outen, können wir vielleicht doch noch ganz schnell begreifen lernen, dass niemand allein ist auf dieser weiten bösen Welt.

Ein Bayer, der so gute englischsprachige Musik macht, dass sie kaum weiter weg sein könnte von 08/15, verdient jede Aufmerksamkeit, die man mobilisieren kann. Fins und sein Album Dreamer schaffen aber genau dieses Kunststück. Wo andere Popmusiker den Soundtrack für Nächte voller Gedanken oder Tanzflächen voller Füße kreieren, hat Fins an Songs gebastelt, die schon jetzt voller Erinnerungen stecken. Wie das geht? Mit musikalischen Vorbildern wie Prefab Sprout oder Boston ist das tatsächlich möglich. Dabei kann auch er sich modernen Einflüssen nicht erwehren – was im Grunde ganz gut ist. So schafft Fins mit seinen Songs nämlich eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die schon jetzt klingt, als hätte sie jede Menge Zeit überdauert. Auf Dreamer finden sich 12 Indie-Pop-Songs, denen man das Herzblut, das in sie gesteckt wurde, jede Minute anhört.

Text: Ronny Janke
Fotos & Videos: Full Time Hobby (rough trade), Public Records & Telus, Sony, Diffuser.fm, RAR/Motor Entertainment (Edel), A Mountain Records

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