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Almost Fourty – Höchstens zu Zweit

Autos sind ein wirklich fantastisches Spielzeug. Nun, sie können zumindest ein wirklich fantastisches Spielzeug sein, wenn man sich für das richtige Modell entscheidet. Die heutige Modellvielfalt macht es einem gar nicht mehr so leicht eine kompromisslose Entscheidung zugunsten der reinen Freude zu treffen, schließlich gibt es mittlerweile eine Menge Möglichkeiten einen goldenen Mittelweg zwischen Spaß und Praktikabilität zu wählen. Andererseits fühlt es sich aber so wunderbar unvernünftig an, wenn der eigene Wagen plötzlich nur noch zwei Sitze und einen so lächerlich kleinen Kofferraum hat, dass selbst der Wocheneinkauf gut durchdacht sein will. Es ist die einzigartige Mischung aus logistischer Fragwürdigkeit und einem unanständig hohen Benzinverbrauch, die einem dieses grandiose Gefühl von automobiler Zufriedenheit beschert.

Es gibt muskelbepackte Kompaktfahrzeuge, die mit ihrem Sneakers-Charme von ewiger Jugend und sportlichem Fahren künden. Es gibt kraftvolle Kombis, deren Kofferraum jede Menge Platz für den Hund, verschiedenste Sport- und Freizeitgerätschaften oder den Urlaub mit der ganzen Familie bietet, dabei aber noch immer 280 km/h auf der Autobahn ermöglichen. Es gibt selbsternannte Coupés mit vier Türen und fünf Sitzen, die mit eleganter Linienführung und brachial röhrenden Sechs- und Achtzylindern beweisen, dass man dienstags dezent zu einem Geschäftstermin und samstags zähnefletschend auf der Rennstrecke fahren kann. Es gibt SUVs, mit denen man sich eloquent durch die großstädtischen Glas- und Betonschluchten schieben kann, mit denen sich allerdings auch 25 Euro in einen Ampelstart investieren lassen, wenn man sich zu einem beherzten Tritt auf das Gaspedal hinreißen lässt. Viele dieser Fahrzeuge sind ohne Zweifel echte Traumwagen, aber man kann sie halt irgendwie noch vor Freunden und der Familie rechtfertigen.

Die Daseinsberechtigung eines Zweisitzers ist pure Unvernunft, hier geht es um den reinen Spaß an der Fortbewegung. Wer auch immer in den Genuss kommt, sich auf dem Beifahrersitz Platz niederzulassen darf sich glücklich schätzen, diese besondere Intimität zu erleben. Als Besitzer eines solchen Wagens lässt man schließlich nicht jeden auf dem duftende Leder des Sportsitzes Platz nehmen. Zum einen, weil man dicht beieinander sitzt und zum anderen, weil man das erhabene Gefühl der automobilen Unvernunft nicht mit Menschen teilen mag, die das nicht auch zu schätzen wissen.

Nur mit den maßgeschneiderten Gepäcksets des Herstellers lässt sich der zumeist knapp bemessene Stauraum bis zum letzten Quadratzentimeter ausnutzen. Das ist perfekt, so kann man die Koffer und Taschen gleich dazu bestellen, auch wenn man vielleicht niemals wirklich mit dem Wagen verreisen wird. Es ist in jedem Fall deutlich eleganter, als ein albernes Poloshirt oder eine schlecht sitzende Baseballkappe mit aufgesticktem Markenlogo. Zu einem eleganten Wagen gehört schließlich auch ein entsprechender Auftritt und der kann mit schnödem 08/15 Merchandise nun mal nicht befriedigt werden.

Dass man nicht mal eben mit dem Auto zu IKEA fahren kann, um ein neues Billy Regal zu kaufen, wird in Sekundenbruchteilen von den Glückshormonen aus dem Körper gespült, die sich rasend schnell ausbreiten, wenn man vorn links Platz nimmt, die Hände um das Lederlenkrad legt und vor dem Betätigen des Anlassers noch einmal tief Luft holt, um gleich darauf den Klang des zum Leben erweckten Motors zu inhalieren. Die Kompromisslosigkeit eines Zweisitzers, ganz egal ob mit oder ohne Dach, macht den Charakter dieser Wagen aus. Als Besitzer eines solchen Autos trifft man eine ganz bewusste Entscheidung. Die hat eigentlich so gar nichts mit dem eigenen Alter zu tun, aber mit der persönlichen Einstellung und eventuell ist die mit zunehmenden Jahren einfach ein klein wenig gefestigter.

Text: Kai van Heldth
Foto: Heldth