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Durchgehört: die 3 besten Alben des Monats (#008)

Schluss jetzt. Wirklich. Graue Tage gab es genug. Nun ist es an der Zeit, dass der Frühling sich gemächlich ausbreitet, unsere Gemüter mit Licht durchflutet und alles Finstere um uns herum vertreibt. In der Hoffnung, dass genau das in den kommenden Wochen endlich geschieht, ist es an der Zeit, auch musikalisch wieder für positive Stimmung zu sorgen – mit den drei Musiktipps zum gerade vergangenen Februar.

Der Libanon ist ein Land im Umbruch. Früher war dort alles gut, das kulturelle Leben pulsierte. Dann kam der Krieg, der bis heute vorherrscht. Die Bevölkerung sehnt sich – natürlich – nach Frieden, nach einer besseren Zeit und denkt dabei oft an die 60er und 70er Jahre zurück, als das Land kreativ, offen und neugierig war. Die Band Who Killed Bruce Lee aus Beirut ist Teil der Generation, die sich gern an die Vergangenheit erinnert und mit genügend Energie gewappnet in eine friedvolle Zukunft blicken möchte. Via Crowdfounding ließen sich die vier jungen Männer das Debütalbum Distant Rendezvous finanzieren und – Überraschung – Medienschaffende und Prominente unterstützen die Band genau so, wie viele andere Liebhaber guten Rock’n’Rolls. Denn das ist, was WKBL machen: frenetisch verspielten Rock, der eine Brücke ist zwischen dem, was war und dem, was gerade ist. Manchmal erinnert die Band an U2 zu ihren Bestzeiten. Der Rock ist geradeheraus, dreckig, aber nie böse. WKBL wollen Spaß, ohne sich zu Clowns zu machen. Eines der besten Alben dieser Tage.

Vielen da draußen sind Lilly Wood & The Prick vor allem durch den Robin-Schulz-Remix ihres Songs Prayer in C bekannt. Denn mit diesem Song feierte die französische Band im Sommer 2014 einen achtsamen Erfolg. Nun ist das Nachfolgealbum Shadows erschienen, für das man nicht nur auf die Remix-Unterstützung von Robin Schulz verzichtet, sondern auch die sichere Heimat verlassen hat. Die Band nistete sich auf Mali ein, was zunächst schöner klingt, als es letztendlich war. Aber der sengenden Hitze und zahlreichen Stromausfällen zum Trotz entstanden dort jede Menge neuer Songs, von denen es stolze 15 auf das zweite Album der Band geschafft haben. Den Folk-Pop ihres Debüts haben Lilly Wood & The Prick nun noch um einige Elektro-Spielereien ergänzt – ohne dass es einem bloßen Nacheifern ihres ungewöhnlichen Debüterfolgs gleicht. Facettenreich, beatstark und sehr fokussiert präsentiert sich die Band nun. Es flirrt an allen Ecken und Kanten, nie wird es langweilig. So klingt gelungene Popmusik.

Der Rolling Stone nannte das Vorgängeralbum eines der schönsten des vergangenen Jahres. Nun hat I am Oak den würdigen Nachfolger abgeliefert. Der niederländische Songwriter klingt melancholisch wie eh und je, zelebrierte seine Nachdenklichkeit aber mit einer sanftmütigen Leichtigkeit, die jede Depression weit von sich weist. Our Blood heißt das mittlerweile schon fünfte Album, das Thijs Kuijken, der sich hinter dem Folk-Pop-Projekt verbirgt, in Utrecht, Paris und Bremen aufgenommen hat. Insgesamt geht es darauf um das große Thema des Verlusts. Weil I am Oak diesem schmerzvollen Motiv aber zugleich das des Aufbruchs und des Neuanfangs gegenüberstellt, wird es nie traurig. Kraftvoll und erhaben besingt Kuijken die Gedanken, die er sich im zurückliegenden Jahr gemacht hat. Auch am Sound wurde getüftelt. Der traditionelle Folk ist jetzt meist nur noch Schablone für mehr. Es vibriert und pulsiert kräftig. Wo früher Stillstand war, ist jetzt Weiterentwicklung. Perfekt, um die ersten Sonnenstrahlen im März zu genießen.

Text: Ronny Janke
Fotos & Videos: netMusicZone Records, Choke Industry/Believe Digital (Soulfood), Snowstar (Cargo Records)

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