1

Almost Fourty – Ein Hoch auf die Zukunft

Es gibt sehr viele sehr schlaue Texte über die Zukunft. Das Problem ist nur, dass sich die Zukunft beinahe täglich selbst überholt und ein Blick darauf immer auch von der eigenen Position abhängt. Es soll hier auch gar nicht um die Rettung der Welt gehen, es geht um etwas noch viel anstrengenderes – es geht darum mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten.

Auf der einen Seite stehen unsere Eltern und Großeltern. Menschen die ein aufregendes Leben hinter sich haben, jede Menge bahnbrechende Entwicklungen und Erfindungen mitgemacht haben und heute immer häufiger hilflos vor digitalen Herausforderungen stehen. Die andere Seite sind Kids und Teenager, die eben jene digitalen Herausforderungen im Halbschlaf meistern, neue Trends wie Schwämme aufsaugen und sie dann ihren eigenen Ansprüchen folgend adaptieren. Sie mögen keine Ahnung davon haben, wie ein Verbrennungsmotor funktioniert, aber ein neues digitales Spielzeug zu konfigurieren und bis zum letzten Chip auszunutzen dauert bei ihnen nur einen Wimpernschlag.

Und dazwischen stehen wir. Unsere ersten Computer lasen ihre Daten von Audiokassetten oder Disketten, wir haben Nächte mit zuckenden Pixeln zugebracht, die so groß waren, dass man sie aus fünf Metern Entfernung als solche erkennen konnte. Wir kennen die Welt ohne Wikipedia, Facebook und Snapchat. Wir kennen eine Zeit, in der man entweder telefonieren oder im Internet surfen konnte, aber halt nicht beides gleichzeitig. Serien liefen im Fernsehen und nur im Fernsehen, bestenfalls in einem wöchentlichen Rhythmus. Es gab sogar Zeiten, in denen Faxgeräte etwas wahnsinnig fortschrittliches an sich hatten.

Und zack, klingt das alles unfassbar alt, ein wenig verbittert und nicht halb so weltgewandt, wie es eigentlich wirken sollte. Genau das ist die Herausforderung, die wir uns stellen müssen. Der sich unsere Eltern stellen müssen und der sich jene, die jetzt in ihren Zwanzigern sind, in ein paar Jahren auch nicht mehr so einfach entziehen können. Denn die technische Entwicklung richtet sich nach vielen Aspekten, aber nicht danach, ob ihr wirklich jeder folgen kann. Vielleicht ist das die aktuellste Form der Evolution. Wer sich anpassen kann, wer moderne Technik und Kommunikationskanäle zu nutzen versteht, der überlebt als vollwertiges, anerkanntes Mitglied der Gesellschaft. Und alle anderen gehören eben zum alten Eisen. So wie unsere Eltern, wenn sie nicht verstehen, warum man ein Hashtag in dieses Snapchat instagrammen muss oder warum die Kaffeemaschine, der Fernseher und die Waage unbedingt einen Internetzugang haben müssen.

Die Tatsache ist, dass wir früher oder später alle an diesem Punkt ankommen werden, an dem wir einen digitalen Hype nicht mehr verstehen. Dann kann man aber immer noch jemanden fragen. Wenn wir ihn allerdings einfach nicht verstehen wollen, dann ist das viel gefährlicher, denn genau das ist der Punkt an dem man damit beginnt auszusteigen und darauf setzt ein mürrischer, verbohrter, alter Kerl zu werden. Das bedeutet schließlich nicht, dass man jeden Trend mitmachen muss, man muss auch nicht jedes neue digitale Medium benutzen oder jedes Spielzeug besitzen wollen. Aber man sollte sich dem nicht verschließen und die Karte mit dem „alten Mann“ ziehen. Denn das ist der Moment wo die Jugend uns abhängt, so wie wir unsere Eltern einst abhängten, als wir stundenlang vor dem SEGA Megadrive hingen, immer mal wieder in die Cartridges bliesen und das Gamepad traktierten.

Noch sind wir verdammt cool, wenn wir unsere alten Spielekonsolen aus dem Schrank kramen und Legend of Zelda oder Super Mario im Schlaf zocken können. Aber auch das geht irgendwann vorbei. Gerade wurden die letzten Server für die PlayStation 2 abgeschaltet, der digitale Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Revolution und Evolution werden halt doch nur durch ein großes R getrennt. So mancher Big Player der Branche ist in der Versenkung verschwunden, blasse Jugendliche mit einer guten Idee sind über Nacht zu Millionären geworden und eine Firma die mal mit einer Suchmaschine begann arbeitet mittlerweile daran Autos zu bauen. Ich schnalle mich jedenfalls schon mal an, denn die Geschwindigkeit ist noch lange nicht an ihrem Höhepunkt angekommen und ich habe vor, noch eine ganze Weile durchzuhalten. Ein Hoch auf die Zukunft!

Text: Kai van Heldth
Foto: Teymur Madjderey für Heldth