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Almost Fourty – Das Sterben der Vorabendhelden

Colt Seavers, Rick und A.J. Simon, die Harts, Thomas Magnum, die drei Typen von der Riptide Yacht – wir hatten damals eine ganze Menge verdammt cooler Helden, die uns die Vorabende versüßten. In 45 Minuten bekamen wir packende Action, witzige Dialoge, coole Autos und eine Welt voller Abenteuer präsentiert. Wenn man mal eine Folge verpasst hatte, konnte man zwar am nächsten Tag nicht mitreden, aber da es beinahe nie Inhalte gab, die mehr als eine Folge in Anspruch nahmen, war das in der nächsten Woche längst wieder vergessen. Wir sind mit den harten Typen und den aufregenden Frauen an ihrer Seite durch dick und dünn gegangen, haben ihre Cleverness und ihren Humor bewundert.

Irgendwann war das dann einfach so vorbei. Ganz langsam machten Hardcastle und McCormick, Matlock, das A-Team und die Typen von der California Highway Patrol Platz für andere Formate, unsere Interessen verschoben sich langsam und eine Ära der Vorabendunterhaltung ging leise weinend zu Ende. Schnellere, komplexere und neuartigere Konzepte rutschten an ihre Stelle. Irgendwie war kein Platz mehr für Typen mit schwierigen Frisuren und lässigem Fuhrpark.

Eigentlich ist es noch gar nicht so lange her, dass wir ohne Netflix, ohne Amazon Prime und diverse andere Streaming Dienste lebten. Aber man gewöhnt sich halt wahnsinnig schnell an die technische Revolution und plötzlich kann man sich ein Leben ohne viele dieser Neuerungen nicht mehr so richtig vorstellen. Heute sind Serien viel komplexer, sie erzählen vielschichtige Stories, spielen mit Cliffhangern, leben von irren Schnitten und teuren Special Effects. Dagegen haben Michael Knight und sein ewig besserwisserischer Pontiac Firebird halt genau so wenig eine Chance, wie der Bastelkönig MacGyver oder das Team von Airwolf.

Andererseits haben wir, dank neuer Technik und einer ordentlichen Portion Nostalgie, heute aber auch die Möglichkeit, beinahe jeden Helden unserer Kindheit wieder auferstehen zu lassen. Remington Steele, Auf Achse, Agentin mit Herz, selbst der 6 Millionen Dollar Mann oder die 3 Engel für Charlie können wir heute jederzeit auf den Screen springen lassen. Alle Staffeln jeder Serie, jetzt auf DVD und Blu-ray!

Ganz ehrlich? Vielleicht war es schlau, dass unsere Vorabendhelden irgendwann in der Versenkung verschwanden und wir uns heute lediglich mit den schönen Erinnerungen an eine glückliche Kindheit das Leben versüßen.

Mein größter Held war immer Lee Majors in der Rolle des Colt Seavers, einem Stuntman, der sich nebenbei ein paar Dollar als Kopfgeldjäger verdiente. Vielleicht war es aber auch andersrum, das spielt keine Rolle. Der markante Typ, immer gewieft und cool, Besitzer eines verdammt coolen GMC Sierra in elegantem Braun und einer Outdoor-Badewanne – ein Mann wie man es selbst einmal werden wollte, wenn man groß war. Vielleicht würde man den grenzdebilen Cousin Howie dann aber einfach wieder zurück aufs Land schicken, wo er herkam und sehr wahrscheinlich wäre Jodie Banks dann mehr als nur eine gute Freundin, aber man müsste ja schließlich nicht alles ganz genau so machen, wie im Fernsehen.

Ich habe noch immer keine Outdoor Badewanne und auch ein Pickup-Truck steht nicht vor dem Haus. Die einst so hinreißende Heather Thomas wird im nächsten Jahr 60 Jahre alt. Anfang der 80er war Lee Majors Mitte 40 und ich bin ein bisschen froh, dass ich mein Leben ein wenig besser auf der Reihe habe, als mein Held von einst. Was aber wirklich traurig an dieser Geschichte ist, ich habe mir irgendwann die Staffeln „Ein Colt für alle Fälle“ auf DVD gekauft. Das war ein Fehler, ein sehr großer Fehler. Diese Serie ist nämlich in Wirklichkeit unglaublich flach. Es gibt Pornos, da sind die Dialoge tiefgreifender. Man ist nach jedem Stunt froh, dass die Kulisse nicht versehentlich umgefallen ist. Die Handlungsstränge lassen eine RTL-Produktion wie feinstes Popcorn-Kino wirken. Einzig Heather Thomas und der GMC enttäuschen einen nicht.

Manchmal ist es wohl einfach besser, wenn man mit den schönen Erinnerungen lebt und nicht versucht, die gute alte Zeit zu rekonstruieren. Denn wir haben uns alle weiterentwickelt. Ich sitze nicht mehr am späten Nachmittag mit einer Limonade und Salzstangen vor dem Fernseher, Herr Majors hatte in der Zwischenzeit ein paar Liftings und was man sonst so alles versucht, wenn man dem vermeintlichen Schönheitswahn von Hollywood ergeben ist. Es ist halt nicht mehr 1983 und ich bin ziemlich froh darüber.

Text: Kai van Heldth
Foto: 20th Century Fox