Like

Wiedervorlage: Word Gets Around

Wenn gute Bands über die Jahre hinweg scheiße werden, dann vergisst man meist, dass sie eigentlich mal gut waren. Ihre Anfänge – als sie noch Musik machten, weil sie es liebten, Musik zu machen – vergisst man nie. Auch nicht dann, wenn sich plötzlich – nach den ersten beachtlichen Erfolgen – plötzlich alles darum drehte, diese Erfolge zu wiederholen und im besten Fall sogar noch auszubauen. Die Stereophonics waren mal so eine Band. Frontmann Kelly Jones hat mit seiner vom Whiskey wund geschliffenen Stimme Texte über frenetische Gitarrenriffs gesungen, während das Schlagzeug ihm prügelnd auf der Spur war.

Ja, mit Word Gets Around ging alles los und damals wie heute macht dieses Album unfassbar viel Spaß. Wenn Jones etwa in More Life In A Tramps Vest mit diesem ihm eigenen Verve schmettert, über den er leider längst nicht mehr verfügt, dann glaubt man ihm jede Zeile. Himmel, wie tief die Flamme in ihm gebrannt haben muss und wie niedergebrannt sie heute zu sein scheint. Das Debüt der Stereophonics vermittelt einem einen guten Eindruck davon.

Erstaunlicherweise erreichte die walisische Band erst mit allen Nachfolgealben regelmäßig Platz 1 der britischen Charts. Vielleicht, weil die Engländer eben einfach alles fressen und ihre Helden feiern, so lange sie leben. Damals hatten Jones und seine Kollegen noch Sachen zu erzählen: vom Verrat unter Freunden, dem Untergang der ersten großen Liebe, dem mangelnden Selbstwertgefühl, das man mit viel Sex zu kompensieren versuchte, dem Saufen und seinen Folgen und und und.

Es sollte zehn Jahre dauern, bis der Band mit Pull The Pin noch einmal ein ähnlich intensives Album gelang. Und wenn das Gesetz der Serie Recht behält, dann ist es vielleicht im nächsten Jahr wieder soweit. Bis dahin kann man ja zu Word Gets Around das Leben feiern, all den Irren um sich herum den Mittelfinger entgegenstrecken und Drinks konsumieren, als würde man all den Kram noch immer so gut abhaben können wie mit Anfang 20.

Text: Ronny Janke
Foto: Mercury (Universal)
Video: Youtube