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Almost Fourty – Legenden sterben nie

Prince, Hans-Dietrich Genscher, Peter Lustig, Roger Willemsen, Alan Rickman, David Bowie, Lemmy Kilmister, Hellmuth Karasek, Roddy Piper, Christopher Lee, James Last, B. B. King, Leonard Nimoy, Robin Williams, … brauchen wir noch mehr Namen? Es scheinen beängstigend viele Legenden zu sein, die in den vergangenen Monaten das Zeitliche gesegnet haben. Jeder einzelne von diesen Menschen hat ganz besondere Dinge in seinem Leben geleistet, die uns irgendwie beeindruckt, geprägt oder inspiriert haben. Sie waren schon zu Lebzeiten legendär, ihr Tod hat uns jedoch erst näher gebracht, wie sehr uns diese Menschen wirklich beeinflusst haben.

Wir leben in einer Zeit mit einer Menge Idole und so ist es auch nicht verwunderlich, dass es immer mehr Persönlichkeiten werden, deren Wikipedia Eintrag um ein Todesdatum erweitert werden muss. Genau deshalb fühlt es sich auch so an, als wären es in letzter Zeit ungerecht viele große Namen, die von uns gehen. Vermutlich sind es nicht mehr als sonst auch, wir haben nur deutlich mehr Geschwindigkeit auf den News-Kanälen und einfachere Werkzeuge, um im Internet hell erleuchtete Schreine für beeindruckende Lebenswerke zu errichten.

Interessanterweise führt mir der Tod solcher Legenden meine eigene Sterblichkeit nicht so sehr vor Augen, wie es der Verlust von Familienmitgliedern, von Freunden und Bekannten vermag. Vielleicht haben diese Menschen keinen so großen Einfluss auf das Leben von Hunderttausenden auf der ganzen Welt gehabt. Aber sie hatten immer einen Einfluss auf mein Leben. Meine beiden Opas waren, jeder für sich, verdammt harte Hunde und hätten sie die richtige Bühne gehabt, sie wären mindestens genau so legendär gewesen wie Steve McQueen.

Wir tragen eine Menge Erinnerungen in unseren Herzen, zumindest umgangssprachlich, in Wirklichkeit tragen wir die Erinnerungen natürlich in unseren Köpfen. Erinnerungen an die Musik von David Bowie, an die erklärende Stimme von Peter Lustig, an die Frisur von Leonard Nimoy und an den Pullunder von Hans-Dietrich Genscher. Sie haben ganz sicher eine Menge Einfluss auf sehr viele Menschen gehabt. David Bowie wusste ganze Generationen zu begeistern, Peter Lustig hat uns das Leben erklärt und Latzhosen immer salonfähig gemacht, Leonard Nimoy hat mit seiner Rolle als Mr. Spock fasziniert und Hans-Dietrich Genscher hat mit ein paar wenigen Sätzen sehr vielen Menschen den Weg in die Freiheit ermöglicht.

Meine Opas haben das aber auch gekonnt. Sie haben ganze Generationen begeistert, denn sie waren mal schelmische Enkel und Söhne, ehe sie zu Großvätern mit unzähligen Geschichten wurden. Sie haben mir und vielen anderen die Welt erklärt, auch wenn keiner von beiden jemals eine Latzhose trug. Sie trugen zwar Pyjamas, aber ehrlicherweise sind weitere Parallelen mit Mr. Spock nicht ganz so schnell zu finden. Aber beide haben auf ihre Weise dazu beigetragen, dass sehr viele Menschen den Weg in die Freiheit fanden, ganz ohne gelben Pullunder.

Vielleicht waren sie alle beide viel größere Legenden, als jene Stars, denen wir in den Sozialen Netzwerken nachweinen, als hätten sie uns jedes Jahr zum Geburtstag und an Weihnachten besucht. Ach, was heisst hier vielleicht, ganz gewiss waren sie das. Und jeder von uns hat solche Legenden in seinem Leben, die einem viel näher stehen, als es Lemmy Kilmister und Robin Williams je konnten. Wenn man Glück hat, dann leben diese Legenden noch und das sollte man dann dringend ausnutzen. Hinterher kann man nämlich nur über jede Minute traurig sein, die man nicht mit diesen Menschen verbracht hat. Auch wenn Legenden nie sterben, so lange sie noch am Leben sind, sind sie halt doch ein bisschen cooler.

Text: Kai van Heldth
Foto: Alejandro Páez / Flickr