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Durchgehört: die 3 besten Alben des Monats (#010)

Bald kriechen wir alle wieder aus unseren Zelten, stellen uns mit anderen halbwachen Gestalten vor Gemeinschaftsduschen an, nur um uns schon wenige Stunden später vor irgendeiner von mehreren Bühnen erneut schweißnass zu tanzen. Ja, richtig: Bald beginnt wieder der Festivalsommer. Immerhin ist schon wieder Mai. Und die Zeit vergeht bekanntlich schneller als man rennt. Halten wir also einen kleinen Moment inne, um uns mit drei empfehlenswerten April-Alben auseinanderzusetzen. Ready? Steady. Go!

Gelänge es jemandem, die Sonne Californiens in Songs zu gießen, würden sie klingen wie die Musik von Okta Logue. Und das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil die psychodelischen Klassik-Rocker aus Hessen stammen, so jung sind, wie viele von uns es gern noch mal wären und in den Staaten erstaunlich erfolgreich sind mit ihrer Musik. Diamonds and Despair heißt das neue Album, das alles sein will – und alles ist. Musik, die auf einsamen Landstraßen mit Meerblick genau so passt. wie bei Poolpartys, auf denen man niemanden kennt. Es ist vollkommen egal. Man fühlt sich gut, weil alles perfekt ist. Diese Musik vereint. Überraschend ist auch, dass Okta Logue mit jedem Album besser werden und es schaffen, sich schon sehr früh als eine der Bands ins Rennen zu werfen, die man als Mitte 30-Jähriger so gut findet, dass man hofft, mit ihr in Würde alt werden zu können.

Anthony Gonzalez. Das ist so ein Name, der runtergeht wie Kokosnuss-Eis im Hochsommer. Mit seiner Elektro-House-Pop-Band M83 kredenzt der aus Los Angeles stammende Musiker jetzt schon seit gut 15 Jahren Album für Album vorzügliche Songs, die mal melancholisch dunkel, mal hoffnungsvoll leuchtend und dabei immer nach Sommer klingen. Gonzalez’ eigentliche Kunst aber ist die, dass keiner seiner Songs das typische Sommerhit-Gen in sich trägt. Wäre das so, hätte man schon nach wenigen Wochen die Schnauze voll davon, weil zu erwarten wäre, dass die Songs überall rauf und runter gespielt werden würden. Nicht so bei Gonzalez: In seiner Band M83 arbeitet er immer wieder mit verschiedenen Sängern zusammen – so wie jetzt z.B. mit Beck, Mia Lai oder Susanne Sundfør. Dabei ist von Album zu Album eine soundtechnische Veränderung herauszuhören. Auf Junk, dem neuen M83-Album, wird gekonnt auf die 80er geschielt, ohne dass es irgendwann peinlich wird. Schon jetzt eines der besten Sommeralben 2016!

Sie haben es wieder getan. Obwohl sie eigentlich nicht mehr wollten. Alex Turner (Arctic Monkeys) und Miles Kane (The Rascals, aber auch solo sehr erfolgreich) haben sich noch einmal zusammengetan, um den womöglich lasziv-schwelgendsten Rock’n’Roll dieser Tage aufzunehmen. Als The Last Shadow Puppets gelingt den Turner und Kane erneut das Kunststück, die Coolness längst vergangener Tage ins Diesseits zu holen. Auf Everything You’ve Come To Expect ist nahezu jeder Song perfekt geeignet, um gleich jetzt und sofort einen Roadtrip hinzulegen, der sich gewaschen hat. Man möchte abhauen, ohne zurückzublicken. Famose Gitarrenlines, dahinter Streicher bis zum Gehtnichtmehr und überhaupt Melodien, die einen vergessen lassen, wo man eigentlich hinwollte und was überhaupt. Acht Jahre hat uns die Supergroup auf dieses Album warten lassen. Bleibt nur die Hoffnung, dass man die Trilogie voll macht – freilich ohne uns erneut so lang warten zu lassen.

Text: Ronny Janke
Fotos & Videos:  Domino Records (Goodtogo),  Naive (Indigo), Virgin Records (Universal Music), YouTube, Vimeo

 

 

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