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Wiedervorlage: Urban Hymns

Es wird Zeit für die ganz ganz großen Geschütze. Wenn dieser Sommer doch noch „unvergesslich“ werden soll, dann vielleicht mit einem Klassiker-Album, das es in sich hat. Lange bevor Richard Ashcroft solo unterwegs war, veröffentlichte er 1997 in der Höchstphase des gefeierten Britpops mit seinen Bandkollegen bei The Verve deren kommerziell erfolgreichstes Album: Urban Hymns.

Wenn dann richtig. Gleich die erste Single-Veröffentlichung daraus, Bitter Sweet Symphony, sorgte in zweierlei Hinsicht für Aufmerksamkeit. Zum Einen kam sie unfassbar gut bei den Fans an, zum Anderen zog sie einen Rechtsstreit nach sich. Weil darin ein unerlaubtes Sample des Rolling-Stones-Songs The Last Time verwendet wurde, musste The Verve eine gerichtliche Schlappe einstecken und Jagger und Co. gebührend entschädigen. Zu diesem Zeitpunkt gab es The Verve schon acht Jahre. Kein Wunder also, dass die Band nicht auf Welpenschutz setzen konnte, sondern damit rechnen musste, dass diese Handhabe Ärger nach sich ziehen würde.

Tatsächlich aber war es The Drugs Don’t Work, ein weiterer Song des Albums, der noch erfolgreicher wurde als Bitter Sweet Symphony. Die zweite Single kam dann auch komplett ohne Skandale aus und bestach durch ihre straighte, aber auch recht ruhige Britpop-Melodie. Drei Jahre vor dem Jahrtausendwechsel riefen die Kritiker von den Dächern, dass die große Zeit des Britpops allmählich vorüber ist. Wenn überhaupt, dann setzten sie jedoch auf The Verve, um einen Brit-Sound für das neue Jahrtausend zu kreieren. Dazu sollte es jedoch nicht kommen.

Denn obwohl Urban Hymns mit seinem Stadionrock das erfolgreichste Album der Band wurde, trennte sich die Band. 2007 meldete sich The Verve zwar überraschend mit einem neuen Album zurück, konnte damit aber nicht an alte Erfolge anknüpfen. Und die hatten es in sich: 1998 wurde The Verve mit drei BRIT Awards ausgezeichnet (Beste Band, Bestes Album: Urban Hymns, Beste Produzenten). Später heimste der zu Anfang der Albumveröffentlichung torpedierte Hit Bitter Sweet Symphony sogar noch eine Grammy-Nominierung ein, weil er im Film Eiskalte Engel zum Einsatz kam. Ein versöhnliches Ende für einen streitbaren Start. Dieser Tage ist ein neues Solo-Album von Richard Ashcroft erschrienen. Wie man hier und da lesen kann, fehlt es ihm an Verve. Zum Glück gibt es ja Urban Hymns.

Text: Ronny Janke
Foto: Virgin (Universal Music)
Video: Youtube, EMI Music