1

Almost Fourty – Das Streben nach mehr

Die Musik pumpt krachend aus den Lautsprechern, schweres Eisen klirrt, die Luft ist von Endorphinen, Tränen und Schweiß geschwängert – beim Training ist nicht viel Platz im Kopf für die Probleme des Alltags, hier herrscht volle Konzentration auf die eigene Leistungsfähigkeit. Genau das ist so großartig daran Sport zu treiben. In dieser Zeit gibt es nicht sehr viel mehr als die Balance zwischen eigener Leistungs- und Leidensfähigkeit zu finden.

Selbst wenn man nicht für ein bestimmtes sportliches Ziel trainiert, so liegt der schweißtreibenden Bewegung doch irgendwie auch immer das Streben nach mehr zugrunde. Dabei ist es egal, ob man sich an der Leistung anderer misst oder die eigenen Bestleistungen als Maßstab nimmt. Die anderen Jungs, die das Workout mit mehr Gewicht oder in kürzerer Zeit schaffen sind ein guter Ansporn um mehr Gas zu geben. Es geht gar nicht zwingend darum, irgendwann besser zu sein als sie, es geht um die Energie, die darin steckt. Es ist ein positiver Wettstreit, bei dem alle Beteiligten nur gewinnen können. Ich mag das sehr gern, denn es geht nicht wirklich darum, wer jetzt schneller oder stärker ist. Es geht darum sich selbst zu pushen und somit besser zu werden.

Das Ganze lässt sich aber auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen. Ich mag Herausforderungen, sie sind nämlich ein guter Motor. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass ein Wettstreit mit anderen nicht darauf basieren muss, die anderen vernichtend zu schlagen. Es geht um Ehrgeiz, eine Tugend, die viel zu oft negativ belegt wird. Ich kann aber nichts anstößiges daran finden, sich persönlichen Zielen, wie Leistung, Erfolg, Anerkennung, Einfluss, Führung, Wissen oder gar Macht zu widmen. Negativ wird es erst, wenn der Weg zu diesen Zielen ohne Rücksicht auf Verluste angegangen wird. Aber hey, wir sind ja alle ehrenwerte Gentleman und keine dämlichen Arschlöcher.

Ich stehe auf dieses erhabene Gefühl, wenn ich eines meiner selbstgesetzten Ziele erreicht habe. Und damit das nicht zur Gewohnheit wird, neige ich dazu, meine Ziele immer eine Ecke zu hoch anzusetzen. Aber wenn ich dann dort angekommen bin, dann gehört mir für einen Sekundenbruchteil die ganze Welt. Wenn man endlich das magische Gewicht mit der Langhantel bewegt hat, wenn man seine berufliche Vision in die Realität umgesetzt hat, als kleines Projekt oder in ganzheitlicher Betrachtung, zum Glück gibt es ja so moderne Begriffe wie KPI, an denen man die eigene Performance messen kann.

Eine gesunde Rivalität ist vor allem im Job sehr hilfreich, wichtig ist aber, dass sie innerhalb ihrer Grenzen bleibt. Außerhalb des Büros begegnet man sich wieder auf Augenhöhe, trinkt gemeinsam ein Bier und klopft sich anerkennend auf die Schultern. Wenn man davon ausgeht, dass man arbeitet um zu leben, kann man sich auch mal locker machen, wenn der Weg zum nächsten Meilenstein etwas weiter und beschwerlicher ist. Tief Luft holen, Energie sammeln und dann wieder Vollgas. Alles nur für diesen Moment der Erhabenheit und das gute Gefühl, dass sich das Streben nach mehr halt doch irgendwie auszahlt und man nicht stehenbleibt.

Text: K. v. Heldth
Foto: Kike für Heldth