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Die Sicht der Dinge

Autofahren macht verdammt viel Spaß. Mit ein paar Hand- und Fußbewegungen kontrolliert man mehrere hundert Kilogramm ansprechend gestalteter Masse, die von einem Metallklumpen angetrieben werden, in dem pausenlos Explosionen stattfinden. Das ist schon eine ziemlich großartige Sache, wenn man mal im Detail darüber nachdenkt. Und dann kommt die Industrie um die Ecke und will uns mit ihrer fortschrittlichen Technik diesen Spaß nehmen, indem Autos zukünftig von ganz alleine fahren? Schnell mal meckern, lautstark dagegen protestieren und vor allem die scheinbare Bevormundung durch den Kraftwagen diskutieren. Wir haben das Automobil doch schließlich erfunden, da können wir uns doch nicht auf ein Szenario mit Skynet-Zuständen einlassen.

So ein Quatsch! Der automobile Alltag ist vornehmlich trist. Wir tuckern von A nach B, eilen dann mal eben noch zu C, um danach wieder bei A anzukommen. Selbst wenn man sich jenseits der üblichen Stoßzeiten orientiert und wirklich Spaß am Autofahren hat, so dominiert doch zweifellos die Tristesse in diesem Szenario. Die Routine holt uns ein, da ist es plötzlich auch egal, dass man damals die größere Motorisierung und eine Menge Ausstattungsoptionen gewählt hat. Das Telefon verbindet sich automatisch mit dem Wagen, die Klimaautomatik pumpt gereinigte, perfekt temperierte Luft in den Innenraum und irgendwie gleitet der Blick immer mal wieder auf das Telefon, durchstreift die vorbeiziehende Landschaft und die Gedanken hängen an dem fantastischen Spa-Wochenende im letzten Monat fest. Könnte mal bitte jemand das Steuer übernehmen?

Das Aggregat brüllt, faucht, schreit. Der rechte Arm rast vom Lenkrad zum Schaltknauf, der nächste Gang wird in die Kulisse geprügelt und schon geht die Hand automatisch zurück ans Volant, Wiederholung. Die Füße tanzen auf den Pedalen, die Fenster sind bis zum Anschlag unten, um die Symphonie aus kontrollierten Explosionen in voller Gänze genießen zu können.  Der Körper wird von Endorphinen durchströmt, die Ohren sind der Anschlag für das eigene Grinsen und es fühlt sich an, als würde selbst Walter Röhrl heute das Nachsehen haben, wenn er versucht dranzubleiben. Perfekt!

Es sind genau diese Szenarien, die man sich als Autofahrer immer und immer wieder wünscht. Spielzeit für große Jungs. Sollte man nicht ganz zufällig Rennfahrer, Autotester, Stuntman oder ähnliches sein, sieht der Alltag aber einfach nicht so aus. Oh, da kam gerade ein E-Mail, kurz mal checken.

Der Komfort und die Sicherheit, die in autonomem und teilautonomen Fahren stecken sind fantastisch. Das hat nicht einen Augenblick etwas damit zu tun, dass man von der Technik bevormundet wird. Es geht um Fortschritt und – Achtung, festhalten – um Luxus. Denn es ist ein wunderbarer Luxus, seine Zeit nicht mit der grauen Form der automobilen Fortbewegung zu vergeuden, sondern viel lieber andere Dinge zu genießen, Kleinigkeiten zu erledigen und einfach den Kopf überall, außer auf der Straße zu haben.

Die Technologie ist bereit für diesen Schritt, jetzt müssten nur noch mehr Fahrer dafür bereit sein. Und wenn man dann doch mal den heimlichen Rennfahrer rauslassen möchte, genügt ein einfacher Knopfdruck.

Fotos: Teymur für Heldth


Mit freundlicher Unterstützung von Mercedes-Benz.

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