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Almost Fourty – Wenn das Outfit zu heiß wird

Draußen ist es endlich Sommer, also zumindest fast. Es ist jedenfalls bereits ziemlich heiß draußen und bis sich der Körper auf die hohen Temperaturen umgestellt hat, fühlen sich auch 26°C nahezu tropisch an. Die Laune wird besser, die Kleidung wird leichter und luftiger. Es könnte eigentlich alles ziemlich gut sein, unglücklicherweise sind die hohen Temperaturen aber auch ein Garant für optische Herausforderungen, insbesondere in der unerwartet facettenreichen Welt der Herrenmode. Es ist wirklich erstaunlich wie groß die Zahl der modischen Unmöglichkeiten ist und immer wenn man denkt, man habe alles gesehen, kommt ein neuer, fragwürdiger Trend um die Ecke und beweist eindrucksvoll, dass der mitteleuropäische Mann zwar alles tragen kann, aber vielleicht lieber nicht sollte.

Eines der ersten Kleidungsstücke, das bei steigenden Temperaturen aus dem Schrank gezogen wird, ist das kurzärmelige Hemd. Das sollte man in der Tat aus dem Schrank holen und dann direkt zum Putzlappen umfunktionieren oder anderweitig recyceln. Denn außer Busfahrern oder Tropenforschern darf wirklich niemand kurzärmelige Hemden in der Öffentlichkeit tragen. Wenn einem wirklich so warm ist, dass die Unterarme dringend Luft benötigen, kann man die Ärmel eines Hemdes einfach nach oben rollen. Der Effekt ist der gleiche, der daraus resultierende Look ist jedoch unverschämt viel großartiger. Alternativ kann man sich auch für ein klassisches Poloshirt entscheiden, bevorzugt ohne riesige Applikationen und mutige Farbexperimente.

Ganz ähnlich verhält es sich übrigens mit kurzen Hosen. Es weckt irgendwie Erinnerungen an eine glückliche Kindheit, mit aufgeschlagenen Knien und blauen Flecken an den Waden. Aber es will irgendwie nicht so richtig zu erwachsenen Männern passen. Zumal auch hier sehr gern Farben, Muster und ausgefallene Detaillösungen die Oberhand gewinnen und das Gesamtarrangement in optisch gefährliche Bereiche bugsieren. Wenn es doch mal ganz dringend Shorts sein müssen, dann um Himmels Willen bitte so schlicht wie möglich. Keine Cargotaschen, kein Karomuster, keine floralen Drucke und es hilft durchaus, wenn die Beine vorher auch die Chance bekommen haben ein paar Sonnenstrahlen einzufangen. Ach ja, sollte man zufälligerweise in der Karibik geboren und aufgewachsen sein, dann geht das klar, wenn die kurzen Hosen bis zu den Waden reichen, aber auch nur dort und nur dann.

Socken und Sandalen – weltweit als absolutes Tabu erkannt – erfreuen sich überraschenderweise nach wie vor großer Beliebtheit, aber das ist nicht die einzige Möglichkeit anderen Leuten die Netzhaut zu verätzen. Die Erfindung der Sneakersocken hat definitiv für eine ganz neue Ebene optischer Herausforderungen gesorgt. Sneakersocken sind nicht per se schlecht, schließlich ist es oftmals wirklich unangenehm, wenn man barfuß in den Lieblingsturnschuhen steckt. Aber es gibt keinen akzeptablen Grund dafür, dass die Sneakersocken über den Schaft der Schuhe reichen. Je dezenter man das arrangiert, umso lässiger wirkt es am Ende auch. Da ist es durchaus hilfreich, wenn Socken und Futter der Sneakers miteinander harmonieren, bevorzugt nicht als Komplementärkontrast. Alternativ kann man sich auch einfach ein paar leichte Sommerschuhe zulegen, die sich auch sehr gut barfuß tragen lassen. Flip Flops fallen allerdings nicht in diese Kategorie, klar sollte man die ohne Socken tragen, aber doch eher am Strand oder zu anderen Gelegenheiten, die so casual sein sollten, dass man es kaum aushält.

Zugegeben, Frauen haben es mit den heißeren Temperaturen sehr viel einfacher. Luftige Kleider, kurze Röcke und offene Schuhe sehen wahnsinnig toll aus und der Tragekomfort ist äußerst beneidenswert. Aber auch als Mann muss man im Sommer nicht leiden, man muss lediglich die richtigen Sachen im Schrank haben. Es gibt wunderbar leichte Stoffhosen, die den Spagat zwischen elegantem Aussehen und angenehmer Luftigkeit schaffen. Das gleiche gilt für Hemden und wenn man im Sommer mal einen Leinenanzug getragen hat, ist auch dieses Thema kein Diskussionspunkt mehr.

Wenn man sich einmal im Berufsverkehr für 30 Minuten an einen vielfrequentierten Ort stellt und die gnadenlosen Outfits der Herrenmode auf sich wirken lässt, dann betrachtet man den eigenen Auftritt eventuell etwas genauer. Es sind nur ein paar Wochen im Jahr, die wir mit hohen Temperaturen auskommen müssen, aber auch in dieser Zeit gilt der Grundsatz, dass Kleider Leute machen.

Text: K. v. Heldth
Foto: Teymur für Heldth