2

Almost Fourty – Nur für mich

Ein Porsche 911, eine Rolex Submariner, das Montblanc Meisterstück, eine Leica Kamera, ein Paar Schuhe von Foster & Son, der Lounge Chair von Ray und Charles Eames, eine MV Agusta Brutale – es gibt sehr viele, wirklich großartige Produkte, die von Außenstehenden grundsätzlich nur als Statussymbol der jeweiligen Besitzer betrachtet werden. Zumindest in Deutschland ist diese Neidkultur sehr weit verbreitet und sorgt gern für Unmut. Selbstverständlich gibt es auch Menschen, die eben diese und ähnliche ikonische Gegenstände genau deshalb ihr Eigen nennen, weil sie teuer sind und scheinbar von Geschmack und Klasse zeugen. Aber das ist wirklich ein verschwindend kleiner Teil.

Keine Diskussion, man benötigt tatsächlich das nötige Kleingeld um sich einen Elfer, eine Rolex und/oder eine Leica kaufen zu können. Meistens geht es dabei aber um totale Liebhaberei und Faszination für das Produkt und die Marke. Es erfüllt einen mit absolutem Glück, wenn man endlich dieses faszinierende Stück besitzen, benutzen und bestaunen kann. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, ob die eiserne Reserve aufgebraucht wurde, um sich endlich seinen materiellen Traum zu erfüllen oder ob man es sich bequem leisten kann diese Träume wahr werden zu lassen. Dieser Funken der wahren Leidenschaft ist das entscheidende Detail.

Beinahe jeder hat solche materiellen Träume, die man sich irgendwann im Leben mal erfüllen möchte. Natürlich lieber heute als morgen. Aber, wie meistens im Leben, zahlt sich Geduld auch irgendwann aus. Wenn man zwanzig Jahre auf etwas hingearbeitet, hingespart und hingefiebert hat, wird sich der Moment, in dem sich der innige Wunsch endlich erfüllen lässt, ganz besonders und vor allem unvergesslich anfühlen. Dann hat die Beziehung mit dem Wunschprodukt nämlich schon viele Jahre vorher begonnen und ist zum Bersten mit Leidenschaft gefüllt. Wenn man staunend die Details erkundet, die Augen einfach nicht davon abwenden kann und – wenigstens am ersten Abend – dem eigentlich leblosen Gegenstand noch mal eben eine gute Nacht wünschen geht, dann ist es völlig egal was andere dazu sagen.

Es geht beinahe niemals darum andere Menschen mit eben diesen Dingen zu beeindrucken. Es geht einzig und allein um die eigene Befriedigung. Selbstverständlich schwillt die Brust vor Stolz, wenn andere diese Leidenschaft teilen und mit einem anerkennendem Nicken reagieren. Es fühlt sich großartig an, wenn man seine Faszination mit anderen teilen kann. Aber das ist halt nur ein hübscher Nebeneffekt und – wir blenden die dummen Aufschneider einfach mal alle pauschal aus – es gibt nur eine Person für die man mit dem Porsche 911 über die Landstraße fährt, für die man seine Fotos mit einer Leica macht, für die man ein Dokument mit dem Montblanc Füller unterschreibt: für sich selbst.

Man lernt früh, dass es ziemlich gut ist, sich immer mal wieder selbst zu belohnen. Es muss um Himmels Willen ja auch nicht gleich mit zighunderten oder -tausenden von Euro verbunden sein. Aber beinahe jeder von uns hat irgendeinen beinahe unanständigen, rein materiellen Traum. Hand auf’s Herz, in den allermeisten Fällen schlittert man viel zu oft an der Erfüllung dieser Träume vorbei oder man kommt aus den unterschiedlichsten Gründen vielleicht doch niemals auch nur in greifbare Nähe. Aber das sollte wirklich kein Grund für Neid sein. Vielmehr sollte ein anerkennendes Nicken drin sein, vielleicht sogar ein kurzes Gespräch über die Großartigkeit eben jenes Gegenstandes.

Den einen oder anderen (materiellen) Wunsch habe ich mir selbst schon erfüllt, mal weil sich eine gute Gelegenheit ergab und mal weil die Zeit endlich reif dafür war. Wildfremde Menschen haben mich auf der Straße angesprochen, weil sie meine persönliche Begeisterung Leidenschaft teilten. Und jedes Mal fühlte sich das ungewohnt, aber wirklich großartig an. Mag sein, dass geteiltes Leid halbes Leid ist; aber geteilte Freude ist ganz sicher (mindestens) doppelte Freude. In Mathematik war ich aber auch nie wirklich gut.

Text: K. v. Heldth
Foto: Heldth