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Almost Fourty – What’s my age again?

Letztes Wochenende habe ich mir ein Skateboard gekauft. Selbstverständlich ist das nicht das erste Skateboard meines Lebens, aber es sind vermutlich zehn, vielleicht sogar fünfzehn Jahre vergangen, seit ich zum letzten Mal auf einem stand. Und nun, in absehbarer Zeit vierzig Jahre alt, besitze ich wieder eins. Es ist ein Cruiser aus Kunststoff, in einer mutigen Kombination aus Schwarz, Schwarz und Schwarz gehalten. Ein ganz klitzekleines bisschen Punkrock, aber für Erwachsene. Während ich so durch den Münchner Olympiapark rollte, spielten Blink-182 in meinem Kopf ihren Song „What’s my age again?“.

Meine Skateboard-Karriere begann in den 80er Jahren. Irgendwann rückte die Existenz dieser Rollbretter in meinen Fokus und ich wollte sehr dringend auch eins. Aus Ermangelung der entsprechenden Verfügbarkeit innerhalb des imperialistischen Schutzwalls begann es bei mir so wie einst in Kalifornien – ich schraubte ein Paar Rollschuhe auseinander und befestigte die unter einem einfachen Holzbrett. Ich war der König der Straße, die Nachbarskinder buhlten um meine Gunst und ich glitt über den Asphalt wie einst Duke Kahanamoku über die Wellen. In Wirklichkeit war mein rollendes Konstrukt eine Katastrophe, die Oberfläche der Straße viel zu grob und ich gab schnell auf, dieses Ding zu fahren.

1988 bekam ich dann mein erstes richtiges Skateboard, es war von Karstadt Sport, kostete 49 Mark und wurde mir von meinen Eltern aus dem Westen mitgebracht. Die Geschichte wiederholte sich; die Nachbarskinder buhlten um meine Gunst und ich glitt über den Asphalt wie einst Duke Kahanamoku über die Wellen. Längst hatte ich viel bessere Stellen gefunden um zu skaten, in den folgenden Jahren fiel die Mauer und somit ergaben sich schier endlose Möglichkeiten an neue Boards, Achsen, Rollen und dergleichen zu kommen. Ich fand neue Freunde, die meine Faszination für Rollbretter teilten; wir waren die coolen Halbstarken der Stadt und kannten die besten Spots zum skaten und rumhängen.

Trotz meiner großen Leidenschaft für Skateboards, einer Menge zerbrochener Decks und unzähligen Schürfwunden – ich war nie wirklich gut. Klar konnte ich ein paar Tricks, aber es war halt nicht der Rede wert. Für mich fühlte es sich jedoch großartig an, wenn ich auf dem Brett stand. Es war immer ein bisschen wie in eine andere Welt abzutauchen, in meinem Kopf rollte ich mit Stacy Peralta, Tony Hawk, Claus Grabke, Steve Caballero und den anderen Helden dieses Sports über die Straßen. Irgendwann wurde die freie Zeit weniger, die Selbsteinschätzung meiner Fähigkeiten realistischer und mein Interessenfeld größer. Skateboards verschwanden irgendwie aus meinem Leben.

Die ersten Meter mit meinem tiefschwarzen Cruiser waren etwas wackelig, aber langsam kommen die fließenden Bewegungen zurück und werden dem Begriff „Cruising“ gerecht. Keine Tricks, nicht einmal ein kleiner Ollie. Nur von A nach B, mit einem Grinsen im Gesicht. Die nette Dame an der Sicherheitskontrolle des Flughafens musste lächeln, als sie mein Skateboard dem Jungen vor mir in die Hand drücken wollte und er sie darauf hinwies, dass das „dem Mann“ hinter ihm gehört. Und der nahm seine Tasche, stellte sich auf sein schwarzes Board und rollte durch den Abflugbereich des Flughafens zum richtigen Gate, im Kopf wieder vierzehn Jahre alt.

Diese wieder ausgegrabenen Erinnerungen, an die Zeit mit den Skateboards, lösen eine Reihe weiterer Assoziationen aus. Ich werde jetzt nicht mit zu tief sitzenden Jeans, löchrigen Airwalk Schuhen und viel zu großen Band T-Shirts über die Skate Spots der Welt fetzen. Aber die Erinnerungen an diese Zeit in den späten 80ern und frühen 90ern sind wunderbar und fast hätte ich sie für immer ausgeblendet, wäre ich nicht zufällig auf das schwarze Brett gestoßen. Auf die Frage „What’s my age again?“ habe ich übrigens auch eine Antwort gefunden, ebenfalls der Titel eines Songs und schon sehr viel länger Teil meines Lebens als der von Blink-182. „Young till I die“.

Text: K. v. Heldth
Foto: Heldth