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Wiedervorlage: Moon Safari

Das vorweg: Es wird jetzt nicht ganz so einfach. Dieser Tage ist deren Best-of erschienen, das den Namen Twentyears trägt. Demnach müsste es die Band, um die es geht, seit 1996 geben. Tatsächlich haben sich die beiden Frontmänner bereits ein Jahr vorher, also 1995, dazu entschlossen, eine Band zu gründen. Und als wäre das nicht schon verwirrend genug, ist deren Debütalbum erst 1998 erschienen. Air machen es uns an dieser Stelle also wirklich nicht leicht, aber zum Glück so gute Musik, dass Moon Safari, das überragende erste Album der französischen Elektro-Pop-Band, hier noch einmal lobend erwähnt werden soll.

Kaum eine andere Band hat es Ende der 90er mit einem Album so sehr geschafft so viele unterschiedliche Hörerschaften zu vereinen: die Kiffer, die Feingeistigen, die Popper, die Sensiblen und die Hitverwöhnten. Moon Safari ist vor allem auch deshalb ein besonderes Meisterwerk, weil es keins ist, das dieses Label erst nach ein paar Jahrzehnten verpasst bekommen hat. Bei Allmusic, einer Datenbank für kommerzielle Musikveröffentlichungen, erhielt das Album auf Anhieb volle Punktzahl. Die Kritiker weltweit überschlugen sich damals mit Lob. Das Musikmagazin Visions hat Moon Safari längst auf die Liste der 150 Alben der Ewigkeit gesetzt (Platz 114).

Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel, die beiden Köpfer hinter Air, haben bereits auf Moon Safari bewiesen, dass sie nicht nur über ein ausgezeichnetes Gespür für beängstigend fesselnde Melodien verfügen, sondern hatten zudem das Glück, von zahlreichen Freunde im Musikgeschäft unterstützt zu werden. Ob Charlotte Gainsbourg, Jarvis Cocker, Neil Hannon, Beck oder Thomas Mars von der Band Phoenix – sie alle haben Air auf ihrem langen Weg in die Gegenwart immer mal wieder unter die Arme gegriffen, einem Song eine Stimme gegeben oder auf einem Instrument begleitet. Ferdinand und Nena haben sogar Airs Sexy Boy gecovert – ob nun gut oder schlecht, muss jeder Fan für sich entscheiden.

Aber was macht die Musik der Franzosen so spannend? Nun, auch wenn die Arbeit mit Synthesizern im Vordergrund steht, fällt auf, dass die beiden immer wieder auch organische Instrumente wie ein Saxophon nutzen, um den rein elektronischen Pfad kurzzeitig zu verlassen. Auffällig ist auch, dass Godin und Dunkel zwar ihre Stimmen mit Vocoder-Technik verfremden, aber die ihrer Gäste unberührt lassen. Man scheint sich also sehr bewusst auszusuchen, mit wem man warum zusammenarbeiten will und lässt aus Respekt vorm Künstler die Finger von der immer zum Song passenden Aufnahme. Moon Safari ist nicht nur produktionstechnisch eine Meisterleistung. In jedem Song steckt Herzblut, alle Stücke sind auf gleich hohem Niveau und man spürt schnell, dass dieses Album 43 Minuten lang magisch ist.

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Text: Ronny Janke
Foto: Parlophone Label Group (Plg) (Warner)
Video: Astralwerks