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Mechanische Präzision

Ein wunderbar restaurierter Ferrari 250 Europa GT, es müsste ein früher gewesen sein, vielleicht ein 1954er, perfekt vorbereitet mit an das Wetter angepassten Reifen, einer Heerschar von Mechanikern und eben einer Vollausstattung an allen auf dem Markt erhältlichen Schnittcomputern. Dazu zwei Gentlemandriver mit maßgeschneiderten Overalls, matching helmets und Gegensprechanlage.

Ihr Schauspiel war großartig. Kein einziges Mal haben sie sich angeschaut während der 1000 Meilen durch Italien. Ziemlich sicher hat der Beifahrer sogar kein einziges Mal nicht auf seine digitalen Zeitanzeiger oder das Roadbook geschaut. Egal wie brachial es ums Eck ging, wie spektakulär die vorbeiziehende italienische Landschaft war, oder wie dringend man den Fahrer für die Missachtung der eigenen Ansagen beschimpfen musste.

Überhaupt hatte man das Gefühl, dass die beiden es perfekt im Griff hatten. Keine Fahrfehler, keine falsche Navigation, kein Verpassen der Stempelzeiten, nichts. Aber: so ist es eben, wenn man die Mille Miglia zum sechzehnten Mal fährt. Man kennt nicht nur sich, sondern auch aus. Man wird von nichts überrascht und weiß, dass es vor allem auf eines ankommt: Präzision.

Unsere Startvoraussetzungen waren deshalb mehr als schlecht. Natürlich, die Wahl des Autos, perfekt: Mercedes-Benz 300SL. Wo die meisten britischen und italienschen Edelrenner schon auf der ersten Etappe die Werkzeugkiste öffnen mussten, spulte der Flügeltürer die Renndistanz fehlerfreier ab, als ein moderner Golf. Bloß: wir waren es nicht. Notdürftig hatten wir eine Tripmaster-App aufs iPad gespult, die Etappen aus dem Roadbook überspielt und sind an den Start gefahren.

Die ersten Wertungsprüfungen waren eine Katastrophe. Keine Koordination vom Start-Taste-Drücken beim Überfahren des winzigen Gummischlauches beim Beginn der Zeitnahme, kein koordiniertes Herunterzählen der Restzeit, um dem Fahrer ein Abschätzen der Geschwindigkeit zu ermöglichen, zumal dieser sich immer noch nicht recht auf den millionenteuren Benz eingeschossen hatte. Es wurde deshalb laut im Auto, was nicht am weit über 200PS starken Dreiliter-Reihensechszylinder lag, sondern vor allem an den überbordenden Emotionen über die eigene Unzulänglichkeit.

Deshalb: Präzision. Den GPS-Tripcomputer haben wir ausgeschaltet – wir hatten sowieso vergessen ihn zu eichen, weshalb er mehr nach dem Mond, als nach der tatsächlichen Strecke ging – das iPad darauf reduziert und einen Hotspot zu liefern und stattdessen einfach auf die Union Noramis verlassen. Statt auf einem Touchscreen rumzufingern, drückst du einfach den satt klickenden Knopf um den Chronographen zu starten, zählst laut und deutlich die Sekunden mit, schon klappt es mit den Sonderprüfungen.

Am Ende haben wir die Top 100 dann nur knapp verpasst, tageweise lagen wir sogar in den Top 25, mit einigen Wertungsprüfungen ohne Abweichung – also: 0,000 Sekunden Fehler. Das Beste daran war aber, dass alles ganz locker, ganz entspannt lief. Volle Konzentration auf das Wesentliche. Das Auto, die Landschaft, die Menschen.

Denn die Mille Miglia ist etwas ganz besonders – das sollte man genießen. Und nicht an irgendwelchen elektronischen Hilfsmitteln herumfummeln.

Fotos: Fabian Mechtel


Mit freundlicher Unterstützung von Mercedes-Benz und Union Glashütte.

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