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Almost Fourty – Der alte Mann und das Meer

Nein, es geht an dieser Stelle nicht um die gleichnamige Novelle von Ernest Hemingway. nicht einmal ein ganz kleines bisschen. Aber es geht immerhin wirklich um einen alten Mann, zumindest in der Zukunft, und es geht um das Meer. Meinen Lebensplan für’s Alter habe ich schon vor vielen Jahren ganz klar skizziert, einzig den Zeitpunkt, an dem dieser Plan in die Tat umgesetzt werden soll, ist noch nicht definiert. Und dabei mache ich gar keine großartigen Zukunftspläne mehr.

Wenn ich eines Tages in der Zukunft ein alter, etwas mürrischer Mann bin, der viel von der Welt gesehen und einen Großteil seiner Ideen, Wünsche und Träume vom imaginären Wunschzettel des Lebens gestrichen hat, möchte ich am Meer leben. Also so richtig nah am Meer. Ich möchte es nicht nur jederzeit sehen können, sondern ich will es auch hören, riechen und schmecken. Das wären immerhin 80% der offiziell verfügbaren Sinne, die sich so auf eine wunderbare Weise unterhalten ließen.

Ich möchte aber nicht in die Karibik, ans Mittelmeer oder sonst einen gemütlichen, warmen Ort dieser Welt. Ich möchte dort am Meer leben, wo es tobt und wütet. Wo es wie ein schimmerndes Seidentuch im Licht wabert und dabei immer wieder seine Farbe verändert. Nicht etwas, um darin zu schwimmen oder mit dem Boot darauf zu fahren. Ich möchte das Meer einfach jeden Tag sehen, hören, riechen und schmecken. Dann sitze ich auf einer wettergegerbten Holzbank und schaue stundenlang in Richtung Küste. Ich trinke dabei Kaffee, Whisky mit und ohne „e“ oder Wasser. Zwischendurch schlafe ich im Sitzen ein und wenn ich aufwache ist das Meer noch immer da, es ist dann ein kleines bisschen anders als vor dem Einschlafen, aber es ist da.

Eigentlich finde ich Pläne für’s Leben schwierig. Natürlich ist es viel besser, wenn man einem definierten Ziel folgt oder wenigstens daraufhin arbeiten kann. Meistens kommt es dann aber doch irgendwie ganz anders, zumindest war das bei mir bisher immer so. Also habe ich aufgegeben mir meine nähere Zukunft auszumalen. Zumindest in den Punkten, die wirklich unvorhersehbar sind. Dass ich kommende Woche einen Cappuccino in meinem Lieblings-Café trinke, kann ich also schon mit ziemlicher Gewissheit sagen. Dass sich aber andere Pläne auch so leicht realisieren lassen, halte ich für fragwürdig. Zumindest in meinem Leben.

In meinem Freundeskreis gibt es eine Menge Leute mit klar definierten Plänen. Zumindest schein es so. Sie bekommen Kinder und kaufen Häuser, sie fahren in den Urlaub und machen Karriere. Ganz genau so, wie sie es sich irgendwann mal ausgemalt haben. Mein Leben scheint aber eben nicht auf diese Weise zu funktionieren. Die wenigsten meiner Zukunftspläne ließen sich auch in die Realität umsetzen. Das ist tatsächlich absolut okay für mich, und ich finde es ziemlich prima, wenn die Pläne meiner Freunde und Bekannten aufgehen. Ich für meinen Teil habe es aber aufgegeben, mir großartige Zukunftsszenarien auszumalen. Irgendwas ist schließlich immer.

Im Moment rase ich durch das Leben. Ständig bin ich unterwegs, in meinem Kopf kreisen unzähligen Gedanken, Ideen und Wünsche. Ich mag das, jetzt und hier. Ich möchte das noch nicht aufgeben. Aber ich weiß genau, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem ich müde bin. Vermutlich bleiben mir bis dahin noch weitere vierzig Jahre. Aber ich mag es, dass ich ausnahmsweise mal einen echten Plan für später habe; und wer weiss, vielleicht teile ich den dann ja sogar.

Text: K. v. Heldth
Foto: Teymur Madjderey für Heldth