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Faszination Oldtimer Rallye – Silvretta Classic

Jeder, der auch nur einen Tropfen Benzin im Blut hat, dreht sich gern nach einem vorbeifahrenden Oldtimer um. Beinahe täglich sieht man irgendwo irgendein historisches Fahrzeug auf der Straße und wenn man sich diesen Wunsch noch nicht erfüllt hat, lässt man sich wenigstens dazu hinreißen, über den Besitz eines chromblitzenden Klassikers nachzudenken. Es muss ja vielleicht nicht gleich ein Porsche 911, ein Mercedes-Benz SL oder ein Vorkriegs-Bentley sein.

Fahrzeuge mit H-Kennzeichen, also der Anerkennung als historisches Kulturgut, müssen mindestens 30 Jahre alt sein und das bedeutet, selbst Opel Kadett E oder VW Golf II haben mittlerweile das entsprechende Alter erreicht. Zwischen 1886 und 1986 gibt es eine hundertjährige Automobilgeschichte und da findet sich für beinahe jeden Geldbeutel ein passender Wagen der gefällt und Spaß macht.

Wenn man dann seinen Wunsch-Oldie vor der Tür stehen hat und nicht mehr immer nur zur Eisdiele oder dem Lieblingscafé fahren möchte, sollte man mal eine Oldtimer Rallye in Betracht ziehen. Hier werden Maschine (ein bisschen) und Mensch (ziemlich viel) auf die Probe gestellt. Hier werden das Streben nach Perfektion, höchste Konzentration und eine große Menge Spaß miteinander kombiniert.

Die meist wirklich wunderbar organisierten Ausfahrten sind mit Wertungsprüfungen durchzogen, in denen man einen bestimmte Strecke in einer vorgegebenen Zeit zurücklegen muss, so präzise wie möglich. Jede Zehntelsekunde Abweichung gibt bereits Strafpunkte und das ist der Moment, in dem hochkonzentrierte Gesichter und schwitzende Hände ins Spiel kommen. Dabei geht es nie um hohe Geschwindigkeiten, ob 24 oder 430 PS spielt also absolut keine Rolle.

Die Rallye

Seit 1998 wird die Silvretta Classic von der Motor Presse Stuttgart veranstaltet und gehört damit durchaus zu den Klassikern des Genres. „Traumautos auf Traumstraßen, ein Gipfeltreffen automobiler Schätze“ – so stellt sich die Silvretta Classic selbst vor und tatsächlich kann man kaum passendere Worte finden. Egal wen man im Starterfeld fragt, es gibt ausnahmslos begeisterte Stimmen. Genau das ist der Grund, warum man unbedingt einmal die Silvretta Classic mitfahren sollte, schließlich soll man fremde Meinungen ja auch mal verifizieren.

Die Wertungsprüfungen sind teilweise recht verzwickt, aber nicht unmöglich. Und genau deshalb macht es besonders viel Spaß. Wenn man mal versucht hat eine Wertungsprüfung rückwärts zu fahren und dabei die genau Zeit einzuhalten oder zwischen den beiden Zeitnahmepunkten  ganz ohne Motorkraft vorankommen muss, werden der Enthusiasmus und der Erfindungsgeist der Teams geweckt. Zwischendurch verstecken sich immer geheime Wertungsprüfungen, die kurz für Hektik im Fahrzeug sorgen, schließlich will niemand zu viele Strafpunkte kassieren.

Die Mittagspausen und die Abendveranstaltungen sind genau so perfekt organisiert wie der ganze Rest und dabei kommt man mit den „Rivalen“ von der Rennstrecke ins Gespräch, schließlich steht tatsächlich der Spaß an der Veranstaltung im Vordergrund und wenn man sich doch mal verfährt oder eine Wertungsprüfung verhaut, dann ist sowieso immer die andere Person im eigenen Wagen schuld; aber das gilt ja für alle Rallyes dieser Art.

Die Strecke

Un. Fass. Bar. Gut. Die Silvretta ist eine Gebirgsgruppe in den Alpen und nicht nur die gleichnamige Hochstraße weiß durch ihre Schönheit zu bestechen. Spannende Spitzkehren, atemberaubende Aussichten, faszinierende Felsformationen und (fast immer) wunderbares Wetter lassen einen schon mal an der Echtheit des Ganzen zweifeln; einfach weil alles so großartig ist und perfekt zusammenpasst. In den drei Tagen legt man ein paar hundert Kilometer in mehreren Etappen zurück und beinahe ist man versucht diverse Abschnitte mehrfach zu fahren, nur um die Schönheit der Strecke ein zweites Mal genießen zu können. Aber man muss ja nicht zwingend an der Rallye teilnehmen, um hier noch einmal entlang zu fahren.

Das Publikum

Irgendwer steht immer irgendwo am Straßenrand, da kann die Routenführung über noch so abgelegene Pfade führen. Beinahe jeder Zweite hat eine Kamera oder sein Telefon in der Hand und filmt oder fotografiert. Die Leute winken, applaudieren und haben wirklich großen Spaß an diesem Spektakel. Vor allem in den Städten und Dörfern versammeln sich große Menschenmenge, die begeistert das Treiben bestaunen, sich an den wunderbaren Fahrzeugen erfreuen und ein wahres Volksfest aus der Oldtimer Rallye machen. Ohne das Publikum wäre eine solche Veranstaltung wirklich nicht dasselbe.

Die Teilnehmer

190 Wagen, jeweils besetzt mit Fahrer und Beifahrer, waren für die Silvretta Classic 2016 gemeldet. Neben BMW 328, Rolls-Royce Corniche Convertible, Rover Mini Cabrio, unzähligen Porsche 911 und Mercedes-Benz SL, gab es auch echte Exoten zu erleben. Wann sieht man schonmal einen Skoda Favorit „Rallye Monte Carlo“ von 1992 neben einem 1970er Dodge Challenger R/T 426 Hemi stehen? Wer hat schon mal einen Alfa Romeo Montreal in echt gesehen? Oder eine Borgward Isabella Combi?

Die Teams sind in jeglicher Hinsicht bunt gemischt. Alte Hasen treffen auf blutige Anfänger. Verbissene Duos stehen neben jenen, die vor allem Spaß haben wollen. Es könnte kaum abwechslungsreicher sein.

Der Wagen

Ein Rolls-Royce Corniche Convertible von 1980 mag nicht der erste Wagen sein, der einem bei der britischen Marke einfällt. Aber er steht sehr wohl repräsentativ für den damaligen Geist von Rolls-Royce. Die Cabriolets waren immer Fahrzeuge für jene die selbst fahren wollten, mit offenem Dach ist es hinten auch wirklich etwas zugig. Der 6,75 Liter V8 produziert circa 200 PS, bei einem Gewicht von beinahe zweieinhalb Tonnen ist das entsprechende Drehmoment aber auch wirklich notwendig. Triple Black steht dem Luxus-Cabriolet extrem gut – das heisst der Wagen ist schwarz lackiert, hat ein schwarzes Verdeck und eine schwarze Innenausstattung. Die kleinen technischen Eskapaden in den drei Rallye-Tagen seien der schwarzen Schönheit verziehen, immerhin war es ihr erster großer Auftritt im Rahmen einen Oldtimer Rallye.

Noch sind die frühen Rolls-Royce Corniche für deutlich unter 40.000 Euro zu haben. Das ist natürlich eine Menge Geld, aber es ist eben auch ein Rolls-Royce, und die Preise für die Corniche steigen bereits wieder.

Das Fazit

Die Silvretta Classic ist zweifellos eine der schönsten Oldtimer Rallyes in Europa und für viele Teilnehmer längst eine Pflichtveranstaltung. Bei fast 200 startenden Teams hat man ziemlich gute Chancen nicht ganz hinten zu landen, wenn die Technik einen nicht im Stich lässt. Wenn man einmal Blut Benzin geleckt hat und der Faszination von Oldtimer Rallyes hoffnungslos ausgeliefert ist, sollte die Silvretta Classic definitiv einmal auf der persönlichen To-do-Liste stehen. Das Zusammenspiel aus anspruchsvollen Aufgaben, umwerfender Aussicht, aufregender Wagen und einer Menge toller Menschen ist absolut grandios.

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Fotos: Fabian Kirchbauer / BMW Group Classic


Mit freundlicher Unterstützung von BMW Group Classic.

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