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Almost Fourty – Was man halt alles so besitzt

Ich stecke gerade mitten in einem Umzug. Während ich also Dinge in Kisten packe, stelle ich mal wieder fest, dass sich im Laufe der Zeit viel zu viele Dinge ansammeln, die man sein Eigen nennt. Ob das der Jäger und Sammler Ära zuzuschreiben ist oder vielleicht doch nur der Konsumgesellschaft bleibt ungeklärt. Fakt ist jedoch, dass man in dieser Situationen auch immer fragt, warum man eigentlich so viel Zeug hat und ob man das wirklich braucht. Die erste Frage zu beantworten ist gar nicht so einfach, die zweite hingegen kann im Grunde immer mit einem klaren Nein abgeschlossen werden. Also packe ich meine Sachen nach dem Schema „kann bleiben“ und „kann weg“.

Vielleicht sollte man ja viel öfter umziehen, dann kommt man irgendwann bei der materiellen Essenz des eigenen Lebens an. Also bei den Dingen, die definitiv bleiben müssen, weil sie zum eigenen Leben gehören und es in einem gewissen Maß auch ausmachen. Natürlich kann man jetzt darüber streiten, was man wirklich alles braucht, schließlich wandelt der untere Rand unserer Gesellschaft meist mit so wenigen Dingen durch sein Leben, dass es nicht mehr als einen kleinen Karren oder ähnliches dafür braucht. So philosophisch und gesellschaftskritisch möchte ich aber gar nicht werden.

Ich bin in meinem Leben schon häufiger umgezogen. Wenn ich wollte, könnte ich nachzählen wie oft das war, aber eigentlich ist das ziemlich egal. Jedes Mal habe ich mich von Dingen getrennt, ein paar neue Gegenstände hinzugefügt und mittlerweile besitze ich einiges, dass ich wohl für den Rest meines Lebens an die unterschiedlichsten Orte mitnehmen werde. Da ist zum Beispiel dieser hellbraune Ohrensessel aus den sechziger Jahren, irre sperrig aber verdammt cool, seit mehr als 16 Jahren begleitet er mich. Und so sind es viele kleine und ein paar große Stücke, die ich von Ort zu Ort und von Wohnung zu Wohnung mitnehme, die irgendwie immer funktionieren und über Trends erhaben sind. Eben jene Dinge, die immer bei „kann bleiben“ einsortiert werden.

Bei „Fight Club“ – egal ob im Buch oder im Film – ging es immer auch darum, dass Besitz einen belastet. Wenn man aber nicht gerade die gesamte Gesellschaft in Schutt und Asche legen möchte, dann ist das vielleicht ein bisschen zu radikal gedacht. Der Ansatz ist jedoch gar nicht so verkehrt und vielleicht ist ein Umzug auch so eine Art reinigendes Gewitter, schließlich geht doch beinahe niemand grundlos sein ganzes Hab und Gut durch, um Unnötiges auszusortieren, wenn es keinen Anlass dafür gibt. Vielleicht sollte man das aber ab und zu einfach mal machen und zwar nicht nur im Kleiderschrank. Das schafft nämlich nicht nur in den eigenen vier Wänden Platz, sondern tatsächlich auch im Kopf. Freiraum, den man mit tollen, neuen Dingen füllen kann, sie müssen ja nicht materieller Natur sein.

Text: K. v. Heldth
Foto: Heldth