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Wiedervorlage: The Man Who

Lange Zeit sah es so aus, als würde es ruhig um diese Briten werden. Doch vor einigen Monaten erschien Everything At Once, das aktuelle Album von Travis. Es ist ihr mittlerweile achtes Werk. Ihren Durchbruch hatte die 1990 gegründete Band um Frontmann Fran Healy mit einem der traurigsten Songs, der von einem der traurigsten Alben der auslaufenden 90er Jahre stammt. Dass The Man Who am Ende doch kein zehn Songs langes Trauerspiel geworden ist, liegt an der wohlfühligen Melancholie, die sich durch das gesamte Album zieht.

Mit mehr als 2,7 Millionen verkauften Exemplaren landete es in seinem Veröffentlichungsjahr in den Top 5 der am kommerziell erfolgreichsten Alben im britischen Königreich. Da ist der Platz 1 in den heimischen Charts zwar nur noch obligatorisch, trotzdem nicht ganz unwichtig. Jeweils einen Brit Award gab es ein Jahr später in den Kategorien „Beste Newcomer“ und „Bestes Album“. 2010 war The Man Who sogar mit nominiert in der Kategorie „Bestes Album der vergangenen 30 Jahre“, musste sich aber den Kollegen von Oasis und deren (What’s The Story) Morning Glory geschlagen geben.

Schon die zweite Single, Driftwood, lenkte die Aufmerksamkeit auf das hervorragende zweite Travis-Album. Aber erst mit Why Does It Always Rain On Me? gelang der Band der kommerzielle Erfolg. Plötzlich gab es kein Halten mehr. Innerhalb weniger Tage war die Band in aller Munde und der gar nicht mal so traurige Regensong lief auf allen Radiostationen rauf und runter.

Doch The Man Who ist voller kleiner Meisterwerke. Ob The Fear, Turn, She’s So Strange oder Luv – alle Songs zeigen, mit wie viel Komponierfreude die vier krummen Typen Ende der 90er noch Musik geschrieben haben. Möglich, dass sich das über all die Jahre verändert hat. Wie vermutlich bei allen Musikern, die so lange dabei sind. Irgendwann hat man vermutlich seine Formel für gute Songs gefunden, variiert diese kaum und setzt fortan lieber auf Nummer sicher. Aber wenn das so ist, war The Man Who der Ausgangspunkt für Travis.

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Text: Ronny Janke
Foto: Sony BMG
Video: Ism (Sony BMG)