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Durchgehört: die 3 besten Alben des Monats (#012)

Die Welt ist grausam und das ist nicht ironisch gemeint. Es gibt nicht viel, dass wir der Tagespolitik entgegensetzen können. Was wir aber tun können, um nicht komplett durchzudrehen, ist ab und an gute Menschen zu treffen, uns an packender Literatur zu erfreuen und uns von guter Musik mitreißen zu lassen. Wie gut, dass der Juli mit überragender Musik überzeugen konnte. Drei herausragende Alben sollen deshalb an dieser Stelle vorgestellt werden. Und das Beste: Eines davon gibt es sogar im Gratisdownload.

Vier Jahre ist es mittlerweile schon her, dass der Brite Michael Kiwanuka sein Debütalbum veröffentlicht hat und damit innerhalb kurzer Zeit zur Hoffnung für eine neue Soul-Generation wurde. Wenn man, wie Kiwanuka, ein Level erreicht hat, kann man sich relativ selbstbewusst nach einem neuen Produzenten umsehen, um im Idealfall die nächste Stufe zu erreichen. Dass sich ein Produzent meldet, weil dieser unbedingt mit einem zusammenarbeiten möchte, ist da wohl eher die große Ausnahme. Danger Mouse, bekannt von Gnarls Barkley oder als Produzent der Gorillaz, der Black Keys oder Norah Jones, hat diesen Schritt gemacht. Total angetan von Kiwanukas erstem Album, wollte er unbedingt das schwierige zweite produzieren. Mit Love & Hate ist den beiden das womöglich beste Album dieses kaputten Sommers gelungen. Michael Kiwanuka überzeugt noch immer als gnadenlos guter Sänger und Songschreiber. Danger Mouse zaubert daraus einen einen Soundtrack, der auch einigen Jahrzehnten noch funktionieren wird, weil er schon jetzt klingt, als hätte er Jahrzehnte auf dem Buckel. Love & Hate besticht mit modernen Soundtüfteleien, aber einem alten Spirit, der einen vergessen lässt, welches Jahr wir gerade haben. Die Songs sind melancholisch, blau und voller Eleganz. Streicher, Chöre, Blues-Gitarren, Gospel und zarter Popgesten. Dieses Album ist so gut die handvoll überlebenswichtiger Dinger, die wir an uns heranlassen, weil sie Bedeutung haben. Love & Hate ist zum Niederknien schön.

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Spätestens seit der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft werden die Isländer geliebt wie sonst nur Einhörner. Was da für die Fußballmannschaft des Landes galt, könnte sich in diesem allmählich zu Ende gehenden Sommer auch auf die Musik ausweiten. Júníus Meyvant, ein schlacksiger dünner Kerl, mit kuperfarbenem Bart aus Island, hat dieser Tage sein Debütalbum veröffentlicht. Das Album heißt Beat Silent Need und widmet sich einem Musikgenre, das man in dieser Form ganz sicher nicht mit Island in Verbindung gebracht hätte. Meyvant macht Soulmusik mit Bläsern, Streichern, einer Prise Funk und jeder Menge Herz. Nach einer ersten Single im Jahr 2014 folgten nur ein Jahr später eine in seiner Heimat hochgelobte EP und jeweils eine Auszeichnung für den besten Song und besten Newcomer. Obwohl Meyvant seine Musik selbst nur bescheiden „Folk-Pop“ nennt, hört man schnell, wie geschmeidig und liebevoll er Streicher arrangiert, dazu Orgelsounds und Trompeten darüber legt und nicht zuletzt noch mit seinem Gesang schmeichelt. Vielleicht ist das alles live schwer umzusetzen. Aber dann greift er eben bitte einfach auf ein paar Backgroundsänger zurück und macht, was er am besten kann: fabelhaften Soul.

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Der Brite Kieran Hebden macht seit 1999 als DJ Musik. Mischte er am Anfang noch HipHop mit Jazz, entwickelte er sich im Laufe der 2000er Jahre stetig weiter. Mittlerweile greift er auch verstärkt auf Techno- und Folkelemente zurück. Mittels Loops, Schlagzeug- und Gitarrensamples bastelt er immer wieder von Kritikern und Fans gleichermaßen hochgelobte Songs. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat er es damit auf stolze acht Alben geschafft. Sein aktuellstes, Randoms, gibt es sogar zum kostenlosen Download. Neun Songs sind darauf versammelt, die allesamt einzeln und über die Jahre verteilt extra für verschiedene Kompilationen produziert wurden. Der ältestes Track, Field, stammt sogar aus dem Jahr 1996. Randoms wird damit aber vor allem für Neugierige zu einer angenehmen Kennenlernrunde, um herauszufinden, ob man mit dem kreativen Output des Briten etwas anfangen kann.

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Text: Ronny Janke
Fotos & Videos: Polydor (Universal Music), Record Records (Broken Silence), Bandcamp

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