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Almost Fourty – Erbstücke

Irgendwann stirbt jeder, aber es soll hier gar nicht um den Tod gehen. Vielmehr um eine der zahllosen Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Denn beinahe jeder hat nach seinem Ableben eine entsprechende Hinterlassenschaft. Neben Erinnerungen und Gedanken sind es auch materielle Dinge, die nach dem Tod übrig bleiben und irgendwie verteilt werden. Manchmal geht es um große Dinge, wie tolle Immobilien, innig geliebte Wagen, wunderschöne Motorräder oder wertvolle Kunstwerke. Viel häufiger geht es jedoch um kleinere Gegenstände, die durchaus einen materiellen Wert haben, vor allem aber eine emotionale Verbindung zur verstorbenen Person darstellen.

Die Armbanduhr des Großvaters, das Taschenmesser des Vaters, der Füllhalter des Onkels – es sind diese Gegenstände, die man seit Jahren kennt und liebt. Sie gehörten vielen Jahre zu dieser Person und wurden immer sorgsam behandelt, gehütet wie ein Augapfel. Es gibt eine wichtige Gemeinsamkeit für diese Dinge, egal ob sie einst teuer waren oder nicht – es sind Produkte von hoher Qualität, sonst hätten sie die vielen Jahre im Alltagseinsatz gar nicht überstanden.

Manchmal bekommt man diese Schätze schon zu Lebzeiten des Besitzers vermacht, dann wohnt der Übergabe natürlich ein ganz besonderer Zauber inne. Es fühlt sich wirklich besonders an, wenn man das über viele Jahre begehrte Stück entgegen nehmen darf und es fortan einem selbst gehört. Das damit verbundene Strahlen in den Augen ist oftmals der größtmögliche Dank. Diese Geste ist viel natürlich viel schöner, als das Erbe nach dem Tod. Schließlich wird der Besitzerwechsel so zu einem besonderen Moment, den man gemeinsam teilt. Ganz egal wie lange man danach noch gemeinsam auf der Welt verweilt, es bleibt eine besondere Verbindung, die dadurch noch zusätzlich wächst.

Weil ich diese Idee so sehr mag, besitze ich selbst ein paar Dinge, die mich seit vielen Jahren begleiten und die das Zeug dazu haben, wunderschöne Erbstücke zu werden. Eine ganz einfache Aktentasche aus Leder, die mittlerweile eine tolle Patina hat. Ein edler Füllfederhalter, den ich zu meinem 18. Geburtstag bekam und den es schon seit dem Ende der 20er Jahre gibt. Wer weiß, vielleicht gehört sogar irgendwann meine 1983er Moto Guzzi zu den Dingen, die ein tolles Erbstück werden. Und wenn ich mir eines Tages den Traum erfülle eine OMEGA Speedmaster zu besitzen, dann wird diese ganz sicher auch dazu gehören. Nicht alle Dinge die man besitzt, müssen zu solchen persönlichen Ikonen werden. Aber es ist doch schön, wenn man ein paar wenige Gegenstände auf dieses Level heben kann.

Nur einen ganz wichtigen Teil sollte man dabei auf keinen Fall aus den Augen verlieren; um Gegenstände zu vererben, braucht es auch die entsprechenden Personen im Leben, die sich daran erfreuen können, selbst wenn sie um einen trauern.

Text: K. v. Heldth
Foto: Teymur Madjderey für Heldth