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Wiedervorlage: Wild Wood

„We have no future, we have no past“ – eine Zeile, die – wenn man ehrlich ist – von jeder Generation in Anspruch genommen werden könnte. In diesem besonderen Fall galt sie aber all jenen, die in den 90er Jahren erwachsen wurden. Die Zeile stammt von Paul Weller und tauchte im Opener seines Albums Wild Wood auf. Dieses wurde 1993 veröffentlicht und ist bis heute eines der bekanntesten Alben des „Godfather of Britpop“.

Bis 1982 war Paul Weller Sänger und Gittarist der britischen Band The Jam, mit der er den Britpop salonfähig machte. Womöglich hätte es ohne ihn und seine Bandkollegen andere Vertreter des Genres wie Oasis, The Verve oder Miles Kane gar nicht oder eben deutlich anders gegeben. Wild Wood, das zweite Weller-Album, erreichte zwar nur Platz 2 der britischen Charts – schaffte es aber, sich fast ein Jahr lang darin zu halten.

Mal wütend, mal zurückhaltend und dabei immer mit Chefgeste singt sich Weller durch 13 Stücke. Er gibt den Crooner, erzählt seine Geschichten über Glaubensverlust, den ganzen Liebeskram und Selbstzweifel. Dazwischen ist sogar noch Platz für drei kurze Instrumentals. Es rumpelt und ruckelt regelmäßig, dazwischen kommt der Brite immer mal wieder zur Ruhe und gibt sich versöhnlich.

Zugegeben: Hört man Wild Wood zum ersten Mal, stellt sich nicht sofort das Gefühl ein, dass sich dieses Album ein waschechter Grower ist. Und doch: Wie ein Ungetüm von einem Baum schlägt es überall Wurzeln, findet Halt und spielt mit den Möglichkeiten, Rock, Pop und Blues zu vereinen – ohne einfach Rock, Pop und Blues zu vereinen. Auch wenn Wellers entspannter vor sich hin groovender Britpop längst 13 Jahre alt ist, fällt auf, dass z.B. Noel Gallaghers aktuelles Album gar nicht so weit davon entfernt ist.

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Text: Ronny Janke
Foto: Island (Universal)
Video: PaulWellerTV, Go! Discs Ltd.