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Durchgehört: die 3 besten Alben des Monats (#013)

Wie immer: der obligatorische Einstieg übers Wetter. Denn der Sommer hat es in diesem Jahr nicht gut mit uns gemeint. Es war nicht die Zeit für Livemusik – auf nahezu jedem Festival in den vergangenen Monaten sind Regenschirm und -cape zum Must-Have-Accessoire avanciert. Doch alles kein Problem: Denn Musik kann man dank der guten alten CD, der wieder beliebter werdenden Schallplatte oder der beiden Zeitgeister Download und Stream zum Glück in den trockenen vier Wänden genießen. Drei dafür geradezu prädestinierte Alben sollen wie üblich an dieser Stelle vorgestellt werden.

Wirklich gute, also so richtig gute Popmusik, gibt es ja nicht gerade wie Sand am Meer. Und wenn, dann kommt sie eigentlich nicht aus Deutschland, sondern Großbritannien oder Amerika oder Schweden. Und wenn doch, dann nicht aus Köln, sondern aus Berlin oder… Nee, eigentlich nur aus Berlin. Mit Roosevelt ändert sich das jetzt. Dahinter verbirgt sich der 25-jährige Marius Lauber, der in Köln lebt und dort sein Debütalbum in mühevoller Detailarbeit selbst eingespielt hat. So verspielt, pulsierend und dabei unaufgeregt hat lange nichts Vergleichbares mehr geklungen, das aus Deutschland kam und zugleich bis zum Gehtnichtmehr gehypt wurde. Denn genau das passiert gerade mit dem schlicht Roosevelt betitelten Debüt, das für Clubnacht, Cabriofahrt und Tag am Meer gleichermaßen geeignet ist. Dabei spielt Lauber mit dem Funk der 70er, dem Pop der Moderne und kreiert zeitlose Stücke, die nahezu immer wirken – und besser noch: nachwirken. Herausgekommen sind 12 Songs mit einem sehr eigentümlichen Charme und einem enormen Suchtpotential.

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Und wo wir uns gerade so wohl fühlen im Pop-Genre: Joseph sind drei Schwestern, die aus Portland, Oregon, stammen und gemeinsam Musik machen. Ihr zweites Album, I’m Alone, No You’re Not, ist ideal um sich vom Sommer zu verabschieden. Immer mehrstimmig singen sich die drei Frauen durch Songs, die mal berührend einfach klingen und ein anderes Mal mit gehörig Druck geradezu geschrien werden. White Flag ist dafür ein gutes Beispiel. Aber auch SOS (Overboard) entwickelt sich in diese Richtung. Wie ein Tag auf dem Meer, der ruhig beginnt, aber dann von der rauen Wirklichkeit eingeholt wird. Dieser Folk-Pop bereitet von Anfang bis Ende große Freude. Zu hören, wie viel Spaß die Frauen beim Einspielen der Songs gehabt haben müssen – das ist großes Kino. Damit erinnert das Schwestern-Trio an Genregrößen wie Lissy, First Aid Kit und The Pierces. Und wer jetzt glaubt, dass irgendein Verflossener für den Bandnamen Pate stand, könnte falscher nicht liegen. Die drei Frauen kommen sehr gut allein klar. Das haben sie übrigens in ihrer Heimat gelernt, wo es eben auch einen kleinen Ort namens Joseph gibt. Und jetzt? Jetzt haben die Drei jeden nur denkbaren Erfolg verdient.

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Man kann natürlich trefflich darüber streiten, ob es in einer Zeit, in der Rockmusik ohnehin immer gleicher klingt, überhaupt noch neue Bands braucht, die mit Britpop-Größen wie Oasis oder den Libertines verglichen werden. Wenn man aber, wie im Falle der in diesem Jahr ziemlich gehypten Newcomer Blossoms, durch die Musik eindeutig vermittelt, dass man gern Musik macht, kann man das auch einfach mal in Ordnung finden. Von der heiligen BBC zu einer der Top-Bands dieses Jahres gekürt, legt die Band mit ihrem Debüt einen furiosen Karrierestart hin. Ohne Panne reiht sich darauf Hit an Hit – mit Verve, Charisma und Charakter. In ihrer Heimat Großbritannien wird die 5-köpfige Band für ihren Sound gefeiert. Die Presse liebt sie, die Festivalgänger sind ebenso begeistert. Trotzdem sollte jeder Vergleich mit The Smiths sofort im Keim erstickt werden. Das ist Majestätsbeleidigung und das ging in diesem Sommer schon mal gehörig daneben. Tatsächlich täte man gut daran, Blossoms Blossoms zu nennen, sich Vergleiche zu schenken und sich vielmehr über die gute Musik zu freuen, die die Band auf ihrem Debüt versammelt hat. Denn das ist es wahrlich: ein sehr gelungener Erstling, der gerade unheimlich viel Spaß macht. Ob genug Kreativität vorhanden ist, um eine ganze Karriere lang auf diesem Niveau abzuliefern, bleibt abzuwarten.

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Text: Ronny Janke
Fotos & Videos: EMI (Universal Music), Pias Coop /Ato (rough trade),  Greco-Roman / City Slang (Universal Music), Mahogany Sessions, VertigoTV

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