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Wiedervorlage: Reload

Ende der 90er Jahre war das Musikfernsehen bereits drauf und dran, sich in der Bedeutungslosigkeit zu verlieren. Es gab kaum noch relevante Sendungen. Die Stars der Szene hatten mehr oder weniger erfolgreich versucht, im echten Fernsehen Fuß zu fassen und Musikvideos, also wirklich gute, gab es ohnehin kaum noch. Trotzdem tauchte auch damals noch das eine oder andere Video auf, das einen knapp vier Minuten lang zu fesseln wusste.

Das Video zum Song Burning down the house, ein Coversong, der von Tom Jones und Nina Persson von den Cardigans neu interpretiert wurde, war eines davon. Die beiden Interpreten stehen darin in weißen und dunklen Klamotten in einem Raum, deren Wand- und Bodenbeleuchtung zum Beat des Songs ständig in den beiden gegensätzlichen Farben aufflackert. Orange ist aber auch dabei und Figuren in silbernen Ganzkörperkostümen tanzen dabei um die Wette. Willkommen, Epilepsie! Du bist so schön wie nie.

 

Das Album, von dem dieser Coversong stammte, war ein komplettes Coveralbum, mit dem sich Tom „The Tiger“ Jones nach einigen Jahren Abwesenheit zurückmeldete. Mit einer illustren Schar an damaligen Jungstars nahm er sich verschiedene Pop- und Rocksongs anderer Musiker vor. Damit katapultierte sich Jones nicht nur zurück ins Musikbusiness, sondern bewies neben einer immensen Stilsicherheit auch, dass noch immer jede Menge Energie in ihm steckte.

Neben den Stereophonics, The Divine Comedy, Robbie Williams, Portishead oder Natalie Imbruglia konnte Jones auch die Pretenders, Simply Red oder das James Taylor Quartet für das Projekt gewinnen. Jeder Song auf dem mehr als 60 Minuten langen Album sprüht nur so vor Energie und Spielfreude aller daran beteiligten Protagonisten. Reload ist eine wahre Wohltat und einer der wenigen ernstzunehmenden Belege für gute Coveralben.

Wer auch immer Jones die Songs zurechtgelegt hat, sollte ein extrem gutes Händchen bewiesen haben: Klassiker von den Talking Heads, Three Dog Night, Lenny Kravitz, The Kinks, The Jackson 5, INXS und vielen anderen sorgen für einen Pop-Kanon der Superlative. Und ganz nebenbei hat der eine T. (Überproduzent und DJ Mousse T.) dem anderen T. (natürlich Tom Jones ) mit Sexbomb dann sogar noch einen Song auf den Leib geschrieben, der auch dem Letzten klarmachte: Der Tiger brüllt wieder und das noch für eine sehr sehr lange Zeit.

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Text: Ronny Janke
Foto: V2 Records (rough trade)
Video: Vimeo, Youtube