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Almost Fourty – Langweiligstes Geschenk? Von wegen!

Es ist noch gar nicht so lange her, da empfand ich es als ganz furchtbar langweilig und uninspiriert, wenn ich zu Weihnachten Socken geschenkt bekam. Also ein paar Jahre ist das natürlich schon her, aber eben noch nichtmal zehn oder vielleicht auch zwölf. Die selbstgestrickten von der eigenen oder einer leihweise ins Leben gelassenen Oma zum Beispiel; irgendwie ganz nett, aber halt nichts worüber ich mich so richtig gefreut habe. Aber auch beliebige gekaufte Socken und Strümpfe, ganz egal ob aus Wolle, irgendwelchen Chemiefasern oder Baumwolle gefertigt, haben keine Begeisterungsstürme bei mir ausgelöst. Socken sind halt praktisch und man braucht sie halt. Aber naja, als Geschenk fand ich das eher langweilig, sehr langweilig.

Mittlerweile hat sich das sehr geändert und ich frage mich, ob das so ein typisches Erwachsenending ist. Denn schließlich haben sich ältere Menschen in meinem Leben immer irgendwie auch sehr über Socken gefreut, wenn sie denn welche geschenkt bekamen und das konnte ich nie so richtig verstehen. Vielleicht auch, weil ich die Großartigkeit von Socken erst für mich entdecken musste. In all ihrer Vielfalt sind die Kleidungsstücke wirklich eine ziemlich gute Erfindung, schließlich gibt es eine ganze Menge Variationen in diesem Thema und um das gleich mal vorweg zu nehmen, nicht alle sind auch wirklich super. Wie so oft in der Bekleidungsindustrie gibt es eine sehr große Menge wirklich schlimmer Produkte. Glücklicherweise entdecken aber immer mehr Leute das Potenzial dieses Themas und so kommen junge Marken wie Wildwerk, Von Jungfeld oder Merz b. Schwanen um die Ecke und bringen frischen Wind in das Thema.

Ich glaube nicht daran, dass ein Mann immer nur schwarze Socken tragen sollte. Und doch heisst das nicht, dass man immer gleich komplett ausflippen muss, wenn es um Stoff an den Füßen geht. Meine Sockenschublade ist eine herrlich vielfarbige Mischung – und ich schreibe hier ganz bewusst nicht bunt. Vor allem bei den Baumwollsocken, also den üblichen, dünn gestrickten Modellen, mit denen man in Sneakers oder Halbschuhen gut unterwegs ist, habe ich durchaus optisch laute Socken. Richtig kombiniert geben die nämlich ein tolles Accessoire ab und selbst wenn man sie beinahe nie sieht, weil doch fast immer die Hose drüber ist und die Füße im Schuh stecken, ist es dieses Detail, das ich mag.

Noch viel besser, wichtiger und spannender finde ich jedoch den rechten Teil meiner Sockenschublade. Hier liegt, sauber und paarweise aufgereiht, alles was im Herbst und im Winter für warme Füße sorgt. Verschiedenste Wollsocken, mal mit der Maschine und mal von weiter oben erwähnten Omas gestrickt, aber auch hochwertige, industriell gefertigte Wandersocken mit gepolsterten Teilen, die sich in diversen Boots im Alltag bewährt haben. Die Farben sind hier deutlich dezenter, zumindest überwiegend. Trotzdem geht dieser Teil auch ohne das immer gleiche Schwarz.

Lange waren die handgestrickten Socken in meinem Besitz nie so richtig gut, vornehmlich weil sie schlichtweg nicht richtig perfekt passten. Und wenn man rutschende Socken trägt, dann ist das nervig und unkomfortabel und ganz sicher auch ein Grund dafür, warum Socken ein so unbeliebtes Geschenk sind. Wenn man dann aber irgendwann mal in den Genuss kommt, ein gut passendes Paar über die Füße zu ziehen, dann möchte man nichts anderes mehr tragen. Wolle ist eben ein hervorragendes Naturprodukt, das seine Vorteile auch dort unten ausspielen kann. Aber es gibt noch einen anderen Punkt, denn ich an Wollsocken mag, man kann sie stopfen. Heute stopft niemand mehr ganz normale Baumwollsocken. Warum auch? Die Dinger gibt es für kleines Geld an jeder Ecke, zumindest wenn man sich keinen Kopf über die Herkunft und die Qualität macht. Aber bei Wollsocken ist das anders und so kann man viele, also wirklich sehr viele Jahre mit ein und dem selben Paar verbringen.

Wenn ich also zu meinem Geburtstag, an Weihnachten oder ganz selten auch mal einfach so zwischendurch ein flaches, weiches Päckchen in die Hand bekomme, dann freue ich mich mittlerweile sehr darüber. Ob das jetzt ein Indiz dafür ist, dass ich erwachsen geworden bin oder ich einfach nur erkannt habe, dass man halt nicht immer ferngesteuerte Autos, Videospiele oder ähnliches bekommen kann, sei mal dahingestellt. Viel interessanter finde ich jedoch aber, dass ich offenbar eine ganze Menge Wörter über Socken schreiben kann. Das einst so langweilige Geschenk ist nämlich in Wirklichkeit ziemlich großartig und wer das noch nicht erkannt hat, sollte dem Thema mal eine Chance geben und sich etwas intensiver damit beschäftigen. Zwischen schwarzer Baumwolle und Omas Wollresten ist nämlich eine Menge Platz für wirklich grandiose Produkte. Braucht noch irgendwer meine Schuhgröße?

Text: K. v. Heldth
Foto: Moritz Thau für Heldth