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Durchgehört: die 3 besten Alben des Monats (#014)

Gegen Ende des Jahres noch mal Vollgas geben – was der Musikbranche mit ihren Veröffentlichungen Jahr für Jahr bestens gelingt, sollte man nicht unbedingt im eigenen Leben versuchen. Schon allein deshalb nicht, weil man dann keine Zeit mehr hätte, um die überaus empfehlenswerten Neuveröffentlichungen der vergangenen Wochen zu genießen. Drei sollen an dieser Stelle vorgestellt werden.

„With my voice, I am calling you“ singt Nick Cave im ersten Song seines neuen Albums Skeleton Tree. Auch wenn der Song Jesus Alone heißt, ist davon auszugehen, dass es nicht Jesus ist, den er ruft. Im Sommer 2015 verlor Cave seinen 15-jährigen Sohn. Das Ergebnis dieses Schicksalsschlags ist Skeleton Tree – das vielleicht beste Album seiner langen Karriere. Man wird gefordert und weiß doch, ganz gleich, wie sehr man sich auch bemüht: an diesem Album kann man sich ein Leben lang abarbeiten. Nichts ist einfach, eindeutig und schon gar nicht endgültig. Am wenigsten die Trauer. Lange hat man nicht mehr so viel ehrliche Aufarbeitung eines der vielleicht bittersten Lebensabschnitte eines Menschen gehört.

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Seit gut zehn Jahren macht die kanadische Musikerin Haley Bonar jetzt schon Musik, für die sie regelmäßig Kritikerlob erntet. Auch Kollegen wie Andrew Bird oder Justin Vernon (Bon Iver) lieben ihre Musik und haben bereits mit ihr zusammengearbeitet. Auf ihrem neuen Album Impossible Dream kombiniert sie jetzt New Wave und Schrammelgitarren mit einer guten Portion Hall auf der Stimme und singt dabei über Eifersucht, Eltern, Heimat und Sex. Lasziv, stark, selbstbewusst und betörend widmet sich Bonar den wirklich wichtigen Themen des Lebens, ohne dabie dusslige Phrase zu dreschen. Impossible Dream macht Spaß. Aber nicht auf eine knallbunte Art, sondern weil es rotzig ist. Und weil man den Songs anhört, dass es Bonar leicht fällt, Musik der Musik wegen und nicht für den einen Monate andauernden Charthit zu machen.

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Die Platte hat einen Sprung. Bis plötzlich Justin Vernon mit kratziger Falsettstimme drüber singt und von irgendwoher noch eine Gospelsängerin zu einem tönt und sich immer mehr Klangklötze auftürmen, mehr und mehr, zu einem riesigen Klangberg, auf den einen Vernon mit seinem Projekt Bon Iver führt. Auf seinem neuen Album 22, A Million zeigt sich der einstige Folk-Pop-Musiker ziemlich experimentierfreudig, lotet seine eigenen musikalischen Genregrenzen neu aus und dürfte damit so Manchem schon jetzt einen goldenen Herbst ins Gemüt zaubern. Nur manchmal, selten, aber es kommt vor, klingt Vernon wie Chris Martin. So will man Bon Iver dann doch nicht hören, also als eine Coldplay-Variante. Nach knapp 40 Minuten muss man aber zugeben, dass 22, A Million ein später Kandidat für das schönste Album des Jahres geworden ist. Und für alle, die den alten Bon Iver lieber mögen, bleibt ja immer noch Volcano Choir.

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Text: Ronny Janke
Fotos & Videos: Bad Seed Ltd (rough trade), Memphis Industries (Indigo), Jagjaguwar

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