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Almost Fourty – Berufswunsch: Tim Wiese

In der vergangenen Woche hatte Tim „The Machine“ Wiese seinen ersten Kampf in seiner Zweitkarriere als Wrestler der WWE. Die Aufmerksamkeit, die ihm dabei zuteil wurde, basierte allerdings in den seltensten Fällen auf Begeisterung für das amerikanische Unterhaltungsspektakel. Vielmehr schwang aller Orten Schadenfreude mit, dass der ehemalige Fußballprofi jetzt mit dicken Armen und engem Höschen im Ring steht und sich blamieren könnte. Tatsächlich sollten wir alle aber ein bisschen mehr Tim Wiese sein.

In seiner Karriere als Fußballprofi konnte er zwar nie die Meisterschale in der Hand halten, aber langweilig und erfolglos war sein Leben auf keinen Fall. Sein Geld mit Fußballspielen zu verdienen ist für viele der ultimative Traum, der eben auch nur ein paar wenigen vorbehalten ist. Und am Ende ihrer Karriere als Kicker verschwinden die meisten Spieler in der Versenkung eines normalen Lebens. Tim Wiese hatte darauf offenbar keinen Bock und längst einen Plan B im Gepäck.

Nicht lange nach seinem Ende als Fußballer bot ihm die WWE, der weltweit größte Veranstalter von Wrestling-Showkämpfen, einen Vertrag an und Tim Wiese schlug ein. Vom Kicker zum Kämpfer, vom ersten Traumjob zum zweiten. Denn Wrestler wird man schließlich nicht, weil einem nichts besseres mehr einfällt, dazu gehört zweifelsohne der entsprechende Wunsch.

Ob Tim Wiese jetzt ein kluger Mann ist und ob sein Lebenswandel gesundheitlich vertretbar ist, sei an dieser Stelle außen vor gelassen. Aber er hat ein klares Bild von dem was er machen möchte, er setzt sich ein Ziel, das er verfolgt und der Erfolg gibt ihm ganz offenbar Recht.

Und das ist der Punkt, an dem wir alle ein bisschen mehr Tim Wiese sein sollten. Natürlich kann man nicht einfach von heute auf morgen alles anders machen als bisher, denn soziale und finanzielle Verpflichtungen lassen sich nicht mal eben abstellen. Aber deshalb ganz und gar ohne Vision durchs Leben zu gehen, ohne einen Traum auf den man hinarbeitet, das ist ganz sicher nicht der richtige Weg. Es ist schließlich vor allem die Wahl des passenden Jobs, mit der man glücklich wird oder eben nicht. Denn wir verbringen den Großteil unserer Lebenszeit im arbeitsfähigen Alter. Dann und wann etwas Neues zu wagen, mit der Gewohnheit zu brechen, ist immer eine gute Entscheidung.

Ich habe das übrigens auch schon mal den Tim Wiese gemacht und wer weiß, vielleicht mache ich das ja irgendwann noch einmal, ein paar Jahre im Berufsleben stehen mir ja noch bevor.

Text: K. v. Heldth
Foto: Moritz Thau für Heldth