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Wiedervorlage: The Joshua Tree

Auch wenn Bono, der Frontmann der irischen Rockband U2 mittlerweile mehr Herzblut in die Rettung unseres Planeten steckt als in die Songs neuer Alben, muss an dieser Stelle deutlich gemacht werden: Das war nicht immer so. Im kommenden Jahr wird jenes U2-Album, das bis heute als das ausnahmslos beste gilt, 30 Jahre alt. Ein Grund, sich wieder einmal unter den Joshua Tree zu legen.

Das von Brian Eno und Daniel Lanois produzierte Musik-Monument bescherte der damals noch sehr jungen Band einen schnellen Platz 1 in den britischen, amerikanischen und deutschen Albumcharts. Zusätzlich erklommen auch die daraus veröffentlichen Singles With or without you, Still haven’t found what I’m looking for oder Where the streets have no name weltweit vordere Plätze der Singlecharts – in Irland und Amerika sogar mehrfach die Pole-Position. Zusätzlich wurde das Album mit mehreren Gold- und Platinauszeichnungen geehrt. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sich das Album bis heute mehr als 20 Millionen Mal verkauft hat. Unter den vielen Preisen, mit denen das Album gewürdigt wurde, sind u.a. der Grammy Award und der damals noch bedeutsame MTV Music Award zu finden.

Der roteste aller roten Fäden, wenn man das so sagen kann, der sich durch U2s The Joshua Tree zieht, ist der einer tiefen Spiritualität. Ganz gleich, ob der Song von Liebe (With or without you), Verlust (Running to stand still) oder Politik (Bullet the blue sky oder Mothers of the disappeared) handelt – textlich und instrumental wird hier hoch gepokert. Der Glaube an eine höhere Instanz, die Hoffnung auf eine Besserung des unglücklichen Zustandes und die Kraftschöpfung für alle Aufgaben, die einen noch erwarten, werden mit spirituellen Phrasen geschürt. Unterstützt wird diese Haltung von der großartigen Instrumentalisierung, die der Band und einem kleinen Orchester hier gelungen sind. Alles klingt erhaben, mächtig, zuweilen episch – ohne jedoch an eine Predigt zu erinnern.

Überragen sind auch Bonos Gesangsleistungen auf The Joshua Tree. Nur allzu oft treibt er seine Stimme in ungeahnte Höhen. Das jedoch nicht ohne Mühe. Der Song Red Hill Mining Town markierte letztlich auch die Grenze des Machbaren für den U2-Frontmann: Schon bei den Aufnahmen soll er Probleme gehabt haben, die hohen Tonlagen zu singen, was auch dazu führte, dass der Song auf der Tour zum Album nie gespielt wurde. Das Album The Joshua Tree ist die Messlatte der eigenen Brillanz, die die Band bis heute nach Meinung vieler Kritiker nicht mehr überschritten hat. Das mag viele echte Fans der ersten Stunde ärgern. Alles vergeudete Energie, würde Bono vielleicht sagen. Stattdessen kann man das Album auch einfach mal wieder hören. Schließlich passt es in diese Zeit wie kein vielleicht anderes.

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Text: Ronny Janke
Foto: Island Records
Video: Universal-Island Records Ltd.