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Wiedervorlage: Listen Without Prejudice

Es ist ja längst kein Geheimnis mehr: Das Musikjahr 2016 hat es nicht gut mit uns gemeint. Einige Male hat man ungläubig auf den Bildschirm gestarrt und konnte die Eilmeldung über den Tod einer weiteren Ikone nicht so recht glauben. Viele unserer Lieblinge wurden uns genommen – zuletzt leider auch George Michael, einen der letzten stimmgewaltigen Popstars der 80er und 90er Jahre.

Nachdem dieser 1987 nach dem Ende von Wham! sein Solo-Debüt Faith veröffentlicht hatte, galt es 1990 mit seinem zweiten Album an den Erstlingserfolg anzuknüpfen. Das misslang deutlich – zumindest, wenn man nach den bloßen Verkaufszahlen urteilt. Während sich Faith sich bis heute über 25 Millionen mal verkaufte, knackte Michael mit Listen Without Prejudice Vol. 1 nicht einmal die 10-Millionen-Marke. Selbst Older, das dritte Album des Briten, ging mittlerweile etwa 15 Millionen mal über den Ladentisch. Und dennoch ist Listen Without Prejudice Vol. 1 eines jener seltenen Meisterwerke, das öfter gehört werden sollte.

Die Songs Praying For Time, Waiting For That Day und nicht zuletzt Freedom zählen heute nicht umsonst zu den besten Popsongs. Dabei hat das Album noch mehr gutes Material zu bieten: Ob They Won’t Go When I Go (ein Cover eines Stevie-Wonder-Songs), Something To Save, Mothers Pride oder Heal The Pain – Michael beweist hier eindringlich sein Gespür für clevere Popkompositionen bzw. Neuinterpretationen sträflich missachteter Hits wie dem Wonder-Stück.

Obwohl Listen Without Prejudice mit dem Zusatz „Vol. 1“ versehen ist, ist Vol. 2 nie erschienen. Geplant war, dem Songwriter-Album ein reines Dance-Album folgen zu lassen. Doch Michael hatte sich mit seinem damaligen Label verworfen, weil er sich in Sachen Marketing im Stich gelassen fühlte. Ein langer Streit vor Gericht sollte folgen. Wenn man das Album hört, muss man zu dem Schluss kommen, dass dessen vergleichsweise geringer Erfolg nicht an der Qualität der Songs liegen kann. Bei den BRIT Awards wurde es zudem mit dem Preis für das beste Album ausgezeichnet. Im März 2017 wird das Album vollkommen verdient zum 25-jährigen Jubiläum digital und inhaltlich überarbeitet erneut veröffentlicht – mit allerlei Bonusmaterial, u.a. ausgewählten Live-Aufnahmen eines MTV-Unplugged-Konzerts. Bis dahin kann man sich ja die Urversion von Listen Without Prejudice zu Gemüte führen.

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Text: Ronny Janke
Foto und Videos: Epic (Sony Music)