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Almost Forty – Level up!

Ist man eigentlich erwachsen, wenn man 40 Jahre alt ist? Ich glaube das Erwachsensein hat nichts mit dem biologischen Alter zu tun. Ich kenne Menschen, die haben mit Mitte 50 noch fantastische Flausen im Kopf und ich kenne Menschen, die sind mit Ende 20 erwachsener als es meine Opas jemals waren. Und doch sind es diese Zahlen, an denen wir uns viel zu oft aufhängen.

Ich habe mich sehr lange darauf gefreut endlich vierzig zu werden. Nicht, damit ich endlich unfassbar erwachsen bin, sondern weil ich das Gefühl habe eine neue Dekade zu beginnen, die mit grandiosen Möglichkeiten gefüllt sein wird. Aber auch weil ich eine fantastische Dekade hinter mir lasse, die sehr viel Einfluss auf meine Persönlichkeitsentwicklung hatte. Es gibt noch mehr Gründe für meine Freude auf die große 4 in der Altersangabe, manche davon mögen albern klingen, aber es geht ja auch nicht immer darum, dass man schlüssige Erklärungen für andere verfasst, solange es sich für einen selbst gut anfühlt. Ich denke beispielsweise, dass man viel mehr Mann sein kann, wenn man die Dreißiger hinter sich gelassen hat. Ein Stück weit fühlt es sich erwachsener an, wobei das wohl das verkehrte Wort ist. Reifer trifft es aber auch nicht so ganz. Ich bin ja nicht über Nacht zu einem anderen Menschen geworden. Vielmehr ist es so ein unterschwelliges Gefühl.

Vielleicht ist es am ehesten mit einem Videospiel zu erklären – ich habe das nächste Level geschafft und muss mich nun durch eine Reihe weiterer Aufgaben und Situationen kämpfen, kann dabei aber auf die Erfahrungen und das Können aus vier Jahrzehnten, aus vier vorangegangenen Leveln zurückgreifen. Ich werde neue Fähigkeiten erlernen, neue Erkenntnisse machen und mich neuen Herausforderungen stellen. Mit etwas Glück bekomme ich neue Ausrüstungsgegenstände. „Du hast jetzt graue Haare. Sex Appeal und Weisheit steigen.“ Ich bekomme neue Handicaps, die eventuelle Aufgaben erschweren. „Du hast jetzt einen langsameren Stoffwechsel. Parties schwächen Dich zusätzlich.“ Ja, so in der Art lässt sich das wohl betrachten.

Nun bin ich also vierzig Jahre alt. Der erste Schwung grauer Haare war schon vorher da. Dem körperlichen Verfall versuche ich auch weiterhin mit regelmäßigem Training und vernünftiger Ernährung entgegen zu wirken – wissend, dass ich trotzdem nicht gewinnen werde. In meiner Wohnung stehen noch immer Spielzeugautos rum und das Midlife Crisis Motorrad stand schon deutlich vor der Vierzig in der Garage. Ich würde mir ja ein Paar Sneakers kaufen, so als Rebellion gegen das Gesellschaftsbild von Vierzigjährigen. Aber ich lebe nun einmal in Berlin und hier trägt sowieso jeder Sneakers, egal in welchem Alter und zu welcher Tages- oder Jahreszeit. Das mit den Klischees ist also entgegen aller Annahmen kein Automatismus, der eingeleitet wird und über Nacht das ganze Leben umkrempelt. Oder ich wurde schlichtweg vergessen und das Zentralkomitee für Erwachsene hat mein Älterwerden verschlafen, kann ja auch sein.

Ich habe mit wundervollen Menschen in meinen vierzigsten Geburtstag reingefeiert. Manche begleiten mich seit vielen Jahren und andere erst seit einer kurzen Zeit. Aber jeder einzelne dieser Menschen war mein Lieblingsgast. Einige wichtige Menschen waren schlichtweg verhindert, weil das Wetter rebellierte, weil tausende von Kilometern zwischen uns lagen oder weil persönliche Gründe es einfach unmöglich machten. Vergessen wurde ich aber von keinem und ich bin überaus dankbar für diese wunderbare Erfahrung so großartige Menschen in meinem Leben zu haben. Das ich während der Party ganz kurz mal eine Träne im Auge hatte, blieb glücklicherweise unbemerkt und das muss ja auch niemand wissen. Es ist tatsächlich sehr schön, dass man an diesen runden Geburtstagen noch enger zusammenrückt und allein das sollte ein Grund sein, die Angst vor den Nullen abzulegen und sich auf alles zu freuen, was da kommen mag.

Vierzig Jahre alt zu werden tut gar nicht weh. Aber das wusste ich ja schon vorher.

Text: K. v. Heldth
Foto: Familienalbum