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Wiedervorlage: Maybe You’ve Been Brainwashed Too

Ganz gleich wie radikal man manchmal zu sein versucht, das Schicksal ist radikaler. Manche Dinge sollen einfach nicht sein, selbst wenn es Menschen gibt, die sie sich noch so sehr wünschen. Und andere passieren einfach so, entziehen sich jeglicher Kontrolle. Die amerikanische Band New Radicals können ein Lied davon singen – und haben es glücklicherweise auch getan. Auf dem einzigen Album, das sie jemals veröffentlicht haben.

Gibt es eine wertvollere Lektion als die, dass man immer das bekommt, was man gibt? Vermutlich nicht. 1999 jedenfalls war das Jahr, in dem diese Lektion sogar in Form eines Songs die Charts stürmte, ein voller Erfolg wurde und den Grundstein für eine der steilsten Bandkarrieren überhaupt legte – die dann doch nie gemacht wurde. Der Grund: Nach zwei veröffentlichten Singles ging die Band New Radicals wieder getrennte Wege.

Maybe You’ve Been Brainwashed Too heißt das Album, von dem die Erfolgssingle You Get What You Give stammt. Auch wenn die zweite Single des Album, Someday We’ll Know, nicht an den Erfolg der ersten anknüpfen konnte, war der Drops längst gelutscht. Single Nr. 1 lief wochenlang rauf und runter – auf jeder Radiostation, im Musikfernsehen und in jedem CD-Player.

Schuld daran war der Mastermind dahinter: der aus Michigan stammende Gregg Alexander, der damals Frontmann der Band war und bis heute sein Geld als Produzent und Songwriter verdient. Irgendwie musste Alexander das gespürt haben. Dass er Hits schreiben kann, einen nach dem anderen. Denn dieses eine Album ist der beste Beleg dafür. Allein der Opener Mother We Just Can’t Get Enough spricht Bände.

Hits hat Alexander bis heute weiter geschrieben, souverän und sicher – ohne das große Rampenlicht, dem er vermutlich ausgesetzt wäre, wenn es die New Radicals noch gäbe. So stammen etwa Life Is A Rollercoaster (von Ronan Keating), The Game Of Love (von Santana feat. Michelle Branch), Murder On The Dancefloor (von Sophie Ellis-Bextor), Inner Smile (von Texas) oder I Can’t Deny It (von Rod Stewart) von dem Amerikaner.

1998 hat Alexander mit seiner Band auf einer Länge von knapp 55 Minuten Songs veröffentlicht, die mehr mit den 70ern gemein haben, als mit dem typischen Pop-Rock-Einerlei kurz vor dem Jahrtausendwechsel. In jedem der 12 Songs auf Maybe You’ve Been Brainwashed Too, die meist angetrieben sind vom Piano und vom Falsettgesang Alexanders, steckt das Klassiker-Gen. Keiner der Songs hat je von einem Verfallsdatum gehört. Und wenn, dann ist es ihnen egal.

Vermutlich wäre Alexander mit seiner Band heute ein Megastar, eine sichere Bank, ein Musiker mit Chartabonnement. Und irgendwie ist er das auch geworden, wenn auch nicht ganz vorn in der ersten Reihe. Dort werden stattdessen für ewig die New Radicals stehen und vom Erwachsenwerden, dem Untergang des Musikfernsehens, Drogenkonsum und der ersten Liebe singen.

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Text: Ronny Janke
Videos: Geffen Records
Foto: UMG Recordings