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Auf in die Schlammschlacht

Man sollte immer zwei oder drei Schritte Anlauf nehmen, ehe man mit beiden Füßen gleichzeitig in eine große Pfütze springen möchte. Schließlich soll das Wasser möglichst hoch und weit in alle Richtungen gleichzeitig spritzen, beinahe so, als hätte es eine Explosion gegeben, die die Wasseroberfläche buchstäblich zerfetzt. Während danach das schmutzige Wasser die eigene Kleidung und das Gesicht herabrinnt, blitzen strahlend weiße Zähne aus einem zufriedenen Grinsen hervor. Was in der Kindheit schon für jede Menge Glücksmomente sorgte und den Wäsche waschenden Müttern stets Unverständnis ins Gesicht schrieb, ist auch heute noch ein Garant für ein von Dopamin durchflutetes Gehirn. Obwohl sich heute natürlich noch ganz andere Möglichkeiten ergeben, wenn es darum geht Schlamm und Dreck meterhoch und -weit spritzen zu lassen.

Auf den ersten Blick sieht man ihm sein Potenzial gar nicht an. Der nur 3,80 Meter kurze Geländewagen wirkt so, als hätte ihn ein Kind gemalt – klare, gerade Linien, kein unnötiger Firlefanz, fast schon ein bisschen putzig. Aber eigentlich gibt es keinen Grund, dieses kleine Biest als putzig zu bezeichnen. Denn der Suzuki Jimny fährt im Gelände so manchem SUV um die Ohren – breit grinsend und mit jeder Menge Schlamm spritzend.

Die irische Natur liegt vor uns, vom Regen der vergangenen Tage triefend nass und entsprechend aufgeweicht. Der Wind peitscht die letzten Wolken über den Himmel und versetzt die Wipfel des Waldes gut hörbar in Wallung. Der Schnurren des 1,4 Liter Motörchens kommt von der Lautstärke her kaum dagegen an. Knirschend rutschen Kieselsteine übereinander, als die Serienbereifung langsam über sie hinweg rollt. Die Phase des breiten Grinsens hinter dem Lenkrad wird eingeleitet, dabei ist außer einem feuchten Waldweg noch gar nicht viel passiert. Aber es wird eine wahre Schlammschlacht geben.

Nach einer leichten Steigung knickt der Weg scharf nach rechts ab und genau in diesem Moment verliert er eigentlich auch die Berechtigung als Weg bezeichnet zu werden. Das Gelände sieht aus, als würde es Falten werfen. Zwischen den beiden ausgefahrenen, mit Schlamm gefüllten Fahrspuren ist ein Potpourri aus kleinen und mittelgroßen Steinen, Grassoden und matschigen Erdklumpen arrangiert. Im Grunde also so etwas wie ein sechsspuriger, perfekt asphaltierter Boulevard, zumindest in der Welt eines Suzuki Jimny Fahrers. Dieses Terrain ist keine wirkliche Herausforderung, aber es ist definitiv ein ziemlich großer Spaß.

Nachdem der Teil mit dem aufgeweichten Boden bezwungen ist, erhebt sich eine beachtliche Steigung mitten auf dem Pfad. Loses Geröll bildet im Zusammenspiel mit massivem Stein das Äquivalent zur Fahrbahn. Ohne Furcht bleibt der rechte Fuß auf dem Gaspedal. Immer so schnell wie möglich und so langsam wie nötig. Off-Road Fahrerei ist eine ganz andere Welt als Rennstrecken und man lernt schnell, dass es sehr wichtig ist das Gelände zu lesen, um so den möglichst besten Weg zu finden. Der Jimny arbeitet sich tapfer, beinahe schon störrisch den Hang hinauf. Die Belohnung ist eine grandiose Aussicht auf die irre schöne Natur der irischen Insel.

Es ist faszinierend zu sehen, dass es im Gelände nicht auf brachiale Leistungswerte ankommt, sondern auf überzeugende Technik und das Gefühl der Person hinter dem Lenkrad. Der Jimny ist ein legitimier Nachfolger der längst zu Off-Road Legenden erhobenen LJ und Samurai. Ein Wagen, den man auf der Straße sieht und dessen Potenzial oft unterschätzt wird. Ein echter Underdog, dessen Stunde schlägt, sobald der Asphalt zu Ende ist.

Wenn man so einen Suzuki Jimny vor der eigenen Tür stehen hat, spielen Straßen vermutlich keine große Rolle mehr im Leben. Bevorzugt nimmt man dann einfach die Luftlinie ans gewählte Ziel, ist ja schließlich auch kürzer. Der kleine Kasten wird sich schon zuverlässig durchs Gelände fressen und sucht sich so seine ganz eigenen Wege.

Um es mal mit den Worten von Loriot zu sagen – ein Leben ohne echte Off-Road Erfahrung ist möglich, aber sinnlos. Zum Glück gibt es beinahe überall Möglichkeiten, sich einmal mit dem passenden Wagen durch knietiefen Schlamm zu kämpfen, steile Hänge auf dem Weg nach oben und unten zu bezwingen oder unebene Pisten mit voller Konzentration wie perfekt asphaltierte Boulevards wirken zu lassen. Eine Möglichkeit, die man auf jeden Fall einmal nutzen sollte, um dann erstaunt festzustellen, was ein echter Geländewagen alles kann. Dass man danach darüber nachdenkt, den Familienkombi oder das geliebte Cabriolet abzugeben, um zukünftig immer der Nase nach über Stock und Stein fahren zu können, ist eine Nebenwirkung, die man sehr gerne in Kauf nimmt.

Und sollte sich in nächster Zeit keine Möglichkeit ergeben, um sich mit einem Allradfahrzeug durch Schlamm, Sand, Wasserlöcher und andere natürliche Herausforderungen zu graben, dann gibt es ja zum Glück immer noch die Sache mit der Pfütze. Schmutz macht nämlich glücklich; und auf keinen Fall den Anlauf vergessen.

Foto: Moritz Thau für Heldth


Mit freundlicher Unterstützung von Suzuki Deutschland.

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