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Eine Idee von Hoffnung

Es ist ja nicht so, als hätte Nick Cave jemals fröhliche Songs geschrieben. Nein, durch das Werk des australischen Musikers ziehen sich Dunkelheit, Melancholie und immer auch eine Idee von Hoffnung. Auch auf seinem Ende 2016 erschienen Album Skeleton Tree ist das nicht anders. Und doch stellt dieses Album eine bittere Besonderheit im Laufe Caves Karriere dar. Die Aufnahmen für Skeleton Tree starteten einige Monate nach dem tödlichen Unfall seines Sohnes. Die Dokumentation One More Time With Feeling, die jetzt auf DVD und Blu-ray erscheint, zeigt nun die Entstehung des Albums.

Wie es sich für Cave gehört, sind die Aufnahmen in schwarz/weiß. Immer wieder gibt es Interview-Szenen, in denen der Musiker z.B. über den Tod allgemein, aber auch im Speziellen spricht. Etwa darüber, dass sein verstorbener Sohn in seinem Herzen ist, aber nicht darin weiterlebt. So trocken sich das auch anhören mag: Man merkt schnell, dass sich Cave – bei aller Poetik – auch einen gewissen Pragmatismus hat aneignen müssen, ohne den er nicht so einfach hätte weitermachen können. Deutlich wird das vor allem, wenn Szenen von den Aufnahmen der neuen Songs gezeigt werden, und Cave einen der Songs singt, die ihn noch am meisten an seinen Sohn erinnern. Dann gerät seine Stimme ins Wanken und wird leiser.

Solche Szenen werden von Aufnahmen aus seinem Haus oder Autofahrt-Bildern unterbrochen. Mal sieht man die weißen Räume des Caveschen Zuhauses, mal wie sich draußen auf dem Weg von hier nach da Haus an Haus reiht. Über solche Szenen spricht Cave einzelne Textzeilen, ganze Verse oder Gedanken, die kein Ende kennen. Regisseur Andrew Dominik (u.a. Killing Them Softlymit Brad Pitt) hat den Musiker begleitet und ein Universum an kostbaren Momenten und Aussagen eingefangen.

Der Film beginnt mit einem Interview von Caves langjährigem Weggefährten: Warren Ellis. Dieser ist für die eigentümlichen Soundlandschaften in der Musik des Australiers verantwortlich. Hier erzählt er nun gerade über den Tod, als Dominik noch dabei ist, die Kamera einzustellen. Als er damit fertig ist, bittet er Ellis alles eben Gesagte noch einmal in etwa so zu wiederholen, denn das Material von eben sei schließlich nicht zu verwenden. Eine absurde Szene – und natürlich kann er es nicht wiederholen. Es geht schlichtweg nicht.

One More Time With Feeling ist eine der ergreifendsten, klügsten und bittersten Musiker-Dokumentationen überhaupt. Ein Film, den man immer wieder schauen könnte, aber vermutlich nur wenige Male schauen wird. Aber wenn, dann wird er jedes Mal aufs Neue einige Zeit in einem nachwirken.

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Text: Ronny Janke
Video: Rough Trade Distribution GmbH
Bild: Rough Trade Distribution GmbH