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Zu Besuch bei Duffy Jewellery

London gibt sich kühl, grau und regnerisch an diesem frühen Herbsttag. Der zweistöckige Klinkerbau im Osten Londons versprüht einen ganz eigenen Charme und jedes der großen Sprossenfenster verbirgt eine ganz eigene Geschichte. Die von Duffy, seiner Arbeit und der Leidenschaft, die ihn antreibt, steckt hinter der kleinen Tür mit dem leicht ramponierten Schild, das die Nummer 7 trägt.

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Das Studio von Duffy Jewellery ist ein kleiner, mit wunderbaren Dingen gefüllter Raum, den man sofort bis in den letzten Winkel erkunden will. Überall finden sich Spuren außerordentlicher Kreativität. Die Wände sind mit Bildern, Schildern, präparierten Tieren und Skizzen geschmückt, die Regale und Arbeitsfläche sind voll von Werkzeugen, Arbeitsmaterial und verschiedenen Kleinigkeiten, die den Betrachter mal schmunzeln und mal staunen lassen. Diese Werkstatt ist kein steriler Raum, der nur zum ausüben eines Berufs genutzt wird – hier steht man mitten in der fantastischen Welt eine Mannes, der für seine Arbeit brennt.

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Duffy ist dreizehn Jahre alt, als sein Vater ihm vorschlägt Goldschmied zu lernen, denn er bastelt in seiner Freizeit gern Ketten, Armbänder und Ringe. Der Junge ist entsetzt, das sei doch schließlich „Mädchenkram“, der Gedanke daran ließ ihn jedoch nicht los. Und so absolvierte Duffy ein Studium, das ihm die groben Grundzüge der verschiedenen Arbeitsbereiche näher brachte. Darauf basierend entwickelte er seine Fähigkeiten selbst weiter. Die tägliche Arbeit, das Studium historischer Schriften und Schmuckstücke, aber auch das umfangreiche Wissen alter Handwerker sind bis heute seine Quelle neuen Wissens und Könnens. Längst hat er den Irrglauben abgelegt, dass das alles „Mädchenkram“ sei und seine ganz eigene Handschrift bei der Arbeit entwickelt.

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Sein Antrieb ist jedoch seit jeher der Gleiche. Duffy möchte Dinge schaffen, die von Dauer sind und zu denen der Besitzer eine Beziehung aufbauen kann. Industriell gefertigte Produkte sind nicht nur sehr oft von minderwertiger Qualität, ihnen fehlt auch die Seele. Es geht darum Werte zu hinterlassen – Gegenstände, die man auch an die nächsten Generationen weitergeben will, einzigartige Stücke, die nicht nur ihre eigene Geschichte erzählen, sondern auch die ihres Trägers. Es bedarf viel Geduld und eine ungeheure Vorstellungskraft, um eine vage Idee zum greifbaren Schmuckstück werden zu lassen. Das sind Dinge, die man nicht so einfach lernen kann. Die handwerklichen Tätigkeiten können jedoch immer weiter perfektioniert werden.

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Die Wachsschnitzerei ist seine absolute Spezialität. Aus großen Wachsblöcken entstehen die Vorlagen für jedes einzelne Schmuckstück. Je detaillierter das Wachsmodell gefertigt wird, umso beeindruckender wird das finale Ergebnis. Die Sorgfalt seiner Wachsschnitzereien haben Duffy in der Szene bereits berühmt gemacht und so setzt er auch für andere Schmuckdesigner die passenden Modelle um, aus denen dann die finale Form hergestellt wird. Es ist faszinierend zu sehen, wie aus einem farbigen Block Wachs Ringe entstehen, die durch ihre filigranen Details bestechen. Die Liebe zum Detail und die spürbare Konzentration bei der Arbeit lassen den Betrachter staunend im Raum stehen.

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Die aus der Form kommenden Schmuckstücke sind jedoch längst nicht fertig. Schleifen, gravieren, polieren – das Material wird so lange bearbeitet, bis das Ergebnis dem Bild entspricht, welches Duffy in seinem Kopf trägt. Hier wird altes Handwerk gepflegt und zu neuem Glanz getragen, so fließt die Seele in jedes einzelne Stück.

Obwohl bereits große Marken wie Nike oder Stars wie Scarlett Johansson ihre Liebe zu Duffys Arbeit entdeckt haben, kommt der Brite ohne Starallüren aus. Ihm geht es um das Handwerk, um die Leidenschaft außergewöhnliche Dinge zu schaffen und jedem Kunden das perfekteste Stück Arbeit abzuliefern. Duffy brennt für seine Arbeit, das spürt man bei jedem Wort, das man mit ihm wechselt und bei jeder seiner Arbeiten, die man in den Händen hält.

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Die traditionellen Hintergründe von Schmuck interessieren den großen Mann mit dem langen Bart ganz besonders. Seit jeher wird Schmuck von allen Völkern dieser Welt getragen. Die Gründe sind vielfältig. Es geht darum Stärke und Kraft auszudrücken, Feinde einzuschüchtern, das andere Geschlecht zu beeindrucken oder um die eigene Stellung in der Gesellschaft darzustellen. Im Grunde hat sich bis heute nichts viel daran geändert und so ist Schmuck noch immer ein wichtiger Teil unseres Lebens. Dabei spielt es keine Rolle, dass sich die Art und Weise des Tragens und die Umsetzung verschiedener Riten längst verändert hat.

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Gerade bei Männern ist Schmuck oft kein einfaches Thema, denn schnell kann man hier Klischees erliegen oder durch die falschen Stücke übertrieben und geschmacklos wirken. Letztendlich ist es aber gar nicht so schwer den richtigen Ton zu treffen. Deshalb spricht Duffy mit seinen Kunden, versucht sie zu verstehen, kennenzulernen und einzuschätzen. Am Ende entsteht ein einzigartiges Stück, dass perfekt zum Träger (oder der Trägerin) passt und so auch die historischen Kriterien von Schmuck aufgreift. Zu beschützen, zu schmücken und zu repräsentieren.

Es lohnt sich in jedem Fall, die Arbeiten von Duffy genauer zu betrachten und sich darauf einzulassen. Hier gehen Leidenschaft und Können Hand in Hand, das Ergebnis sind wundervolle Unikate, die einen das ganze Leben begleiten und auch von den nächsten Generationen mit Stolz getragen werden.

Alle Fotos unseres Besuchs bei Duffy Jewellery gibt es auf unserer Facebook Seite zu sehen.

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Fotos: Teymur Madjderey für Heldth