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Gentlemen, start your engines!

Die Tür des Fahrstuhls öffnet sich im 8. Stockwerk des Parkhauses und wir gehen mit einem faszinierten Grinsen auf den einzigen Wagen auf dieser Ebene zu. Der 1972er Ford Capri RS2600 strahlt uns mit seinem warmen ockergelben Lackkleid an und verspricht uns, dass wir unser Grinsen heute den ganzen Tag nicht mehr los werden. Mit einem kurzen Dreh am Zündschlüssel wird der V6-Motor zum Leben erweckt und ein kräftiges Dröhnen lässt uns vor Freude und die Kölner Innenstadt vor Ehrfurcht erzittern. Wir sind auf dem Weg zum Stadion, dem Startpunkt der 1. Gentlemen Rallye. Die Straßen sind noch feucht vom kräftigen Regen der letzten Nacht, doch der Himmel reisst langsam auf und verspricht einen großartigen Tag in einem großartigen Wagen.

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Der Parkplatz am Stadion ist bereits gut gefüllt. Diverse Ford Mustang, Minis und BMW präsentieren sich frisch poliert und in Kriegsbemalung, bereit für einen Tag der mit Benzin befeuert wird. Wir parken den Capri neben einem Ferrari 458 Italia und steigen aus. Auf dem Weg zur Rennanmeldung lassen wir den Blick über das Teilnehmerfeld schweifen und stellen fest, dass viele rheinländische Gentlemen wohl alle ihre Anzüge und Hemden in der Reinigung haben. Zusammen mit dem Roadbook bekommen wir unter anderem zwei rohe Eier und Prosecco gereicht, mit Fragezeichen über unseren Köpfen gehen wir zur Rennbesprechung.

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Gentlemen, start your engines! Es geht los und nur wenige Teilnehmer lassen Hektik beim Start aufkommen. Die butterweichen Fahrerhandschuhe liegen perfekt auf dem sportlichen Lenkrad des Ford und erneut erwecken wir den Motor zum Leben. Es ist ein wahrer Genuss dieses kompakte Muskelpaket zu bewegen. Die Welt braucht dringend mehr solcher faszinierenden Wagen. Wir müssen sowieso alle zum gleichen Checkpoint und so hängen wir uns einfach an die vorausfahrenden Locals. Es ist nicht sehr weit bis in das Industriegebiet, in dem wir ein Slalom Parkour vorwärts und rückwärts hinter uns bringen. Fehlerfrei. Während andere noch mit morgendlicher Verwirrung in ihr Roadbook starren machen wir uns auf den Weg zum nächsten Checkpoint. Der Weg ist lang genug, um sich mit den einzelnen Aufgaben vertraut zu machen und Taktiken zu schmieden, die uns einen Platz auf dem Treppchen garantieren sollen.

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Kurz vor dem 2. Checkpoint, dem Clubhaus eines Schützenvereins, haben wir zum ersten Mal wieder „Feindkontakt“. Ein Mini Clubman fegt durch das Dorf, um dann mit ordentlichem Schwung in die verkehrte Richtung abzubiegen. Am Schießstand sind wir die Ersten, selbst die Rennleitung fehlt noch und so kümmern wir uns um weitere Zwischenprüfungen. Während wir uns um ein gefordertes Kunstwerk aus Duct Tape kümmern, kochen wir eines der Eier auf den heißen Fächerkrümmern des Wagens. Nach dem Schießen geht es immer weiter in Richtung Eifel. Für die folgenden Aufgaben balancieren wir Quad fahrend ein rohes Ei auf dem Kopf oder schießen mit Pfeil und Bogen auf einunechtes Nashorn. Zwischen den einzelnen Aufgaben genießen wir die perfekten Landstraßen – Kurven, Hügel und fantastisch bunt gefärbte Laubwälder sind unsere Weggefährten auf diesem Tag. Und so wie alle anderen Teams fiebern wir auf vorletzte Wertungsprüfung hin, den Nürburgring.

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Die einzigartige Energie, der wohl legendärsten Rennstrecke der Welt, erfasst uns schon Kilometer bevor wir auf den Parkplatz des alten Fahrerlagers abbiegen. Natürlich sorgen wir mit dem Ford Capri für Aufsehen. So einen hatte offensichtlich jeder Opa, Onkel und Vater. Die Fahrten in den Urlaub waren immer toll und selbstverständlich war das noch richtiges Blech. Wir suchen uns eine charmant lächelnde Dame am Rande des Geschehens und laden Sie auf einen Schluck Prosecco ein. So müssen wir uns nicht ausschließlich mit Fremden über den Wagen unterhalten und erfüllen eine der zusätzlichen Aufgaben aus dem Roadbook mit Bravour. Irgendwann endet auch die unendlich scheinende Wartezeit und wir dürfen in die Boxengasse des Nürburgrings fahren.

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Wir präparieren unsere Uhren, denn heute geht es nicht um die schnellste Rundenzeit. Gegen den Ferrari oder den einen oder anderen Ring-Renner der lokalen Teilnehmer hätten wir sowieso keine Chance. Es geht vielmehr darum, zwei möglichst gleich schnelle Runden auf der verkürzten Grand-Prix Strecke zu fahren. Eine Aufgabe, die nicht nur bei uns für Schweiß auf der Stirn sorgt. Während wir uns mit der Strecke vertraut machen, schießen die Locals wie von wilden Tieren gejagt über den Asphalt. In der Dämmerung sieht hier und da Flammen aus Auspuffrohren schlagen und sowohl die Tankanzeige unseres Boliden, als auch unser Adrenalinspiegel senken sich langsam.

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Es folgt eine letzte Aufgabe auf einer Gotcha Anlage und – viel besser und wichtiger – das Dinner zum Tagesabschluss. Begleitet von irrwitzigen Erlebnissen, jeder Menge Benzingespräche und die immer wieder aufkommende Frage, warum wir denn Anzüge tragen würden, endet ein ausgesprochen grandioser Tag. Wir haben es nur ins obere Mittelfeld und nicht auf das Siegerpodest geschafft, dafür bekommen wir aber einen Sonderpreis für das bestangezogene Team. Beim nächsten Mal werden sich die Rheinländer auch so anziehen, wie es sich für wahre Gentlemen gehört, wir sind jedenfalls schon gespannt.

Alle Fotos der Gentlemen Rallye gibt es auf unserer Facebook Seite zu sehen.

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Fotos: Tim Adler für Heldth


VIELEN DANK AN DIE BETEILIGTEN FIRMEN

Auto: Ford Capri RS2600
Outfits: Ben Sherman
Schuhe: Red Wing Shoes Berlin / München / Hamburg
Handschuhe: Roeckl
Uhren: Victorinox